Die Bayern, Meister, ja klar. Klar und überdeutlich. Hegemonial wie nie zuvor, zumindest im deutschsprachigen Raum. Wirklich? Vorsicht: Der Dualismus mit Dortmund wird bleiben. Dahinter – nicht nichts, aber derzeit nicht allzu viel. Alle anderen Klubs werden in Zukunft noch härter, noch intensiver an Spielsystem, Taktik, Fitness und Teamgeist arbeiten müssen, um an dieser Bundesliga-Doppelspitze wenigstens auf Sichtweite dran zu bleiben.

Als Bayern-Fan darf man diese Meisterschaft absolut überragend, großartig, ja geradezu einmalig herausgespielt finden. Die so wohlgeformte wie stabile Architektur einer wie selten charakterfesten Mannschaft, die überaus abwechslungsreiche, zumeist überaus unterhaltsame Spielgestaltung, taktische Feinheiten ohne Ende, kaum einmal erlahmende mentale Frische und körperliche Fitness. Der lange Atem – einfach top.

Und wie auch immer man zu den Umständen des  Abschieds von Jupp Heynckes stehen mag – eins ist klar: Er wurde nicht besonders stilvoll inszeniert. Zweites ist aber auch klar – dieser Abschied kommt zu diesem Zeitpunkt genau richtig. Absolut richtig.

Für Jupp Heynckes selbst sowieso. Weil er diese Saison niemals mehr wird toppen können – egal, welche Erfolge nun noch kommen werden oder eben halt nicht. Die Meistersaison ist jetzt bereits an überragende Superlative geknüpft. Diese Hammer-Bundesliga-Jubiläumssaison kann diesem Bayern-Team und seinem Trainer niemand mehr nehmen. Und mit einem in dieser Saison mehr denn je vorstellbaren Champions League-Titel wäre Heynckes auf dem absoluten Zenit seiner Karriere – zum genau richtigen Zeitpunkt, vom Gewinn des nationalen Pokals mal ganz zu schweigen. Was sollte er da nächste Saison noch holen wollen? Den Super-Cup, der in der Trophäensammlung des Clubs tatsächlich noch fehlt? Hm. Jupp Heynckes hätte, im Gegenteil, alles in seinem Alter (nächsten Monat wird er 68) erreicht – vor allem wäre er nach all dem Stress auch noch gesund. Nein, der Don hätte zukünftig, bei den Bayern alsbald schon ein gewaltiges Motivationsproblem. Und die nächste Niederläge käme so sicher wie… sucht es euch aus. Und das Medienecho á la „Geh, alter Don, dank endlich ab!“ – ich möchte das gar nicht weiter formulieren. Also nur gut, dass es eben gar nicht erst derart bitter kommen kann für Don Jupp.

Nächste Möglichkeit: Scheiden die Bayern in der Champions League dagegen bereits im VF oder HF aus oder verlieren sie gar zum dritten Male in vier Jahren das Finale, dann wird ein erholter, aufgeladener, ideenreicher, top-motivierter Pep Guardiola (er muss erst beweisen: Ich, Pep, kann es auch außerhalb Kataloniens!) umso dringender gebraucht denn je. Denn egal ob die Bayern gegen Juve, Barca, Paris, Real, Gala, Dortmund oder Malaga ausscheiden – wenn sie das denn täten – spätestens dann wird sich in den entsprechenden Matches gezeigt haben, was den Bayern zur absoluten europäische Spitze immer – immer! – noch fehlt. FEHLT! F E H L T!! (Boah, den roten Kopf von Uli H. möchte ich mir jetzt dazu noch gar nicht vorstellen, absolute Herzinfarktgefahr!) Im Falle eines Misserfolges auf internationaler Ebene würde/wird ein unverbrauchter Pep ab Juli 2013 besser reagieren können, als ein in allen Super-Meister-no Champions but Lampions-Ehren ergrauter – aber eben doch – ergrauter Osram/Jupp.

