Kennt ihr das? Man sitzt rum, hat Langeweile und schaut sich einfach Youtube-Videos mit geilen Toren an. Wahnsinn, was es auf unserem Planeten für Fußballer gab und immer noch gibt. Wahnsinn auch, wie unterschiedlich die Auffassungen bezüglich einzelner Spieler sind. Reicht von objektiver Erörterung der Stärken und Schwächen bis hin zum absolut subjektiven Hype oder Spieler-Gehate aufgrund persönlicher Zu- bzw. Abneigung. Und dann: Traumelf aufstellen. Weißes Blatt Papier und los geht’s. Wer kommt rein, wer nicht. Und eins kann ich euch sagen: Es tut verdammt weh zu sehen, wer es nicht in meine Startelf geschafft hat. Ich werde euch mal meine persönliche Traumelf basteln, von der ich der Meinung bin, einen Bayern-ähnlichen Durchmarsch durch alle Wettbewerbe hinlegen zu können.

Fangen wir einmal an:

Tor:

Manuel Neuer.

In Fußball-Deutschland – vor allem in Fanforen nicht unumstritten – aber für mich derzeit ohne Frage die Nummer Eins. Dabei habe ich beispielsweise die deutsche Konkurrenz um Adler, Weidenfeller, Leno, ter Stegen, Baumann oder auch Trapp gar nicht großartig berücksichtigt – und das sind ebenfalls herausragende Torhüter. Die Erklärung pro Manu ist relativ einfach. Er bringt mit seinen 28 Jahren alles mit, was ein moderner Torwart benötigt. Auch der Trugschluss, dass er während seiner Bayernspiele in dieser Saison häufig beschäftigungslos gewesen sei, ist vollkommen falsch. Neuer ist im Antizipieren von potentiellen Großchancen überragend und läuft viele Bälle bereits ab, bevor sich die gefährlichen 1-gegen-1-Situationen erst entwickeln können. Noch dazu ist er überragend auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung. Seine Gabe, mit präzisen Abwürfen an den eigenen Mann schnelle Gegenstöße einzuleiten, ist einfach unnachahmlich und seine Präsenz auf dem Platz wird immer „titaniger“ – auch wenn er das dezente Nutella-Milchbubi-Gesicht wohl nie in Gänze ablegen können wird.

In der engeren Auswahl scheiterten in dieser Reihenfolge David de Gea, Gianluigi Buffon und Petr Cech.

Abwehrreihe von rechts nach links:

Philipp Lahm, Leonardo Bonucci, Vincent Kompany, David Alaba.

Die Abwehrreihe ist gespickt mit großen Namen und doch fehlen selbstverständlich andere Namen, die diese Spieler wahrscheinlich 1 zu 1 ersetzen könnten. Philipp Lahm in diese Elf zu berufen, fiel mir eigentlich am schwersten – aufgrund der persönlichen Abneigung, die ich ihm gegenüber hege. Ich komme auf dieser Position allerdings nicht um seine Qualitäten herum. Naja, jeder muss mal über seinen eigenen Schatten springen. Die Dynamik seiner Vorstöße, dieses clevere Defensivverhalten und schlussendlich seine wahnsinnig präzisen Flanken von der Grundlinie oder auch aus dem Halbfeld zeichnen ihn – sportlich gesehen – als Top-Außenverteidiger aus. Ähnliches gilt auf der anderen Seite für David Alaba – und das mit gerade einmal 20 Jahren. Erinnert von seiner Spielweise auf dieser Münchner Position ein wenig an den unwiderstehlichen Bixente Lizarazu. Lieber David, auch wenn du gerne ins Mittelfeld vorrücken würdest und dich dort in der Nationalelf Österreichs sichtlich wohl fühlst, bitte, bitte bleib hinten links. Ich habe lange nicht mehr das Gefühl gehabt, dass ein so junger Außenverteidiger diese Position auf Jahre so prägen könnte wie du!

