So geht es nicht weiter. Oder doch? Uli Hoeneß hat ja ganz recht. Das Leistungsgefälle der Bundesligateams ist zu groß. Bayern haut Wolfsburg 6:1 weg und stürmt ohne Probleme ins Pokalfinale. Wo kommen wir hin, wenn es jetzt sogar im Pokal keine engen Spiele mehr gibt – für die Bayern zumindest? So zumindest die offizielle Lesart des heute rasch durchgeblätterten Pressespiegels und Internet-Echos. Doch – was will der Fan wirklich?

Ich weiß nicht, was der Fan wirklich will. Ich weiß nur, was ich wirklich will – meistens zumindest. Gestern wollte ich einen möglichst problemlosen Sieg der Bayern gegen die Wölfe – ab sofort Wölfchen genannt. Ich hatte Bedenken, dachte, hmm, die haben Barca im Kopf – das wird eine ganz schwierige Nummer. Was habe ich gelernt? Ich sollte mehr Vertrauen in meine Jungs haben.

Spaß beiseite. Versuchen wir es lieber mal mit ein wenig Humor. Zehn „Sachen“ oder „Dinge“ fielen mir während des Spiels mal wieder auf, entnahm ich danach dem in der ARD nachfolgenden Dreiergipfel Beckmann-Scholl-Sammer. Zehn Punkte also, die nerven, die symptomatisch sind für die Liga. Ob man „was ändern“ muss? Ansichtssache.

1. Showman Diego. Neben Van der Vaart einer der unsympathischsten Spieler der Liga. Immer meckern, immer nörgeln, immer austeilen, immer jammern beim Einstecken, immer mal für ein „geniales Tor“ gut, immer voll die Show, immer ein irgendwie unmoralisches Grinsen im Gesicht. Aber, um zum Fußball zurück zu kommen, nie wirklich mit so viel Charakter und Herz,  nie verlässlich in der Arbeit nach hinten, nie treu im Dienst seiner  jeweiligen Mannschaft. Immer nur ein paar wenige Highlights. Nie Konstanz, nie mal permanent hohe Leistungen. Quasi das Gegenteil von – Olic. Oder besser: Mandzukic.

2. Der VfL Wolfsburg. Selten so viel Missmanagement erlebt wie hier in den letzten paar Jahren nach der Meisterschaft. Die leider all das verdeckt hat, für das Felix Magath in Wirklichkeit steht. Was leider teilweise üble Nachwirkungen zeigt, bis heute. Und das bei aller geballten VW-DAX-Deutschland AG-Kompetenz dieses Konzern-Fortsatzes. Was ist das nur für ein Haufen? Allofs und Hecking können nun wirklich nichts für diesen Kader. Aber vielleicht für die Stimmung? Die Leidenschaft? Ach, was für eine Mannschaft: Wenig Gegenwehr, wenig Spielfreude, wenig Spielintelligenz, erschreckende Schwächen vor allem in der Defensive und im Herausspielen von wirklich gefährlichen Chancen. Dieser VfL Wolfsburg steht zurecht nicht auf einem der vorderen sieben Plätze der Liga. Diese Mannschaft will man auch nicht für unsere Liga in der Europa League antreten sehen. Langweilig, uninspiriert, fade, rumpelig. Ein Patrick Helmes beispielsweise ist Lichtjahre von seiner alten Form entfernt, so lasch dürfte er wohl auch in der zweiten Liga wenig reißen.