Und das Beispiel O. Hitzfeld sei D. Jupp bitte eine echte Warnung: Hitzfeld hat nach Bayerns 2001er CL-Triumph einfach so weiter gemacht – und drei Jahre später nach einem heftigem Burn-Out eine längere Pause machen müssen. Dann kam Magath. Dann kam…

Tja, und sollten die Bayern in dieser Saison wirklich alles gewinnen – es bliebe doch nur eine Momentaufnahme. Ja gut: was für eine – eine für die Ewigkeit, gewiss. In der Erinnerung, rückblickend, sicherlich. Aber doch ein punktueller Erfolg. Denn möchte der FCB wirklich in die grandiose Phase 1972 bis 1976 mit drei deutschen Meisterschaften und drei CL-Titel aufschließen – und nur darum, um wieder eine längere internationale Top-Phase zu generieren, hat man Guardiola und Sammer geholt – dann gibt es ab sofort superviel zu tun. Nur Männer von der Statur eines Pep Guardiola oder eines José Mourinho (mit Abstrichen, polarisiert zu stark, nicht verfügbar), Alex Ferguson (schon zu alt), Jürgen Klopp (nicht verfügbar! sic!) sind in solch einem triumphalen Moment – aber eben: Moment! – in der Lage, diese absoluten, allerhöchsten Ziele hin zu jahrelanger europäischer Dominanz strategisch-langfristig zu formulieren und zu vollenden. Arsène Wenger? Hm. Andere? Hm, hm.

Nun gut, viele der Genannten sind wie gesagt wirklich nicht verfügbar, also liegt es in der Tat an – ich sage es nochmals: Vom Verein, auch vom Zeitpunkt her, sehr gut ausgewählten, jedoch etwas plump präsentierten und kommunizierten – Pep Guardiola zum Beispiel dieses erfolgreich umsetzen: Langfristige wichtige Weichenstellungen und Innovationen  in der Jugend- und Scouting-Arbeit. Einen zweiten CL-Titel, oder mindestens wieder das Erreichen des HF/Finales im direkten Anschluss an den potentiell möglichen 2013er-Titel, mit einer wieder weiterentwickelten, verstärkten, noch besser eingespielten Mannschaft.

Und nun wären wir bei der Mannschaft; sie ist auch nicht mehr die allerjüngste inzwischen – Ribéry wird heute 30! – , und sie muss sich unter Guardiola/Sammer, punktuell hoffentlich wieder mindestens auf zwei bis vier Positionen verstärkt, erneut beweisen! Und zwar national wie international. Denn: Holte der BVB in der nächsten Season 2013/14 zum dritten Mal in vier BL-Saisons erneut die Meisterschale  oder holte der BVB noch in dieser Saison (oder der nächsten) die Champions League-Krone und die Bayern nicht, es wäre für den FC Bayern unter Uli Hoeneß und Konsorten ein Mega-Affront, ein übler Hammerschlag.

Wie auch immer: Jürgen Klopp und seinen Jungs ist genau dies absolut zuzutrauen, und JK weiß das, er und sein Team sind derzeit in einer mehr als komfortablen Ausgangslage – egal, ob man gegen Malaga besteht oder nicht.  Klopp wird sagen, dieses Jahr Viertelfinale, pah, wer hätte uns das zugetraut, war doch toll! Und nächstes Jahr sehen wir weiter, da wollen wir wieder ein Stückchen mehr vom Kuchen, mal gucken was kommt. Borussia Dortmund steht inzwischen definitiv superfett ganz dick auf der europäischen CL-Landkarte. Jürgen Klopp kann – das  kommt noch dazu – (noch) mangels Erfolgsdruck, zumindest diesmal noch in Ruhe die nächste CL-Saison planen. Beste Voraussetzungen also für ein erfolgreiches 2013/14!

Nun, wie auch immer die noch laufenden Wettbewerbe in den nächsten Tagen und Wochen ausgehen werden: es wird, wie immer, nur einen Sieger geben. Alle Handelnden wissen das natürlich. Es gibt also, für beide Clubs, jetzt schon, heute schon, im Vorgriff auf die kommenden Saisons sehr, sehr viel zu tun – und das wird auch bereits gemacht, keine Sorge. Ich prophezeie deswegen: Auch die nächste Saison wird, in der Bundesliga wie in Europa, wieder eine absolute Top-Saison für beide deutschen Clubs. Und Schalke? Es braucht definitiv Verstärkungen, den passenden Trainer, die passende Club-Strategie, gerade  auch für internationale Erfolge. Das ist ganz wichtig. Denn um Platz drei oder vier kann man in Gelsenkirchen im gegenwärtigen Umfeld der aktuellen Bundesliga-Clubs ganz wunderbar mitspielen – so oder so. Die aktuelle Saison beweist es – mal wieder. Aber das reicht nicht, das darf Schalke 04 auch nicht genügen, niemals. Und das Auftreten der Clubs hinter Bayern und Dortmund wird in Zukunft nicht für die gesamte Bundesliga und ihre CL-Startplätze 3 und 4 reichen. Hier „muss also etwas passieren“. Aber was müssen die nachfolgenden Clubs tun? Interessante Fragen, wir werden darauf zurückkommen.

