Ich war im Stadion. Ich war in unserer Kurve. Wembley hat alles getoppt, was ich an Finals bislang live erlebt habe. Und da ist unter anderem auch das Finale Deutschland – Holland 1974 in München darunter. Endstand damals 2-1 für Deutschland. Gegen die Niederlande. Endstand heute  2-1 für  Bayern. Gegen den BVB. Aber mit Holland. Mit Arjen Robben. Einem inzwischen echten Teil einer inzwischen auf großartige Weise teamgeilen Mannschaft. Was „the man of the match“  neben dem Tor zum 2-1 und dem Assist zum 1-0 für sein Team vor allem auch in die Breite und nach hinten quasi auf allen Positionen gearbeitet hat, aber auch als exakter Passgeber mit einigen überragenden Assists nach vorne, die dann z.B. von Müller mal soeben nicht finalisiert werden konnten, war nicht nur unglaublich viel und extrem fleißig, sondern auch unglaublich wirkungsvoll. Denn vom Gegner zugelassene,  wenn auch vergebene Großchancen können den Gegner bereits anknocken, zeigen eventuell erste Wirkung, lassen einen späteren Erfolg möglich erscheinen.

Ja, erfolgreich spielen lernen heißt: Teamplayer werden. Wer das, wie AR in einem langen, teils mühsamen Prozess nicht lernt, der ist am Ende auch nichts. Denn das hier ist nicht Tennis und auch nicht die Formel Eins. Ein Team muss lernen, miteinander zu spielen. Aber wie? Erst mal so: „Es ist wichtig, dass die zusammenbleiben“, das sagte Klaus Augenthaler im Interview für unseren „Hauptsache Fussball „-Film schon 2010 über den bayrischen Kern dieser Mannschaft, mit Schweinsteiger, Lahm, Müller, Badstuber, Contento, auch schon Kroos.

Und auch wenn die Hälfte der Genannten nicht mitgespielt hat – Arjen Robben war 2010 gegen Inter auch  schon dabei. Und Franck Ribéry bis zum Halbfinale. Und David Alaba – wenn auch damals oft auf der Bank. Der Junge hat eben qualitativ noch gebraucht. Umso besser kochte er jetzt in Hälfte zwei Kuba ab.

Ja, man spielt als Team wohl über eine längere Strecke, paar Jahre, besser sehr intensiv miteinander, um was zu reißen ganz da oben. Üben, üben, kommunizieren, diskutieren, üben, üben, analysieren, üben, feinjustieren, üben, üben, verlieren, üben, üben, verlieren,  feinjustieren, üben, übenübenübenübenüben, gewinnen. Miteinander. Alles. Das ist der Mehrwert. Denn nie war, auf diesem physischen, psychischen/mentalen,  spieltaktischen und individuellem Niveau, in derart dünner Luft, ganz oben im Mannschaftssport  der Teamgeist wichtiger als heute. Ja, ich weiß, das ist eins meiner Themen. Aber es ist eben so evident. Und der gemeinschaftliche Geist ist, laut Martin Rafelt von spielverlagerung.de, zumindest in Teilen auch messbar (Gruß an dieser Stelle an den BVB-Fan MR/Martin Rafelt. Danke nochmals für die tolle Analyse in der ENG AM BALL- Gesprächsrunde vor dem Finale). Messbar:  Die Pressingbereitschaft, die Laufbereitschaft nach hinten, nach überall hin, alle für alle. Und Teamgeist/Pressing war schon immer auch das Thema von Jürgen Klopp. Und von anderen guten, herausragenden  Trainern, beispielsweise von Happel , Csernai,  Guardiola. Aber man kann, siehe José Mourinho, beim Thema Pressen und Teambuilding auch aggromäßig voll überdrehen. Oder Pech haben. Wie Barca. Gerade das zudem recht satte Barcelona, mit dem kranken Trainer als zu lange fehlendem Teil des Teams,  und vor allem das intern hochgradig zerstrittene Real Madrid haben fehlenden Teamgeist aus ganz unterschiedlichen Gründen in dieser Saison bitter zu spüren bekommen.