3. Bayern, der BVB und Matthias Sammer: Matthias Sammer sitzt bei Flugreisen direkt neben Uli Hoeneß. Hat er  gestern in der ARD gesagt. Da kriegt er natürlich alles hautnah mit. Der Uli, so Sammer gestern in der ARD-Nachbetrachtung, hat in einer dieser  Flug-Situationen einige sehr interessante, intelligente Dinge zur Zukunft der Liga geäußert. Der Uli will, so der Matthias, aktuell die Bayern-Dominanz gar nicht in Frage stellen. Es wäre für den Uli nur nicht so toll, wenn in den nächsten 15, 20 Jahren – analog zu Spanien – ausschließlich nur Bayern und ab und zu auch mal der BVB Deutscher Meister würden. Also, Leute: an Bayern und dem BVB vorne in der Tabelle wird sich so schnell nicht viel ändern. Vielleicht ab 2025 mal. Wenn es wirklich zu eintönig werden sollte 🙂

4. Teamgeist. Beckmann hat zu Scholl gesagt, die Bayern wären in dieser Saison ja erstmals so ein richtiges Team. Mit Geist. Mit Teamwork vor allem. Da würden ja alle für die alle anderen mitarbeiten. Ganz neue Erkenntnis. Witzig auch die Frage Beckmanns an Sammer: „Warum war das denn die Saisons davor anders?“ Antwort Sammer: „Keine Ahnung, ich war ja noch nicht da, bei Bayern.“ Ohne Worte. Da hat Reinhold Beckmann anschließend Mehmet Scholl nochmals die gleiche Frage gestellt. An die Antwort kann ich mich heute nicht mehr erinnern, nur daran, dass sie wohl schon richtig gewesen sein muss. Nämlich so etwa wie: Das Team kam über den Erfolg zusammen. Eine Saison ist, zumindest für die Bayern, sehr, sehr lang (für alle anderen etwas kürzer. Aber dafür verdient man da ja auch etwas weniger). Das heißt natürlich, dass da jeder drankommt. Manche halt nur etwas später als andere. Aber – siehe Robben und Shaqiri in der Rückrunde: Diese anderen werden genauso gebraucht wie alle anderen auch.

5. Scheiß Gegentor für Bayern. Nur 6:1, Mann. Und wieso macht Gomez nicht sechs Tore in 15 Minuten statt nur drei in sechseinhalb? Dergestalt wird man am Arbeitsplatz nun schon verarscht. So kann es nicht weitergehen, Leute! Wo der Spiegel oder eine  andere Journaille doch schon eine „schleichende Entfremdung“ von Super-Mario G. und seinem Arbeitgeber FCB festgestellt hat. Dto. Robben. Davon war mal wieder nichts zu sehen, reine Giftbemerkung, um Unfrieden zu stiften im Münchner Kader.  Oder eine „gute Geschichte“ zu haben. Ein Witz das alles. Was daraus, mal wieder, folgt: Die beste Antwort ist auf dem Platz. Robben: Zwei Assists, ein Tor. Shakiri: Tausend Assists, ein Tor. Ohne weitere Worte.

6. Die Vorfreude auf die beiden Spiele Bayern vs. Barca steigt sozusagen zehntelsekündlich.  Die auf die beiden Partien BVB-Real im Übrigen auch – aber da nur minütlich…

7. Wir wollen Freiburg im DFB-Pokalfinale. Das ergab eine soeben kurzfristig durchgeführte Umfrage in der HAUPTSACHE FUSSBALL-Redaktion (Teilnehmer: Andra, Matthias, Giuseppe, Marco und meine Wenigkeit). Auch wegen Fredi Bobic, der jetzt, so stand es heute zwischen den Zeilen seines großen Interviews in der „Süddeutschen Zeitung“, Präsident von dem „geilen Traditionsverein“ VfB Stuttgart werden will. Bobic weiter: „Es kann nicht sein, dass Vereine wie Nürnberg, Mainz oder Freiburg in der Tabelle vor uns stehen“. Bitte, lieber Christian Streich, lese dieses ganz wunderbare Zitat deinen Spielern heute kurz vor Anpfiff in der schwäbischen Umkleidekabine zu Stuttgart vor. Und dann haut diese nicht nur spielerisch derzeit sehr sparsam agierenden Spar-Schwaben weg! Bzw. besiegt sie doch ganz einfach nur, sagen wir, 2 zu null. Die aktuelle Tabellensituation ließe so ein Ergebnis auf alle Fälle als wahrscheinlich erscheinen, scheint es. Aber es ist ja Pokal. Und da gelten eigene Gesetze. Mist.