Warum sind die Bayern und auch der BVB so erfolgreich? Oft genug erörtert und diskutiert: Führungsstärke, Mannschaftsgeist, Sachkompetenz in den relevanten Bereichen, gute finanzielle Rahmenbedingungen. Man kann es ja gar nicht oft genug betonen: Die Bayern haben, der BVB ebenfalls, ihre große Klasse in dieser Saison oft genug unter Beweis gestellt. Der FCB hat zudem bewiesen, großartige Leistungen über längere Zeiträume abrufen zu können. Die Dortmunder aber auch: Siehe CL-Gruppenphase, siehe zweitbeste Bundesliga-Rückrunde mit acht Siegen, einem Remis und nur zwei Niederlagen. Dies unterscheidet beide Clubs deutlich von allen anderen Bundesliga-Teams der aktuellen Saison, ohne Ausnahme.

Und wie bereits in früheren Blogs angemerkt: Entscheidend auf dem Platz  ist letztendlich der Teamgeist, der Glaube an den Erfolg, das Gemeinschaftsgefühl, das „Wir schaffen das zusammen“ – und der Wille zum Sieg, das unbedingte Gewinnen-Wollen eines Titels.

Die Bayern wollen die CL vielleicht – traumatisiert wie sie sind nach den letzten Niederlagen – derzeit noch mehr als der BVB, trauen sich den Titel dieses Jahr auch wirklich zu. Die Gelegenheit ist zudem günstig. Barca ist vielleicht nicht ganz so stark wie in den vergangenen Spielzeiten – und nur über dieses Team führt der Titel, das haben die letzten Jahre gezeigt. Bayern wäre im direkten Vergleich erstmals nicht Außenseiter, sondern gleichwertig. Aber noch sind wir nicht so weit. Reicht der erzielte 2-0 – Vorsprung überhaupt aus gegen Juve? Wahrscheinlich. Oder sieht das ganze danach z.B. gegen Real aus? Real – nach der Halbfinalpleite  2012 gegen die Bayern – ist revanchelustig und ebenfalls sehr hungrig nach dem CL-Titel. Meister kann das Mourinho-Team wohl nicht mehr werden. Wie liefe Bayern vs. PSG, im Fall der Fälle?

Was die Bayern auszeichnet, und das ist wirklich Sammers, insbesondere aber auch Heynckes‘ Verdienst: Man schöpft wieder aus den eigenen Stärken, Paris und Juve hin, Barca, Real und der BVB her, nicht aus der Schwäche anderer Teams. Heynckes hat gerade seinen offensiven Leuten defensive Demut und absolute Laufarbeit verordnet – und im offensiven Sektor  einen vorbildlichen Teamgeist implementiert. Jeder läuft für jeden, rochiert auch vorne sehr teamorientiert, presst vorne vor allem sehr intelligent. Dieser Geist wirkt, so scheint es, überall, erkennbar eben nach hinten, aber auch nach vorne, in die Breite, abseits des Spielfeldes, eben überallhin. Spirit hat aber auch der BVB, war 2010/11 sozusagen Neu-Erfinder von supererfolgsorientiert pressendem Mannschaftsgeist schlechthin. Der BVB und  die Bayern, das sind in diesem Jahr die Mannschaften, innerhalb deren intakter Gefüge jeder für den anderen so aufopferungsvoll wie intelligent arbeitet wie kaum jemals zuvor. Der BVB traut sich die CL vielleicht noch nicht ganz so sehr zu wie die Bayern: Watzke sprach noch recht ehrfürchtig, im Falle eines Weiterkommens gegen Malaga, bereits vom „erlauchten“ Halbfinal – Kreis um Bayern, Barca, Real…