Aber auch Borussia Dortmund war als Team über die Saison hinweg nicht so hervorragend balanciert wie die beiden Jahre zuvor, nicht  zumindest  so gut wie der FC Bayern  – und umgekehrt. Es hat gegeben (und gibt) schon lange, das unsägliche Gezerre um Lewandowski. Dann der vorzeitige Abgang von Götze. Puh. Alles kontraproduktiv. Gerade in der auch mental kräftezehrenden Endphase.  Obwohl die Mannschaft im Finale zuerst gelaufen ist, was das Zeug hielt – am Ende war es eben doch zu wenig. Die Reserven waren weg, aufgebraucht spätestens zum Ende von Hälfte eins, auch geistig, das sah man ganz deutlich. Dazu gab es auf der taktischen Ebene Kleinigkeiten, die das Spiel immer stärker in die rote Richtung lenkten. Das Elfmetertor täuschte etwas über die Gesamtsituation hinweg, war ein individuelles Geschenk von Dante, das den BVB kurzfristig nochmals zurückkommen ließ. Aber schon bald drängte Bayern den BVB wieder unaufhaltsam nach hinten, erspielte sich  Chance auf Chance. Und der junge Startrainer des BVB, in England im Nebenberuf augenscheinlich bereits Popstar, er zögerte. Mit Wechseln, mit Umstellungen. Zu lange. Bis es buchstäblich zu spät war, um nochmal etwas zu reißen.

Das gegen den BVB ab Minute 80 überdeutlich in der Luft liegende, jedoch eigentlich  vorhersehbar für den BVB sehr/zu spät fallende Tor durch Robben ließ Jürgen Klopp eigentlich erst nach dem Spiel, nämlich in der Nachspielzeit, neue Intensität (Schieber) und Schnelligkeit/Kreativität (Sahin) einwechseln, was noch eine halbherzige Chance durch den frischen Schieber zur Folge hatte und sonst nichts mehr. Na ja, es war Kloppos erstes europäisches Finale. Schwamm drüber. Jeder macht Fehler. Wie Heynckes im letzten Jahr, als er gegen Chelsea den  laufstarken Müller direkt nach dem Tor zum 1-0 rausnahm – und nicht Schweinsteiger. Oder Robben. Oder bla bla. Jürgen Klopp wird Fehler nicht wiederholen, er ist ein Lernender, immer. Seine Mannschaft, so wie sie auf dem Platz so gerade noch stand, und zwar buchstäblich sekündlich gen Minute 90 wirklich immer mehr sich eher aufrecht hielt denn wirklich noch laufen konnte, war am Ende extrem leer. Total ausgewrungen. Sie hatte am Anfang  fast überdreht und ist am Ende fast kollabiert. Die Mannschaft aus München jedoch nicht.

Golf - Oliver Kahn und Sepp Maier bei den BMW OpenDenn die ging, wie schon gegen Valencia 2001 anfangs recht defensiv, wie schon gegen Atletico Madrid 1974 anfangs mental verängstigt (Ja, der Druck! Grüß Gott Herr Kahn!)  und spielerisch verkrampft, den umgekehrten Weg. Historisch ist aber zumindest ab 1967 (auch die Rangers waren im Pokalsieger-Cup-Finale in Nürnberg anfangs und über weite Strecken des Finales hinweg die stärkere Mannschaft, bis wie damals so oft ein gewisser Franz Roth in wichtigen Finalspielen einnetzte – das erste Mal) belegt: Die Bayern haben immer dann gewonnen, wenn sie schwach, oder mittelmäßig, begannen. Andersrum dagegen sieht es düster aus (abgesehen vom Wiederholungsfinale gegen Atletico Madrid 1974, aber die beiden Spiele kann man auch als eines betrachten, wie ein Halbfinale als Finale)

Anfangs starke Bayern haben so in der ersten Hälfte gegen Porto 1987 dominiert. Auch gegen Manchester  United 1999 sehr lange, auch gegen Aston Villa 1982 quasi das ganze Spiel über. Und dann Chelsea 2012. Man weiß, wie das alles ausging: alles ging schlussendlich  in die Hose, und zwar jedes Mal sehr, sehr  bitter. Darum sagte ich mir und einem Nachbarn in der Kurve, Wembley Block L: Super, fängt ja superschlecht an, das kann nur besser werden. Dortmund superstark, Bayern erst spät in Hälfte eins erwacht. Zur Halbzeit stand es 0-0. Wunderbar, Bayernherz, was willst du mehr? Aber now let´s go.  Let´s do it.