Kommen wir nun zu den beiden bissigen, kernigen und technisch hoch veranlagten Innenverteidigern. Leonardo Bonucci beobachte ich aufgrund meiner Italien-Affinität schon sehr lange und sehr gerne. Aber was erzähle ich da, defensiv sind die italienischen Kicker schon immer ganz hohes Niveau gewesen. Was mir an Leonardo Bonucci besonders gefällt: Sein Verhalten nach Balleroberungen oder im Aufbauspiel. Manche würden es teils Harakiri nennen, wenn er als letzter Mann den Stürmer mal eben ins Leere laufen lässt, aber die Ruhe und Dominanz, die er dabei ausstrahlt, imponiert mir unheimlich. Und wenn es sein muss, kann er Situation auch mal grob lösen – zum Beispiel dann, wenn viele Kommentatoren das berühmt berüchtigte „Zeichen setzen“ anpreisen. Sein taktisches Geschick, die Trainer-Vorgaben umzusetzen, und seine individuelle Qualität in allen Bereichen machen ihn für mich zum perfekten Innenverteidiger. Daneben sehe ich in meiner Elf Vincent Kompany. Hat mich ehrlich gesagt selbst etwas überrascht. Wer hätte damals nach seiner HSV-Zeit vermutet, dass aus ihm wirklich einer der besten Innenverteidiger der Welt werden würde. Kompany hat ähnliche Stärken wie Bonucci, auch wenn diese unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Trotz seiner technischen Raffinesse ist er wohl der etwas physischere Spieler, der seine Stärken vor allem im Stellungs- Kopfballspiel und in 1-gegen-1-Situationen hat. Er ist äußerst laufstark für einen Innenverteidiger, versucht das Spiel auch bei Manchester City häufig schnell zu machen und leitet so gekonnt den ein oder anderen Angriff ein. Sein kluges Verhalten im defensiven vertikalen Verschieben erlaubt es ihm, Löcher in der Defensive zu erkennen und entsprechend stopfen zu können. Ich denke, dass dieses IV-Duo jetzt schon überragend wäre und immer noch Luft nach oben hat.

Verteidiger, die knapp gescheitert sind: Giorgio Chiellini, Mats Hummels, Jordi Alba, César Azpilicueta, Thiago Silva (das war am Ende echt nur noch eine Bauchgefühlentscheidung pro Vincent).

Die Doppel-6:

Bastian Schweinsteiger, Daniele de Rossi.

Wow, das war echt eine meiner schwierigsten Entscheidungen. Schwieriger wird es wohl gleich nur beim Stürmer. Hier gibt es so viele tolle Spieler und doch fällt meine Wahl auf diese Beiden. Natürlich aufgrund von persönlichen Sympathien, vor allem aber auch wegen ihrer Fähigkeiten. Am tollsten finde ich dabei die Entwicklung von Bastian Schweinsteiger. Nachdem er Anfang 2012 mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte, sich in einem Formtief befand und von ehemaligen Profis wie Olaf Thon als „zu langsam“ und auch in den Nationalmannschaft als nicht mehr unantastbar dargestellt wurde, lieferte Schweini die Antworten auf dem Platz – als Leader und absoluter Leistungsträger. Besonders stark: Sein starkes – jetzt kommt es, eine meiner neumodischen Lieblingsbezeichnungen – Box-to-Box-Verhalten, mit geschickten Ballgewinnen in der Rückwärtsbewegung und schnellem Umschaltspiel, können nur wenige Profis so umsetzen. Zudem verhält er sich äußerst clever im vertikalen, aber auch horizontalen Verschieben, was vor allem daher kommt, dass er gedankenschneller als viele andere Profis agiert. So antizipiert er häufig richtig und fängt viele gefährliche Bälle ab. Seine Stärke bei Standards und in der Einleitung kluger Angriffsspielzüge runden diesen Spieler ab – eben ein Mastermind auf der Sechs. Der andere im Bunde ist der etwas schlitzohrige und rauere Daniele de Rossi. Menschlich fraglich, sportlich wahrscheinlich für jede Mannschaft der Welt ein Zugewinn. Spielerisch hätte ich diese Position deutlich namhafter besetzen können – einige werden jetzt vor allem nach den Spaniern schreien, ich weiß, ich weiß, ja, ich weiß es wirklich… – aber ich bin eher ein Freund davon, auch diesen Spielertypen in der Mannschaft zu haben, der vor allem dann reagieren kann, wenn sich Situationen eben nicht nur spielerisch lösen lassen. Als Löcherstopfer, Kampfschwein und teils linke Bazille – man muss solche Typen eben mögen – kann ich auf diesen Spieler nicht verzichten. Und fußballerisch ist er ähnlichen Sechsern – vor allem Arturo Vidal musste ich schweren Herzens aussortieren – meiner Ansicht nach überlegen, was vor allem seiner guten taktischen Ausbildung geschuldet ist.

Diese Sechser sind knapp gescheitert: Steven Gerrard, Andrés Iniesta, Xabi Alonso, Xavi, Andrea Pirlo, Arturo Vidal, Ilkay Gündogan, Marouane Fellaini, Javi Martinez, Yaya Touré.

Die Dreier-Reihe davor von rechts nach links:

Gareth Bale, Francesc Fabregas, Cristiano Ronaldo.

