Die lästigen WM-Qualifikationsspiele sind gelaufen und man darf sich schon bald wieder auf den Bundesliga-Alltag freuen. Kein Deutschland gegen Kasachstan, kein Estland gegen Andorra oder weiß der Geier was. Ich hab nichts gegen diese Länder, aber ich muss auch nicht mit meiner Meinung inne halten, dass es für Fußball-Ästheten nicht gerade ein Augenschmaus ist.

Eine Sache hat mich aber wieder einmal extrem genervt. Wieso um alles in der Welt, wird nach einem 4:1 gegen Kasachstan, nach einem Pflichtsieg, einfach immer dieses verdammte Haar in der Suppe gesucht??? Na klar, Neuer leistet sich einen Riesenbock, die Chancenauswertung ließ zu wünschen übrig, über ein System ohne Stürmer lässt sich streiten und die Abwehr ist ohne Hummels eh scheiße…

Leute, geht´s noch? Deutschland hat gestern ein Pflichtprogramm bestanden. Ein gutes Pferd… Ne, das mit dem Pferd war natürlich nur ein Witz. Mir ist klar, dass man möglichst das perfekte Spiel erwartet, gerne nörgelt und einfach immer die Perfektion anstrebt. Die Art und Weise geht mir aber schlicht und ergreifend auf den Sack.

Nehmen wir mal die typischen Deutschen Tugenden, die wir allgemein tauglich auf den Fußball münzen können: Einsatzbereitschaft, Entschlossenheit, Abgezocktheit und so weiter. Passt fast immer. Das ist aber schon lange nicht mehr alles – der guten Jugendausbildung sei Dank. Deutsche Fußballer sind mittlerweile auch technisch und körperlich auf einem außerordentlich guten Niveau angelangt und für viele Länder Vorreiter. Das war nicht immer so. Und da sollte man stolz drauf sein. Soviel zu den Fußballern.

Wären da noch die Fans. 2006 noch von allen Seiten gelobt. Feierwütig, bedingungslose Unterstützung und die Leidensfähigkeit, kurz vor dem ganz großen Coup noch zu scheitern. Auf das Erreichte war man dennoch stolz. Die stetige Entwicklung der Mannschaft und die gestiegenen Ansprüche der Spieler an sich selbst, haben natürlich auch die Ansprüche der Fans steigen lassen. Nun wäre das ja alles nicht so schlimm, wenn es nicht Spiele wie gegen Kasachstan geben würde. Es beginnt schon bei den „Fans“ im Stadion. Was zur Hölle soll man davon halten? Bei aller Rivalität zwischen Nürnberg und München, aber muss man einen Manuel Neuer nach so einem Fauxpas wirklich pausenlos auspfeifen? Ist das förderlich? Wer spielt überhaupt? Nürnberg? Bayern? Ne, Deutschland… Egal, ist ein Münchner, hat ein Gegentor verschuldet, muss jetzt eben sein… Bravo! Idioten, denke ich. Verurteilt mich dafür, aber das ist nicht die Art, wie man mit einem Nationalspieler umgehen sollte. Nicht während eines Spiels, nicht in Momenten, wo man ihn aufbauen sollte – bei allem inneren Groll, den man über bestimmte Fehler aufgestaut hat.

Dazu möchte ich gerne mal einige Kommentare zusammentragen, die ich mir gestern in diversen Foren durchgelesen habe. Tatsache: Es interessiert mich schon ein wenig, was da so alles zusammenkommt. Zu viel Langeweile habe ich – vielleicht auch gerade dadurch – nicht. Es bleiben alles Sachen, über die man vielleicht vernünftig streiten könnte: Löw kann nichts, ohne Stürmer geht´s nicht, so holen wir keine Titel, die Abwehr geht gar nicht, gegen jeden anderen Gegner hätten die verloren, die kann man doch einfach mal abschießen, was für eine Nulpe steht da im Tor, Rückfall in alte Zeiten und so weiter. Bullshit. Mich regt das eigentlich nur bedingt auf. Allerdings stört mich vor allem diese Kurzsichtigkeit in den Kommentaren, die immer wieder dann zur Schau getragen wird, wenn ein deutscher Sieg mal nicht ohne Makel errungen wird. Ich spreche hier auch bewusst von deutschen Siegen, denn so gehen die meisten Spiele eben aus.

Bei einem Sieg in einem Freundschaftsspiel gegen Brasilien, Holland oder England – wir nehmen mal an sogar ohne nominellen, echten Stürmer – hätte ich dann sowas gelesen: Riesenspiel, Löw der Taktikfuchs, guter Torwart, so werden wir auf jeden Fall Weltmeister, was für eine geile Mannschaft etc. Nun ja, jetzt bin ich aber auch nicht wirklich böse über diese Tatsache, aber es fällt auf. Ich meine, der Großteil an Kommentaren entsteht ja eigentlich nur deshalb, weil der Großteil der Kommentierenden nichts weiter tut, als das Medienecho zu verbreiten. Wen kritisiere ich nun also wirklich? Fans, die sich dazu berufen sehen, die Spieler des eigenen Landes auszupfeifen, diejenigen, die so einfach zu manipulieren sind, die Medien, die tagtäglich neue Brandherde entfachen und teils manipulativ berichterstatten? Sucht es euch aus.

Im Endeffekt bleibt es immer ein Kreislauf, in dem jeder bestimmte Rollen einnimmt und sie ausfüllt. Ändern wird sich da ohnehin nichts. Egal ob wieder irgendjemand einen schwachsinnigen Kommentar schreibt, die Medien Positions-, Trainer- oder gar Fan-Debatten starten oder ich in einem Blog darüber schreibe, dass ich es gerne anders hätte. So what? Ich würde einfach vorschlagen: Drei Punkte im Sack, Mund abwischen und weitermachen!

Giuseppe Cotrufo

Bei Interesse könnt ihr übrigens auch mal ins unseren neuen Online-Talk von Hauptsache Fussball gucken:

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