Der FC Bayern 2010/13, als Gesamtprojekt einer Generation betrachtet, wie es ja so gerne gang und gäbe ist in „den Medien“ (and we´re part of it, ob wir wollen oder nicht), er wollte dann wirklich und konnte dann auch wirklich. Man sah ab Minute 60 die tiefe Qualität dieser Mannschaft, die immer und immer wieder über verschiedenste Spielzüge brutalstmöglichst  kreativ  vehement auf unsere Kurve zurollte – ohne nachzulassen. Never surrender, vor allem Robben. Ribéry bis auf den genialen Pass zum 1-0 und der genialen Hacke zum 2-1 wieder mal mit gewissen Finalschwächen, seine Fehlpassquote von Hälfte eins ist wohl unerreicht – aber er hat seinen Teil dazu beigetragen, rettete in der Schlussphase einmal sehr gut im eigenen Strafraum, yoa,  muss man sagen 🙂  Dieses Team wollte seine ureigene Geschichte, deren erste grundlegende Kapitel van Gaal ja bereits 2009/10 geschrieben hatte, endlich, final, in einem Endspiel, gegen einen absolut finalwürdigen Gegner, der einem das Jahr zuvor in einem denkwürdigen Pokalfinale mal eben locker mit 5-2 nach Hause geschickt hatte, zu einem ersten produktiven positiven Abschluss bringen. Ja – und, äh, nein, auch zu einem echten ersten Ende vor Guardiola – zu einem neuen Anfang. Dafür nahm die Mannschaft viel in Kauf. Sie tat das alles auch, was für eine erschreckende Vorstellung, zeitweise nicht ohne Risiko (wo war etwa  der zweite Mann, der Dante im elfmeterreifen Zweikampf mit Lewa hätte absichern müssen?), was auch durchaus – anderer Schiri, rote Karten! –  zu einem Anfang und Ende mit Schrecken hätte führen könne. Hätte, wäre, wenn. Gut. Aber – no controlled risk, no final fun.

Irgendwann ab Minute 70, 75 waren jegliche böse Phantasien von potentiellen Schreckensszenarien aber dann doch endlich final gegessen, war Lahm und Co. endlich vieles, wenn nicht sogar alles trotz „Arsch auf Grundeis“ (Neuer)  schlussendlich egal. Auch Schweinsteiger geigte dann immer besser und befreiter auf.  Für die Münchner Mannschaft gab es, analog zu Chelsea im letzten Jahr,  entweder alles – oder das absolute Nichts. Ein 2-1 für Dortmund wäre möglich gewesen, wenn auch unwahrscheinlich.  Es hätte fallen können, aber die eigene Abwehr stand, Dantes der weltweiten Spannungslage zum Dank kurzfristig inszeniertem Inferno zum Trotz, stets recht stabil.  Bayern war, dennoch, zumindest in den fünf Minuten direkt nach dem Ausgleich zum 1-1, für seine Verhältnisse recht offen, und dieser eine Konter nach dieser Ecke, als Neuer schon am herauslaufen war…aber es war eben auch zu sehen, wie verhältnismäßig langsam und unpräzise  Kuba in dieser Situation da schon agierte.

Aber wo war in dieser Phase ein Sahin, ein Schieber – wo war Sahin? Ach so, auf der Bank.. – ein Sahin wäre deutlich schneller gewesen…Alaba lief Blasi dann in dieser Phase noch voll fit ganz easy, locker mal einfach ab. Chance vorbei. Dabei hatte Reus, noch fit und immer noch sehr schnell dabei und eh mit den Keepern, Großkreutz und Gündogan bester Mann auf dem Platz neben Martinez und Robben, super vorgelegt. Aber Kuba und weitere Teile des Teams waren bereits zu platt. Meiner kleinen Meinung nach hätte Jürgen Klopp Marco Reus sofort nach der 60. und dem 0-1 auf vorne halbrechts/rechts stellen sollen, Sahin zentral auf die 10 bringen, den platten Kuba rausnehmen sollen. Alaba gewann spätestens ab dem 1-0 sämtliche Zweikämpfe gegen den Polen und blockte in genialer Kooperation mit Martinez all dessen Schüsse oder Passversuche konsequent ab. Das hat jeder gesehen, also wohl auch ein Jürgen Klopp.

Abschweifung: Hatte die Hoeneß-Affäre Auswirkungen auf das Spiel?  Klar hatte sie das, aber sie hat meines geringen Erachtens eher indirekt verdeutlicht, wie weit der noch amtierende Präsident mit seinem negativen öffentlichen impact intern schon weg ist vom Team, von der intakten Mannschaft und ihrem täglichen Bemühen in Training und Spiel, das mental schier Unmögliche doch möglich zu machen und nach dem unsäglich im Vorfeld krass übersteuernden Geschrei ums saublöde Münchner Finale dahoam  den Pott auf neutralen Boden voll krass seriös so wirklich richtig nach dahoam zu holen. Die Affäre H. hat die Mannschaft im Prinzip weder positiv noch negativ erreicht. Die Steuer-Geschichte hat mit dem Verein nichts zu tun, und schon gar nicht mit der tagtäglichen Feinjustierung und auf das größte Ziel hin fokussierten  finalen Ausrichtung des Teams durch J. Heynckes, M. Sammer und K.-H. Rummenigge.  Und und und.

