Man kann wohl sagen, dass ich irgendwie immer ein Faible für Torhüter hatte. Einer meiner ersten Fußballhelden ich lernte ihn bei der WM 90 kennen, war tatsächlich Bodo Illgner – für lange Zeit einer der letzten richtig guten Spieler, die der 1.FC Köln selbst hervorgebracht hatte und der es dann sowohl ins Tor der Nationalmannschaft als auch von Real Madrid schaffte.

Seither habe ich immer diese Menschen bewundert, die sich da todesmutig in den Kasten stellen und deren Primäraufgabe es ist („moderner Torwart“ hin oder her), diese eine, diese letzte aller Bastionen zu sein, die zwischen dem Gegner und dem Torerfolg steht. Wenn der Keeper mit allerletzter Kraft, unter Aufbietung der gesamten Körperlänge, irgendwie den Ball um den Pfosten gedreht bekommt – dann sieht das nicht nur cool aus, sondern hat auch etwas Heldenhaftes, eine poetische Komponente, ein sprichwörtliches „Über-sich-Hinauswachsen“. Und im Gegenzug sind der dramatischen Fallhöhe, wenn dem vermeintlich Unüberwindbaren in der Nachspielzeit der einfachste Kullerball durch die Lappen geht, kaum Grenzen gesetzt. Der Grad zwischen tragischem Versager und ruhmreichem Helden („Titan“) könnte schmaler kaum sein.

Aber das ist die Folklore. Bis diejenigen, die mit dieser Profession ihr Geld verdienen wollen, tatsächlich im Kasten einer Profi-Mannschaft stehen, ist es ein langer, harter Weg. Ein Stahlbad, könnte man fast sagen – allein aufgrund der hohen Konkurrenz um die Position, die pro Team nur einmal besetzt wird. Dazu kommt: viele Chancen sich zu beweisen darf man als Keeper nicht erwarten (Kurzeinsätze für Keeper gehören eher nicht zum guten Ton). Wenn die Chance dann doch mal da ist, muss man sie eiskalt nutzen, darf keine Nerven zeigen – sonst ist man ganz schnell weg vom Fenster. Da muss jeder Handgriff sitzen, jede Bewegung aus dem Effeff bekannt sein, jede Unsicherheit beseitigt sein.

Das Team vom DVD-Fussballtrainer hat sich daher nach ihren Lern-DVDs für Feldspieler und den Fußballtricks für Kids (sh. Rezension hier) auch dem Trainingsprogramm für Keeper gewidmet. Und dazu hat man für die DVD Torwarttraining mit Michael Rensing gleich einen prominenten Vertreter der „Spezies Torhüter“ gewinnen können. Rensing, der die oben beschriebenen Tücken des Geschäfts nur zu gut und aus bitterer, eigener Erfahrung kennt, kommt dabei sympathisch und interessiert rüber, wenn ihm sein Coach Daniel Weber die einzelnen Übungen vorstellt und jeden Bewegungsablauf durchspielt.

Das alles findet im klassischen, bewährten Stil der DVD-Fussballtrainer-Reihe statt: sämtliche Übungen werden einzeln in kompakten Clips von rund zwei Minuten zunächst erklärt und dann von Rensing mehrfach, aus verschiedenen Kamerapositionen und mit Zeitlupen durchgespielt und seziert. Ein großes Plus der Serie: es wird Wert auf schlüssige, gut verständliche und jederzeit nachvollziehbare Beschreibungen gelegt, sodass jeder am TV problemlos verstehen kann, wie die jeweilige Übung ablaufen soll, wozu sie dient und welche Abläufe dabei besonders entscheidend sind.

Die Trainings-Übungen selbst sind in die Blöcke „Aufwärmen“ (15 Stück) und „Übungen“ (22 Stück) eingeteilt und können als Ganzes oder einzeln abgespielt werden. Einzelne Teilbereiche wie der Umgang mit langem und kurzem Eck, Doppelschüsse (also die Reaktion auf Nachschüsse im laufenden Spiel), gezieltes Zonenspringen oder 1 gegen 1 sorgen für Abwechslung und decken ein breites Spektrum ab. Darüber hinaus wechseln sich simple Reflexübungen mit Einheiten ab, in der der Keeper Informationen verarbeiten muss, die über den reinen Schuss auf das Tor hinausgehen (z.B., indem er gezielt auf Zuruf um farblich markierte Punkte vor dem Tor laufen muss, ehe er den Ball parieren kann). Das macht die DVD nicht nur abwechslungsreich, sondern schult den Torhüter auch darin, eine möglichst ganzheitliche Wahrnehmung des Geschehens im Spiel aufzubauen.

Das alles ist nicht nur interessant für Torhüter in spe, sondern auch für deren Torwarttrainer, die gezielt ihre Einheiten nach den hier vorgestellten Übungen zusammenstellen oder ergänzen können. Einziger (minimaler) Verbesserungsvorschlag wäre an dieser Stelle vielleicht, dass man hier zukünftig entweder auf der DVD selbst oder im Booklet etwas ausführlicher auf den tatsächlichen Aufbau einer solchen Trainingseinheit eingehen könnte (Welche Übungen machen in welcher Abfolge Sinn? Wie lang sollten die einzelnen Übungen sein? Wie lange das gesamte Training?).

Doch das ist nur Erbsenzählerei. Denn ohne Zweifel ist das hier eine hervorragende Lern-DVD für junge Torhüter und ihre Trainer. Rensing selbst sagt zu den Übungen: „Sie helfen mir bei der Weiterentwicklung und ich spüre täglich die Ergebnisse“ – und das nimmt man ihm definitiv ab. Eine mehr als sinnvolle Erweiterung der DVD-Fußballtrainer-Reihe!

[Marco Jankowski]

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