Viele Menschen in Deutschland spielen Fußball. Sehr viele. Aber im Vergleich zu denen, die träge auf dem Sofa oder dem Schalensitz hocken und besser wissen wollen, wie die Aktiven es machen sollten, ist das natürlich trotzdem eine Minderheit. Der durchschnittliche Fan, der auf Samstag, 15.30 Uhr und die die großen Turniere in den „geraden“ Jahren hinlebt, wirft bedenkenlos mit Ausdrücken wie „technisch begabt“, „taktisch gut ausgebildet“, „kann alles am Ball“ oder „mehr ein Fußballarbeiter“ um sich. Die Tricks oder Fehler, mit denen sich Spieler den Ruf eines „technisch brillanten“ – oder eben „limitierten“ Fußballers erwerben, nimmt er zwar interessiert zur Kenntnis. Aber wer kann schon genau beschreiben, welche Bewegungen und Ballberührungen in kürzester Zeit aufeinander folgen, wenn Lahm aus vollem Lauf eine Flanke mit dem rechten Fuß antäuscht, sich den Ball aber sofort danach ein Stück zurücklegt, somit den Verteidiger ins Leere laufen lässt und die Kugel dann mit links hereingibt? Oder wie Übersteiger und Ballmitnahmen aneinander zu reihen sind, damit man im Stile Ze Robertos einen Gegenspieler stehen lässt? Konsumieren und Staunen sind die Dinge, die die meisten dann tun, und sobald sie sich vorstellen, selbst gegen diesen Ballkünstler antreten zu müssen, fühlen sie sich so hilflos, als stünden sie Magiern gegenüber.

Aber irgendwie muss ja zu erklären sein, dass Deutschland in den letzten Jahren Spieler wie Götze und Özil hervorgebracht hat, und auch dem Laien dämmert zusehends, dass deren Trickkisten wohl auch deshalb so reich gefüllt sind, weil sie bestimmte Bewegungsabläufe akribisch,  jahrelang und immer wieder geübt haben. Talent ist eben nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Erfolg, und auch, wer nicht so sehr von den Genen begünstigt ist, kann sich auf dem Platz viele „Moves“ erarbeiten, die anderen Respekt abverlangen. Und das ist eben keine Zauberei, sondern eine ewige Abfolge von Anschauung, Aufdröseln in kleine Schritte, endloser Wiederholung – und irgendwann vielleicht „kreativer“ Abwandlung.

Die dreiteilige DVD-Reihe „Fußballtricks für Kids“, herausgegeben von der „Münchner Fussball Schule“ und ihrem Label www.DVDFussballtrainer.de, setzt genau da an: In temperamentvoll wie ästhetisch gefilmten kurzen Clips greift sie die Tricks berühmter Spieler auf, die aus lizenzrechtlichen Gründen vornehm mit Namen wie „Titiano Tonaldo“, „Philip Dahm“ oder „Wasti Beinsteiger“ umschrieben werden. Die Clips sind stets gleich aufgebaut: Sie zeigen einen etwa zehnjährigen Jungen im Eins-gegen-Eins mit einem Fußballlehrer. Erst sieht man dem Erwachsenen von Anfang bis Ende zu, wie er den jeweiligen Spielzug gegen den Jungen anwendet und den Zweikampf so gewinnt. Dann wird die Szene Schritt für Schritt wiederholt und auseinander genommen; dabei werden häufig Hilfsübungen mit ruhendem Ball gezeigt, mit denen sich der Nachwuchskicker den Trick erarbeiten kann wie ein Klavierschüler seine Sonate. So ist es am Ende immer der jüngere Spieler, der die Oberhand behält, als wolle er dem jungen Zuschauer zeigen: „Mit genug Übung schaffst du das auch!“

In Sachen Fußball bin ich beileibe kein „Aktiver“. Ich müsste aufwändig nachrechnen, wann ich zuletzt einen Ball am Fuß gehabt hätte. Warum das so ist? Nächste Frage. Trotzdem bekam ich beim Ansehen der kleinen, appetitlich wie leicht verdaulichen Lehrfilme große Lust, es selbst zu probieren – sooo schwer können Özils Dribblings, Ronaldos Übersteiger und Schweinsteigers Zweikampffinten doch auch nicht sein… Aber da war ich gerade bei der Arbeit. Und es war kein Ball in der Nähe. Und wie sieht das denn aus – so allein, im Innenhof, mit dem Cordsakko. Und auch jüngeren, beweglicheren Zuschauern räumt die bloße Kenntnis der „Fußballtricks für Kids“ natürlich nicht alle Steine auf dem Weg zum Weltniveau aus dem Weg: Etwas Talent muss schon sein, ohne geduldige Frustresistenz geht es nicht, und eigentlich wäre auch ein Fernseher mit DVD-Player in Platznähe von Vorteil, weil einige der Moves zu komplex sein dürften, als dass man sie auf dem Weg vom Fernsehzimmer zum Platz nicht vergessen würde. Für junge Fußballspieler, die sich beim Training im Verein in punkto Technik nicht genug gefordert oder gefördert fühlen, ist diese Reihe aber ein informatives Hilfsmittel, das ihnen helfen kann, sich auf dem Platz besser zu verkaufen und das dank ansprechender, sympathischer Aufmachung auch beim reinen Ansehen richtig Spaß macht.

Matthias Holtz

Advertisements