Uli Hoeneß´ Arbeit seit 1972/79, auf dem Platz und im Büro, für den FC Bayern, abseits der Affäre, ist dagegen, gerade auch für die Spieler, die er alle, alle verpflichtet hat, langfristig sehr wohl ein Faktor gewesen – und zwar im positiven Sinne, ein echter, aufgrund der lange rückreichenden Hoeneß-Historie nicht zu tiltender human factor eben. Dieser komplette Uli Hoeneß, auch wenn ihm derzeit auch operativ die Hände, und der Mund, gebunden sind, und seine im wahrsten Sinne heute von außen her unfassbare Energie wirkt im unterbewussten, seelischen Maschinenraum des Vereins immer noch positiv, verdeckt zwar, aber doch spürbar, sehr stark.

Aber, spielen wir den Ball wieder oben oder und vorne herum: Dieser alte, sich voll reinkniende,  schaffende, arbeitende, aus und durch alle Röhren kommunizierende  Uli Hoeneß existiert seit April 2013 (vorerst, besser: wahrscheinlich für immer) nun nicht mehr. Nicht mehr operativ, nicht mehr kommunikativ und schon gar nicht mehr gestaltend/prägend in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern dort nur noch reagierend, als Objekt. Hoeneß ist noch präsent im Inneren des Vereins, dort, wo sich auch so mancher zentrale vereinstreue Spieler wie etwa Bastian Schweinsteiger schon immer  innerlich bewegt (hat). Die Vereinsseele ist augenscheinlich von dunklen privaten Steuergeschichten des so lange so erfolgreich wirkenden ersten Steuermannes relativ unbefleckt geblieben. Im Kern agiert als erster Mann nun Rummenigge, nach innen, nach außen, und danach dann Sammer. Und zentral war es so letztlich nämlich die Mannschaft ganz alleine, die für sich – und vielleicht noch den Trainerstab – ganz alleine auf dem Platz dieses so überaus schwierige und gleichzeitig überragende  Spiel gewonnen hat.

Aber auch toll, bla bla „Werbung für die Bundesliga“ bla bla: Wäre das Match nicht so klasse und schwierig gewesen, eben gerade auch für die Dortmunder, das ganze Ding wäre eine mittelmäßig intensive Enttäuschung gewesen. Geradezu überaus lächerlich wirkt dagegen im Vergleich das in der Liga in Dortmund gespielte 1-1 am 32. Spieltag vor einem Monat. Camouflage vor der Südkurve. Von beiden Teams. Was damals zu erwarten war.

Das war gestern. Heute war Wembley. Diesmal ging es um alles. Die oder wir. Wir oder die. Das kann einem erst mal Angst machen, so hatte ich das in meinem Artikel vorab zum Finale ja auch befürchtet. Und darum stand der FC Bayern am Anfang auch so mit sich alleine auf dem Platz, alleine gelassen mit sich und seinen potentiell möglichen Fehlern. Alles war zuerst schwer, der Gegner superschwierig, die gelben  Männer dazu moralisch und läuferisch unbeschwerter, (noch) geistig frischer, ganz einfach überlegen. Besser. Aber es zählt eben immer ein ganzes Match, 90 oder 120 Minuten, vielleicht noch zuzüglich Elferschießen, und die lange Strecke muss man sich einteilen. Das muss man wissen. Dazu braucht man Erfahrungen. Dazu muss man vielleicht auch über lange Strecken bitterlich verlorene Matches bereits ein paar Mal gespielt haben. Und auch deshalb – wegen Inter, wegen Chelsea, wegen dem 2-5 gegen den BVB im Pokalfinale 2012 – war der FCB auf die lange Strecke  stärker. Das sahen, das spürten die Bayern selbst  im Unbewussten schon ab etwa Minute 25, als man die erste Strecke dank Neuer, Neuer, Neuer, Robben (defensiv schon zu Beginn der Stärkste)  und nochmals Neuer pari halten konnte. Etwa ab da ging es aufwärts. Aus Erfahrungen und Fehlern lernen nennt man das wohl. Dann direkt im Spiel antizipieren, Ängste ablegen, auch die Klasse des gegnerischen Teams annehmen, akzeptieren, dann auf den Gegner reagieren, selbst agieren, sich bewegen, mitspielen, miteinander spielen, nicht bloß den Ball hin- und her schieben und ansonsten „..die ganze Zeit rumstehen“ (Franz Beckenbauer in der Halbzeit bei „Sky“).

So holte das Team das Ding, für sich, für die Fans, für den Kaiser, den Uli, den Juppfather, den ganzen Verein. Klar, natürlich auch für Uli Hoeneß. Aber eben für den inzwischen für viele andere Menschen abseits des FC Bayern-Kosmos nicht mehr sichtbaren Teil von Uli Hoeneß. Nicht für den, der da für alle deutlich offensichtlich auf der Tribüne zum kurz Plaudern,  zum allerfreundlichst, merkelig  Ignorieren oder kurz nebenbei nett Hände schütteln stand – oder zum Auspfeifen,  falls er – ER – es wagen sollte, den Pott auch nur ein Mal kurz zehn Sekunden öffentlich in die Hand zu nehmen.

