Sir Alex Ferguson nannte als Geheimfavoriten „definitiv Dortmund“, Donezk-Trainer Mircea Lucescu hatte bereits vor dem Achtelfinale eine Vorahnung, dass der Sieger aus der Begegnung zwischen dem BVB und Donezk „ins Finale“ einziehen wird und ich muss gestehen, dass ich dem BVB – spätestens jetzt – auch alles zutrauen werde.

Borussia Dortmund ist in Europa angekommen. Nun ist das nach einer sensationellen Vorrunde, in der wahrscheinlich schwierigsten Vorrundengruppe, keine bahnbrechende Neuigkeit, allerdings sind Vorrunden nur selten mit den darauf folgenden K.O.-Phasen zu vergleichen. Die echten Sieger-Teams erkennt man nämlich erst dann, wenn sie auch ab dem Achtelfinale noch als solche auftreten. Nicht umsonst sind schon viele Teams in jeglichen Wettbewerben, auch nach überragenden Vorrunden, sprichwörtlich baden gegangen. Und nicht umsonst wurden starke Mannschaften wie Bayern, Mailand, Barcelona oder Liverpool in Vorrunden auch schon einmal von Gegnern wie Bröndby Kopenhagen, dem FC Zürich, Celtic Glasgow oder auch dem FC Basel in die Schranken gewiesen.

An dieser Stelle muss ich meinen eigenen Vergleich allerdings auch wieder ein wenig revidieren, da ich in den genannten Beispielen auch stets das Gefühl hatte, diese Teams seien soeben über sich hinausgewachsen und hätten auch das Quäntchen Glück gehabt, das sie an den jeweiligen Spieltagen gebraucht haben. Bei Dortmund war es nicht so. Meine gesamte Erwartungshaltung an dieses junge Team war aber auch eine ganz andere. In Anbetracht der Gruppenauslosung erschien mir jedes erdenkliche Szenario möglich. Doch Dortmund nahm nicht mehr als reiner Außenseiter an diesem Wettbewerb teil. Ein Team, das in zwei aufeinanderfolgenden Jahren eine starke Bayern-Elf hinter sich lässt, ist alles, aber längst kein Underdog mehr. Wieso also nicht auch diese Gruppe bestehen? Und sie haben es in einer Art und Weise getan, die mir unheimlich imponiert hat. Sie dominierten starke Gegner, zeigten Fußball aus den wertvollsten Lehrbüchern und waren mit ihrem Spiel erfolgreich. Was man nach solchen Spielen denkt? Großartig, Dortmund, weiter so.

Nun bin ich wahrlich nicht immer ein großer Freund der Schwarzgelben gewesen, doch diesem „Hype“ gebe ich mich seit einiger Zeit auch gerne hin. Mit der Masse zu schwimmen ist ja auch nicht per se etwas Schlechtes. Dortmund zu zelebrieren wird mittlerweile schon sehr oft als Mainstream abgetan, aber ist es eine Sünde, ein Freund des schönen, modernen Fußballs zu sein? Ein Freund von Fußball, der in Deutschland erarbeitet und perfektioniert worden ist? Ich denke nicht. Und wenn doch, bin ich eben gerne ein schlechter Mensch – bezüglich der ganzen BVB-Huldigungen.

Nichtsdestotrotz hat mich Dortmund auch weiterhin überrascht. Nämlich mit diesen starken Auftritten gegen ein ukrainisches Team, das meiner Ansicht nach zu den stärksten möglichen Gegnern zählte. Eine weitere Reifeprüfung für das hungrige Dortmunder Team. Viele sprachen schon vom möglichen Stolperstein, aber Dortmund antwortete auf dem Platz – und das mit Bravour.

Dieser Text wird auch nicht dazu dienen, jetzt auf andere Gegner einzugehen und andere Teams zu nennen, denen ich eine gewichtige Rolle zutraue, aber nur so viel: Es gibt für mich neben Dortmund vielleicht maximal vier weitere Vereine, die um die endgültige Entscheidung mitstreiten werden. Auch wenn der Liga-Abstand zu den Bayern dieses Jahr sehr deutlich ist und die DFB Pokal-Verteidigung ebenfalls von den Bayern vereitelt wurde, traue ich Dortmund in Europa weitere Klasse-Spiele zu. Vielleicht auch gerade deshalb. Und was der BVB am Ende erreicht hat, wissen wir spätestens am 25. Mai nach dem Finale in Wembley… Ich werde mich als Fan ohnehin auf das Endspiel – egal wer es erreicht – freuen, aber eine Teilnahme der Westfalen käme für mich nun nicht mehr überraschend.

Giuseppe Cotrufo

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