Das sagt derzeit schon alles. Käme es wirklich zu diesen letzten Vier, wäre a) zwar alles möglich, auch für den BVB, aber b) der BVB jedoch in dieser Runde leichter Außenseiter. Kein Problem wiederum für Klopp: 2011 hatte die Dortmunder vorab niemand unserer Fußball-Experten so richtig auf dem Meister-Zettel. Hat nicht geschadet, oder? Und Mourinho ist mit Inter, mit Porto CL-Sieger geworden, also beileibe nicht mit den stärksten Teams des Wettbewerbes – warum also nicht auch Klopp mit dem BVB? Oder eben José Mourinho mit Real, wer weiß…ja, ich lege mich fest: Gala oder Malaga oder auch Barca machen es wohl nicht. Nein, eher Bayern, Real, Paris (na ja) oder Juve (bitte nicht) oder aber eben der BVB.

Aber, eben, der BVB. Um mal wieder aufs Nationale zurück zu kommen: Wenn Borussia Dortmund in London-Wembley wirklich den Henkelpott holen sollte, beißen die Bayern nach zwei verlorene Finals 2010/12 vor Wut und Neid in ihre Meisterschale.

Es wird auf Glück ankommen, auf Geduld, Geschick, Abgezocktheit, Nervenstärke, die Schiris, Karten, Sperren, Spiele in Unterzahl, auf was auch immer. Ribéry ist immer für einen Ausraster gut, Ibra auch, Sergio Ramos, Pepe und andere bei Madrid auch – da kenne ich keinen bei Dortmund, keinen bei Barca – spricht für letztere Teams. Nicht so deren Abschlussschwäche bei Großchancen.

Aber die Bayern haben ein super Team in diesem Jahr, Betonung auf Team – und es zeigt sich vor allem lernfähig. Fehlerhaftes Defensivverhalten bei Ecken (Hamburg), Ribérys Ausraster gegen Juve, verschossene Elfer gegen Frankfurt: alles bereits gemacht. Ja, die Bayern haben bislang all das (über-) lebt. Und begangene Fehler haben sie eben rechtzeitig begangen (gutes Timing! Noch so ein Punkt!),  das hat sie noch stärker gemacht. Sie sind für mich deswegen tatsächlicher Favorit auf den CL-Titel, noch knapp vor – in dieser Reihenfolge – Real, vor dem BVB, vor Barca, vor Paris und – vor Juve. Ups.

Genau, Vorsicht, Juventus. Kommt Turin ins Halbfinale, dann…nun, dann war´s das. Meinem ansonsten überaus geschätzten Kollegen Giuseppe Cotrufo, der vor dem Hinspiel in München bereits auf Juve als CL-Sieger getippt hat, muss ich leider sagen: Berauscht von einem – durchaus möglichen, denn das ist das abgezockte Juve! –  doch noch geleisteten Turnaround gegen die Bayern, würde Juventus Turin anschließend entweder gegen eines der spanischen Teams untergehen. Oder gegen den BVB verlieren. Der dann wiederum als Bayern-Rächer gut dastünde – das wäre für die Bayern allerdings mindestens so schlimm wie der BVB-Triumph 1997, als Borussia Dortmund die Bayern direkt zuvor im Halbfinale ausschalten konnte und das Finale in München (!) gegen Juventus Turin (!) mit Super Jung-Siegfried Lars-Mario Götze-Ricken 3-1 gewann  (Stichwort: Mega-Affront). Und auch da hatte niemand den BVB auf dem CL-Zettel – niemand, und  schon gar nicht Juventus Turin.

Ja, Leute: Die Luft brennt, für alle, alles ist drin, für jeden, natürlich auch für Barca. Aber manche, manche sind glaube ich noch heißer als alle anderen. Oder? Die Luft brennt extrem, nicht nur heute, sondern auch bereits morgen, nächste Saison, denn auch da wird es wieder heißen: Bayern München – Borussia Dortmund. Und auch wieder gegen die ManUniteds, Cities, Chelseas, Juves, Milans, Reals und Barcas dieser Welt. Und und und . Und umgekehrt.

Wievielter dieser Bundesliga-Abschlusstabelle wird eigentlich Bayer 04 Leverkusen?

Andreas Bach

Vergesst nicht, auch in die Hauptsache Fussball-Talkshow „Eng am Ball“ hineinzuschauen. Die erste Folge unter folgendem Link auf unserem YouTube-Kanal:

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