Aber noch ist der sichtbare Hoeneß scheinbar stark genug, das mal kurz zu tun, zumindest, wenn die Mannschaft, sprich Schweinsteiger und Lahm, zu ihm steht und Hoeneß´ äußerer Hülle den Pokal in die Hand drückt, vollkommen zu Recht. Schönes Bild. Und so trauriges Bild zugleich. Was ist nicht alles passiert! Musste das sein, Herr Hoeneß? Tja. Der für alle von außen sichtbare Uli sieht, mit Verlaub gesagt, inzwischen, wen wundert es noch, gesundheitlich etwas angegriffen aus. Passen Sie bitte auf sich auf, Herr Hoeneß. Ihr Prozess, er wird kommen, so sicher wie die nächste Saison. Und dann…

Der Henkelpott dahoam – wer hätte es gedacht? Nach dem ganzen Driss um Steuern, Kohle, die Super-Marios und das abstumpfende Dauerwechselgelaber um den deutschen Vizetorschützenkönig, den von vielen Experten sogenannten augenscheinlich vielleicht partiell gegenwärtig besten Mittelstürmer von Welt, der in diesem wichtigen Spiel gegen den FC Bayern München mindestens zum vierten Mal in einem Pflichtspiel hintereinander schon wieder nicht traf. Und, mit Verlaub, gegen Real, da trifft doch jeder  zwei, drei Mal pro Spiel. Dieses Real ist doch Werder Bremen hoch drei, sozusagen Werder de SuperLuxe . Real kriegt hinten zwei oder drei, macht vorne fünf oder sieben. So etwas ist doch kein harmonisch aufeinander abgestimmtes Team. Das ist – kein Team, Mr. Mourinho. Sie hinterlassen einen Scherbenhaufen, Mister. Mach mal n´ Jahr Pause, Mou. Wie Pep. Komm mal runter. Tut Dir gut.

Ich habe, nach dem Stadionbesuch, das Match inzwischen noch drei Mal komplett gesehen. Einmal in der ZDF-Version via Mediathek/stream, zwei Mal in der Sky-Version mit vorher und ein bisserl hinterher. So langsam kann ich nun ebenfalls beginnen, etwas runterzukommen. Heute Abend ist Party bei einer Freundin, da gilt es viel zu erzählen. In Köln.

FC DC 1989 (2)Und ich möchte mich bei allen, die mir London möglich gemacht haben, herzlichst bedanken. Zuerst beim Kapitän meines alten Herzblut-Freizeit-Vereins aus München, Anatol Nitschke (derzeit Berlin) vom FC/DC. Was für ein großes Team. Anatol, Du gabst den Anstoß! Du sagtest: Lass uns auch ohne Ticket nach London fahren. Und es freut mich ganz besonders, wie recht Du bekommen hast. Du hast schon so viele verlorene Finals live gesehen. „Ich will endlich mal was gewinnen!“, sagtest Du vor dem Spiel. Wer wollte das nicht?

Wir haben diesen Siegeswillen gespürt. Wir, „WIR“, wir hätten auch eine eventuelle Niederlage, wäre es denn so gekommen, irgendwie überstanden. So wie wir Chelsea 2012 überstanden haben (Boah, ich bekomme bei Schreiben schon wieder voll Lust  auf Prag und das Supercup-Finale am 30. August gegen die Dunkelblauen…).

Aber wie? Pep hätte ab Juli so unendlich viel zu schultern gehabt, und hätte gleichzeitig phasenweise bestimmt noch gefremdelt. Aber wir hätten dann in Lissabon gewonnen…hundertprozentig…gegen wen auch immer.

Spiele nicht mit dem Teufel, aber: Interessant für mich als alter Medienvoyeurakteur wäre es  ja durchaus  gewesen, wie der BVB und seine Fans in der öffentlichen Kommunikation mit einem Sieg umgegangen wären – und WIR natürlich, und überhaupt, die gesamte Öffentlichkeit…

Bedanken möchte ich besonders bei meinen aktuellen Teams. Und meine Teams sind, wie diese Mannschaft des FCB Bayern München, mit mir durch Höhen und Tiefen gegangen und dabei letztlich aber genauso unbefleckt geblieben wie Thomas Müller und Co.

Mein erstes Super-Team: Der FC Bayern. Seit 1967. Ich bin jetzt 52 Jahre alt. Dass ich das noch auf so dermaßen spektakuläre wie verdiente Art erleben durfte! Hätte ich nie gedacht. DANKE dafür! Unbezahlbar! UNBEZAHLBAR!

