Heute ist Weltfrauentag! Wahnsinn. Frauen, die ohnehin schon an 364 anderen Tagen im Jahr den Hof gemacht kriegen, förmlich auf Händen getragen werden wollen, längst für eine Unterdrückung des Mannes gesorgt haben, nehmen sich tatsächlich auch noch das Recht heraus einen Tag zu haben, an dem noch mehr nach ihrer Schnauze laufen soll? Ach, papperlapapp. Klingt ja fast schon verbittert, wenn ich mich für diesen Text noch selbst ernst nehmen könnte. Nein, ganz ehrlich, ich finde es toll. Frauen sind toll, eben genauso wie Männer auch toll sind. Darum die Gleichberechtigung, darum war die Unterdrückung der Frau immer blöd – auch wenn sie vor Jahren tatsächlich noch nicht einmal alle wussten, was Abseits ist. Aber darum geht es nicht. Für mich sollte es ohnehin eine Selbstverständlichkeit in der Wahrnehmung beider Seiten darstellen und nicht zum Politikum mit anschließendem Geschlechterkampf ausarten. So sorgen aber wenigstens noch unsere staatlichen Entscheidungsträger für das ein oder andere amüsante „Kabinett-Stückchen“.

Überhaupt stellt sich nur eine andere Frage für mich: Wie schaffe ich es, auch diesen Tag mit dem Fußball in Einklang zu bringen? Heute ist ja schließlich auch einer von meinen 365 Weltfußballtagen in diesem Jahr. Ich könnte nun so vieles machen. Ich könnte die stetige Entwicklung des Frauenfußballs erörtern, das Bild der Frau als Fußballfan charakterisieren oder auch speziell über die Rolle der Frau als Ultrá eine empirische Erhebung durchführen. Alles interessant, aber jetzt gerade ist mir das ehrlich gesagt etwas zu mühsam und ohne die Belege aus der Fachliteratur würde mir danach jeder Soziologe – wahrscheinlich auch zu Recht – eine mangelnde Auseinandersetzung mit der Thematik sowie eine offen zur Schau getragenen Oberflächlichkeit nachweisen können, die ich mir auch hätte sparen können. Also wähle ich ein Thema, das man gut und gerne recht oberflächlich halten darf – theoretisch könnte ich mir auch das sparen, aber theoretisch könnte ich nun auch in der Position eines Lionel Messi sein.

Welche Rolle haben Frauen in meinem persönlichen Fußballleben eingenommen? Geht ganz ohne Literatur und nur anhand einiger vager Erinnerungen. Für die nachweisliche Richtigkeit kann ich allerdings nicht garantieren und würde dementsprechend darum bitten, auf eine Vereidigung verzichten zu dürfen.

Es fing eigentlich alles schon recht früh an, nämlich im frühesten Jugendbereich. In der Pampers-Liga. Man kommt das erste Mal mit dem runden Leder in Berührung und der Großteil der umherstehenden Personen, die das Geschehen beobachten, besteht aus Frauen. Wann wünscht man sich denn als Junge nicht, im Fokus so vieler Frauen zu stehen. Naja, es gab wahrscheinlich schon zu dem Zeitpunkt bereits einige Frauenbilder, die zugegebener Weise weniger sexy waren. Lehrerinnen und die tatsächlich Anwesenden, die Mütter. Sei es drum: Ohne Sie hätten zumindest eine Menge der Kinder nicht so viel Zeit mit dem lustigen Ballsport verbringen können. Auch die Fahrgemeinschaften um uns Kinder zum Training, zu den Spielen oder sonst wo hinzubringen, wurden von den Müttern organisiert und die Fahrten von ihnen getätigt. Bei Spielen backten sie Waffeln und verkauften sie in unseren gefühlt-ausverkauften „Arenen“. An guten Tagen gingen sicherlich so um die 50 Waffeln weg.

Mit zunehmendem Alter wurde für uns Jungen dann auch der Wettkampfgedanke immer größer. Und auch die Mütter – mittlerweile sogar die weiblichen Geschwister – prägten diese Gedanken parallel zu uns weiter aus. Kreischend standen sie während der Spiele, nein es müssen echte Heldenschlachten gewesen sein, an der Außenlinie und waren anscheinend teilweise kurz davor in Ohnmacht zu fallen. Solche Hysterie-Wellen schwappten damals womöglich nur den zu uns in Konkurrenz stehenden Boygroups wie den Backstreet Boys oder *NSYNC entgegen. Wir erlebten diese geballte Frauenpower Woche für Woche auf dem Fußballplatz hautnah. Nach den Spielen wusste man daher nie so recht, wer sich während der Spieldauer mehr verausgabt hatte.

Schlimm wurde es aber als Aktiver erst so mit 13, 14, 15 Jahren. Da ging es darum, wer tatsächlich den Sprung zu einem waschechten Fußballer hätte schaffen können – ich nehme an dieser Stelle mal vorweg, dass ich mich heute zwar immer noch im Sport bewege, allerdings in einer berichterstattenden Rolle. Aber nervös war man ohnehin nicht dann, als die Späher anderer Vereine da waren. Nervös wurde man erst, wenn auf der Tribüne dieses eine Mädchen, das man doch schon seit einiger Zeit so süß fand aber sich nie getraut hatte es anzusprechen, erblickte. Hatte man doch schon so viele Bravos inhaliert. So viele welterhellenden Antworten von Dr. Sommer waren schon in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn der Schwarm dann aber tatsächlich mal am Wochenende auf dem Fußballplatz war, ja, da hat man sich sprichwörtlich fast in die Hose geschissen, weil man bloß einen guten Eindruck hinterlassen wollte. Ganz nach dem Teenie-Klischee: Nur der Quarterback bekommt am Ende das heiße Cheerleader-Mädchen. Da bekam man erstmals zittrige Knie, der Pass über zwei Meter glich einem 40-Meter-Diagonalpass und jeder Schritt glich einem Antritt auf einem frisch gegossenen Betonfeld. So war das, liebe Mädchen. Ihr habt uns das Leben damals nicht gerade leicht gemacht und doch möchte ich euch an diesem Tag, dem Weltfrauentag, diesen Text schenken. Rückblickend wurde ich ja auch vor Jahren aufgeklärt, dass es sowieso nie wichtig war, wie wir gespielt haben.

Heute begegne ich dem Fußball und den Frauen immer noch häufig parallel zueinander. In der Kneipe bei Fußballspielen, im Stadion mit Freundinnen, als Zuschauer beim Frauenfußball, überall sind die Grenzen also fließend. Ebenso, wie es sich Clara Zetkin 1911 schon gewünscht hätte. Auch wenn der Weltfrauentag damals noch am 19. März stattfand – Google weiß übrigens einfach alles. Und um mal Butter bei die Fische zu tun: Ihr habt euch den Tag verdient, auch wenn ihr das gleiche wie heute an den restlichen 364 Tagen des Jahres ebenfalls verdient. In diesem Sinne: Habt einen schönen Tag.

Giuseppe Cotrufo

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