8. Wir wollen Stuttgart im DFB-Pokalfinale. Weil der VfB in der kommenden Saison den nominell besseren Kader haben dürfte  und so international bessere Chancen haben dürfte als der SC Freiburg. Stopp: Das habe ich jetzt übrigens nur so nur geschrieben, aber mit dem wirklichen, echten Herzen war das nicht gemeint. Stand heute zumindest. International, national, scheissegal.

9. Fred I., König von Stuttgart. Oder Bobic die Zweite. Ich weiß, Fredi Bobic hat zwischen den Zeilen heute in der „SZ“ gesagt, und auch schon früher des Öfteren angemahnt, das mit dem Sparen sei  Blödsinn. Auf Dauer zumindest. Es müsse wieder investiert werden. In den Kader. Da sei er sich mit dem Trainer ganz einig. Ich kann Fredi Bobic und dem Stuttgarter Trainer da zumindest teilweise nur Recht geben. Aber: Man kann halt nur das Geld ausgeben, was man einnimmt bzw. was einem die Banken oder die Sponsoren leihen, geben usw. Darum, nochmal: Es ist kein gottgegebenes Gesetz, dass der VfB automatisch vor gewissen anderen Traditionsvereinen in der Tabelle zu stehen hat.  Und bitte, VfB: Geht jetzt nicht diesen Weg wie Griechenland. Oder Manchester City. Oder Paris St. Germain. Oder Schalke 04 (´tschuldigung).

10. Traditionsclubs. Ich finde es interessant zu beobachten, wie es mit diesen sehr gut betuchten Traditionsclubs wie Wolfsburg, Hoffenheim oder auch Leverkusen sportlich weiter gehen wird. Wo diese Clubs nach Abschluss dieser und vor allem der nächsten Saison stehen werden. Wer dort noch spielen wird, wer nicht mehr. Eins scheint mir da jedoch sehr deutlich zu sein: Der letzte Glaube, der Spirit, der Teamgeist, der Wille zum Erfolg scheint manchmal etwas weniger ausgeprägt zu sein als in noch älteren nicht ganz so superbetuchten, weil teilweise hoch verschuldeten Traditionsclubs wie Schalke, Bremen oder dem HSV. Ich möchte damit sagen: Das Dauergekreische um die Rolle der so genannten Traditionsvereine kann einem manchmal schon wahnsinnig auf die Nerven gehen. Letztlich kommt es doch nur auf eines an: Den Erfolg. Den Teamgeist. Den Erfolg. Den Teamgeist. Siehe Barcelona. Siehe Borussia Dortmund. Siehe Bayern München. Siehe gar nicht mal so sehr Real Madrid. Und alleine aus diesem Grunde bin ich immer noch skeptisch, was die Champions League – Chancen von Real angeht. Denn alles andere – mit dem BVB laut Uli ja den schwächsten Halbfinalgegner, die dem Verein zugeneigten Schiedsrichter etc. – hat Real ja bereits so gut wie im Sack 🙂

11. Der 12. Mann. Hallo Fans! Ihr seid die wichtigsten! Die besten! Für euch soll‘s immer viele Tore regnen! Drum fand ich das 6:1 gestern auch richtig geil, einschließlich des „1“. Das Gegentor von diesem eitlen Sack war ja auch optisch gar nicht mal so übel. Geschenkt. Für´s Spektakel. Ja, es ist ein bisschen so gewesen wie im alten Rom. Nur dass am Schluss alle noch weiterleben durften. Warum eigentlich? Warum sogar Helmes und Madlung? Weil das Volk, nicht mal der Pöbel, überhaupt keinen Grund hatte, nach diesem Spektakel den Daumen zu senken. Was vor allem am FC Bayern lag. Aber diesen Schuss haben inzwischen wirklich alle gehört, oder? Eine Frage bleibt: Wollen wir wirklich eine andere Liga, 12. Mann?

Andreas Bach

Bei Interesse schaut doch mal in unseren Online Talk von Hauptsache Fussball hinein:

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