Ja, das liebe Geld, da komme ich gleich noch drauf. Mein allererstes Team aber ist und war natürlich – und wird es vor dem  FC Bayern und dem FC/DC immer sein – meine Familie. Meine zwei Kinder und meine Frau, „in guten wie in schlechten Zeiten“ (Bayern-Hymne) immer zu mir stehend,  IMMER für mich da, ließen mich drei Tage alleine auf gut Glück nach London fahren und insgesamt, all in all, gut 750 Euro verbrennen. Weil ich, wie meine Mitfahrer und so viele andere auch,  im Vorfeld im Rahmen dieser finalen Wahnsinns-Ticket-Verlosung auf rechtmäßigem Wege erwartungsgemäß Pech hatte und kein Ticket zog und es mir letztlich in London vor dem Stadion auf dem gottverdammten Schwarzmarkt besorgen musste.

Mein viertes Team: BachFilm. Dank an Giuseppe, Marco, Matthias und insbesondere Andra für die wundervolle Organisationshilfe rund um diese Reise von Köln über Brüssel, Calais und Dover nach London und wieder zurück. Diese Reise, die, eben vom Team so wunderbar smart geplant, die Kosten und den Reisestress soweit es ging, unglaublich effektiv toll minimiert hat.

Mein fünftes Team war natürlich unsere kleine Reisegruppe. Dieses Team explodierte bereits am Brüsseler Flughafen am Freitagnachmittag, dem 24. Mai, gegen 15.00 Uhr zu einem echten Dream Team. Es war eine echte Gang Of Four, Expedition Final Wembley sozusagen. Wir vier kamen, jeweils gedoppelt, aus Berlin und Köln. Kein einziger mit einem Ticket in der Tasche. Anatol und Cüneyt flogen von Tegel nach Brüssel, dort griffen Giuseppe und ich die beiden von Köln aus kommend am Flughafen auf.  Dort bereits in blendender Laune setzten wir mit der Fähre nach Calais über, bezogen unsere Mietwohnungen in London-Lambeth, aßen günstig was Gutes und gingen dann doch schon sehr zeitig bereits unverschämt früh gegen kurz nach ein Uhr Nachts ins Bett. Na ja, wenigstens drei von uns…

Am Brüsseler Flughafen hatte Anatol über eine Freundin einer Freundin bereits erfahren: Das klappt mit der Karte. Für 400 Euro. Ging doch. Und preislich so gerade noch.

Am nächsten Tag in London. Was für ein Start! Weißblauer Himmel, 17 Grad. Das war Kaiserwetter, Franz, ganz klar. Frühstück im lebhaften, oft gar nicht mal so uncharmanten, teilweise bereits schick sanierten, recht fett in der Gentrifizierung steckenden, aber immer noch günstigen und doch recht zentralen Stadtteil Lambeth, irgendwo hinter Clapham Common. In einem bretonisch geführten Bistro in der Venn Street. Ich hatte die besten Croissants, die ich je in England gegessen habe. Plus ein superfettes extrem stärkendes Croque Maman, die Grundlage für diesen noch so zehrenden Tag. Der Cappuccino war nicht so toll, aber Schwamm drüber. Was haben wir da bereits schon gelacht in dem französischen Café in der Venn Street, Franck. Das und den netten kleinen samstäglichen Markt dort kann ich nur wärmstens  weiterempfehlen.

Der ganze Tag war super. Nicht nur super, sondern so super, wie ich es mir in meinen  kühnsten Träumen…bla bla. Wir trafen viele der Bayern-Ultras gegen zwölf, ein Uhr Mittags – High Noon- eine halbe Fußstunde von Wembley weg wie angekündigt  in einem netten, kleinen Park und wollten eigentlich mit der Kamera ein Ständchen für Hermann Gerland aufnehmen. Der „Tiger“ wird ja bald 59. Und wenn er weiter  brav Whiskey Cola-Light trinkt, macht er es am Platzrand bestimmt noch so lange wie Don Jupp. Die Jungs von der „Schickeria“ und Co. wollte jedoch erwartungsgemäß nicht gefilmt werden. Auch nicht für H“T“G. Sehr verständlich. Ultras sind medienscheu. Gebrannte Fans sozusagen. Dann haben wir eben nicht gefilmt. Das für den „Tiger“ gibt es jetzt dann halt nicht bei uns auf Facebook und/oder Youtube. Schade, aber ist halt so gewesen. Und Respekt, Schickis. Wir sind ja nicht vom Fernsehen. Stattdessen haben wir mit ein paar von denen nett gequatscht, kurz, auch wegen Ticketlage und so. Da gab man mir den netten Tipp, doch rund um den Busparkplatz nach einer Karte zu „suchen“. Und, was soll ich sagen, liebe Schickeria, ihr hattet Recht. Wenigstens ich, wenn auch nicht die anderen beiden außer Anatol,  habe noch ein Ticket für 400 Pfund ergattert. Damit blieb ich knapp unter der  vertraglich mit mir selbst unverrückbar fix vereinbarten 500 Euro-Grenze. Und dadurch konnte ich nach der völlig euphorisierten Rückfahrt am Sonntagabend gegen 22.30 Uhr in Köln meiner gesamten Familie auch völlig unbeschwert gerade aus  in die schönen drei Paar Augen schauen.

Cüneyt ist Milan-Follower, Giuseppe ist ironischerweise Werder- und Lazio-Supporter. Wie das geht, keine Ahnung. Beide sind absolute Fußball-Fans, doch sie sind,  wie im Vorfeld beschlossen, auf keinen Fall für mehr als 500 Euro ins Stadion gegangen. Kann man verstehen, sie waren mit etwas weniger Herzblut dabei als Anatol und ich, wir seit den 60er Jahren harte, unverrückbare Bayern-Fans. Und Karten? „Karten“, ob echt oder gefälscht,  hätte man so ab 750 Pfund oder knapp 1000 Euro aufwärts von englischen Schwarzhändlern problemlos ab und an bekommen. Das wollten wir diesen  Menschen nicht in den Rachen werfen. No way. Mein 500 Euro-Ticket  kam dann letztendlich nach beharrlicher Suche und Recherche von einer tatsächlich auf dem Busparkplatz zufällig aufgerissenen vorher mir völlig unbekannten Ingolstädter Connection. Dir, namentlich Unbekannter, dafür nochmals recht herzlichen Dank.

Überhaupt, der Busparkplatz direkt am Rande von Wembley.  Da wurde gelacht, gesprochen, sich getroffen, so einige außer mir fahndeten ebenfalls noch nach Tickets, natürlich, da wurde von Fans gegrillt, da gab es saugünstige Riesen-Steaks von Fans für Fans  in der Semmel für drei Euro. Da war auf freundliche Nachfrage wie selbstverständlich wunderbar kühles, traditionell grün etikettiertes  obergäriges Augustiner für zwei Euro der halbe Liter verfügbar. Da klang Musik, da wurde gesungen. Es war eine unfassbar, sensationelle, vorfreudige Stimmung, das war so schön. Unvergesslich. Und der Zeiger rückte natürlich vor, Minute um Minute.

Irgendwann zogen wir weiter ins Ibis-Hotel, liefen auf dem Weg dorthin Didi Hamann im silbergrauen Anzug in die Arme (was für ein supergeiles Omen, so kommt es mir nach gerade!). Im Ibis waren bereits viele andere Bayern-Fans, das Hotel liegt direkt neben dem Stadion, perfekte Lage für alle Nicht-Ticket-Inhaber, und trafen da Anatol, mit seinem Ticket. Als ich dann, ich hatte es schon nicht mehr geglaubt, schließlich hing der Mann wie eine Klette an seinem Handy, was weiß ich, wer da noch alles für Tickets sich meldete, er hatte nach eigener Aussage ja nur diese eine einzige Karte, ich fragte mich ständig, der wievielte bin ich da eigentlich in der Reihe – als ich also gegen 17 Uhr 20 im Ibis Hotel direkt am Stadion beim dritten Bier von Herrn Ingolstadt plötzlich einen dann doch äußerst unerwartet positiven und eigentlich innerlich bereits zu einhundert Prozent voll abgeschriebenen Rückruf bekam, mein Ticket sei endlich zum vereinbarten Tarif aus dem Hydepark eingeritten gekommen, war das Himmel. Ich rannte los, wieder Richtung Busparkplatz. Ich meine: ICH RANNTE LOS.

Der Rest ist Geschichte, Legende forever. Das Stadion. Ich in Block 538 (Reihe 11) mit den Fans unter der Start-Choreo. Meine Sitzplatzreihe überfüllt, da müssen sich einige eingeschmuggelt haben, da kamen zwei Bayern-Supporter auf einen Sitzplatz, geil, egal, wir standen bis auf die Halbzeitpause sowieso die ganze Zeit und sangen ohne Unterlass, ohne Pause durch. Vor Anpfiff über mir die Choreo, ein geordnetes Meer aus roten und weißen Plastikplanen. Ja, die Choreo. Sie präsentierte, im Gegensatz zum letzten Jahr in der AA, endlich wieder ein geglücktes Statement, in Anlehnung an 2001: „Heute ist wieder ein guter Tag, um…“ Das war genau der richtige Satz. Anatol ganz woanders im Rund,  Cüneyt/Milan und Giuseppe/Werder/Lazio in der Lobby des IBIS-Hotel direkt am Stadion, da nur unter Bayern-Fans, die Ordner ließen keine BVB-Fans ein, bis auf wenige Ausnahmen wie einige gemischte Gruppen.

Dann das Spiel, ich sprach bereits darüber.

Anatol, Andreas, Cüneyt, Giuseppe SiegerzigarrenDanach trafen wir uns alle direkt vor dem Ibis, hatten unsere Siegerzigarren und noch das eine und das andere Bier. Uns Münchner Emigranten bzw. Wahlkölnern  und Wahlberlinern begegneten von früher bekannte liebe Menschen aus der Heimatstadt, die wir teilweise schon ewig nicht mehr gesehen hatten. Später mit vielen Fans dann weiter mit der U-Bahn zum Piccadilly. Dort alles eine einzige rote Schau. Dann mit zwei Rikschas, weil es dort ja nachts um Eins auf der Straße nichts mehr zu trinken gab und die Pubs langsam dichtmachten, weiter in die Kingsley Street, rein in eine Klasse-Blues-Bar, wunderbare, ernsthafte Live-Musik, noch paar Bier, super Unterhaltungen und Diskussionen über Musik, Film und Fußball  u.a. mit (Rhythm and-) Blues- (nicht Chelsea, die Musik!), Barca-, Ipswich- und Arsenal-Fans.  Später, in der Wohnung in Lambeth, so gegen 3.30 Uhr, hat Giuseppe noch für alle Pizza und frisch belegte Baguettes gemacht und im Ofen geröstet. Ey, alles war easy und so super vorbereitet. Schließlich war in unserem Viertel direkt an der U-Bahn Station „Stockwell“ in einem kleinen Supermarkt 24 Stunden rund um die Uhr alles zu kriegen.

Piccadilly Circus 25.MaiWir waren – und sind – eben, und das gilt für mich in gleich vierfacher Hinsicht, das beste Team der Welt – und wir waren in der größten und besten Stadt Europas. Und dann noch in London zu bestehen, in jeder Hinsicht, das hat wirklich etwas für die Ewigkeit. Komme noch, was da wolle.

Nun, nach Don Jupp kommt der Pep. Und so ist dieses Finale, am Ende, mit diesem Ende, doch noch zu einem ganz, ganz wunderschönen, neuen, sehr verheißungsvollen  Anfang geworden.

Andreas Bach

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PS: Unsere Gang of Four-Kalku:

Auto: 180 Euro.

Fähre Calais/Dover, hin/rück: 228 Euro inkl. Umbuchung

(wäre noch 80 Euro günstiger gegangen, bei noch besserer Planung 🙂

Wohnung Lambeth: 344 Euro für zwei Nächte/drei Personen (sehr sauber, sehr neu, mit W-LAN..)

(Ich wohnte bei  einem überaus freundlichen englischen Freund eines Freundes – Danke, dafür Wolfgang! – um die Ecke, wir legten die Dreier-Wohnung dennoch auf vier Leute um).

Logistische Reisekosten wie Adapter/Straßenkarten/Tagesticket Tube London/1 x Taxi:  50,- Euro,

Summe: 802 Euro für alle.

geteilt durch 4 Personen: 200,5  Euro.

Zzgl. Essen/Getränke, sonstiges: ca. 75,- Euro = 275,- Euro.

Zzgl. Ticket (meine Rechnung): 500 Euro = 775,- Euro für mich.

Giuseppe lag ohne Ticket entsprechend um 500,- Euro darunter. Ebenso Cüneyt. (Zumindest sind das die inoffiziellen Zahlen, die wirklich veröffentlicht werden dürfen, wie Giuseppe anmerkte)

Mehrkosten für unsere Berliner Freunde: Anatol und Cüneyt hatten die Flüge Berlin – Brüssel und zurück zwar günstig für ca. insgesamt 200 Euro PP geschossen. Leider wurde der Rückflug von Brüssel nach Berlin am Sonntag nach dem Spiel trotz vorab eingerechneten einstündigem Puffers wegen über zweistündigem Horror-Mega -Stau in Belgien um exakt 15 Minuten  verpasst, so dass Anatol und Cüneyt von Köln aus mit dem Nachtzug am Sonntagabend um 22.28 Uhr nach Berlin zurückfahren mussten, was nochmals Mehrkosten von 100 Euro pro Mann verursachte. Wir kamen mit der Karre um 22.10 Uhr gottseidank wenigstens schön rechtzeitig am Kölner Hauptbahnhof an. Glück im Unglück.

Aber das war es alles mehr als wert. Denn dieser Trip hält für die Ewigkeit.

A.B.

Unser Trip nach Wembley:

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