Auch hier wären wieder einige andere Spieler denkbar gewesen. Aber ich denke, ihr wisst selbst, wie schwer so eine Zusammenstellung ist bei dem Spielermaterial, was es derzeit gibt. Über Ronaldos Fähigkeiten muss man nicht viel sagen – da kann es meiner Meinung nach nur persönliche Abneigung sein, wenn man ihm überhaupt Qualitäten absprechen will. Fabregas sehe ich nach wie vor als einen der stärksten Spielmacher der Welt, der sich mittlerweile auch in Barcelona durchzusetzen scheint. Würde mir trotzdem seine Rückkehr nach England – vielleicht Manchester United? – wünschen. 30 Startelfeinsätze in der Liga, 14 Torvorlagen und 11 eigene Treffer sind auch ein deutliches Zeichen dafür, dass sich einer meiner absoluten Lieblingsspieler wieder im Aufschwung befindet und zu Recht in meiner Startformation steht – er musste namhafte Konkurrenten ausstechen. Komplettiert wird dieses Hammer-Mittelfeld durch Gareth Bale – eben den neuen Ryan Giggs. Antritt, Technik, Torabschluss, alles, aber auch alles perfekt. Und der Bengel ist gerade mal 23 Jahre jung. Persönlich hoffe ich, dass Real nicht die Mega-Offerte über 100 Millionen Euro Ablöse vorbereitet, da ich dem Verein derzeit nichts mehr abgewinnen kann. Bei den „Galaktischen“ war das noch anders. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sympathische Eigengewächse wie Raul, Helguera, Hierro und eben Casillas den Starkader um Zidane, Ronaldo (der Brasilianische), Figo, und Beckham toll ergänzten. Jetzt schweife ich aber zu sehr ab. Gareth Bale ist einfach der perfekte Außenstürmer, der im Prinzip jeden Außenverteidiger auf einer Briefmarke austanzen und zurücklassen könnte. Ich wüsste nicht, wer diesen Spieler tatsächlich 90 Minuten aus dem Spiel nehmen kann. Selbst meine eigenen gewählten Außenverteidiger könnten das nicht – und die sind schon ziemlich stark.

Um diese Stars tut es mit besonders Leid: Juan Mata, Eden Hazard, David Silva, Claudio Marchisio, Franck Ribéry, Mario Götze, Thomas Müller, Kevin Prince-Boateng, Hulk, Alan Dzagoev.

Sturm:

Zlatan Ibrahimovic.

Für mich der kompletteste Stürmer der Welt. Sei es in der Luft, auf dem Boden, in der Ballbehauptung, einfach überall. Selten habe ich einen so robusten, kräftigen Spieler gesehen, der mit einer spielerischen Eleganz begeistert, die seinesgleichen sucht. Versucht euch mal einen Peter Crouch vorzustellen, wie er Tore im Ibrahimovic-Stil schießt… Genau, unfassbar lustige Vorstellung, aber eben auch ein Ding der Unmöglichkeit. Unmöglich ist auch ein gutes Stichwort für Ibrahimovic, denn dieses Wort existiert für ihn nicht. Er versucht die verrücktesten Dinge, weiß aber schon davor, dass sie auch klappen. Unfassbar. Das ist schlicht und ergreifend der absolute Oberwahnsinn. Sei es sein legendärer Fallrückzieher gegen England, sein Solo aus Ajax-Zeiten, wo er gefühlt elf Gegenspieler austanzt oder einfach mal eine für ihn ganz normale Ballannahme zwei bis drei Meter über dem Boden. Über den Menschen lässt sich streiten, wobei wir zum Großteil nur den medialen Tenor empfangen. Privat kann wohl kaum jemand etwas zu ihm sagen. Spielerisch fiel meine Wahl nach langem Überlegen aber dann doch ziemlich eindeutig auf ihn, weil er einfach keine Schwächen hat – abgesehen von seinem Temperament. Aber ich denke, es wurde schon mal deutlich, dass ich Spieler aufgrund solcher Charaktereigenschaften niemals kategorisch ausschließen würde. Ich finde solche polarisierenden Spieler generell eher erfrischend im heutigen, aalglatten Fußball-Alltag, wo Spieler schon Interview-Schulungen bekommen, um möglichst wenig eigene Meinung zum Besten zu geben… Ekelig.

Mann, Jungs, ihr wart auch lange in der Verlosung: Mario Balotelli, Radamel Falcao, Lionel Messi, Robin van Persie, Edinson Cavani, Kun Agüero.

Naja, das ist meine Elf, die ich hier nochmal kurz aufliste:

Neuer – Lahm, Bonucci, Kompany, Alaba – Schweinsteiger, de Rossi – Ronaldo,  Fabregas, Bale – Ibrahimovic.

Was meint ihr? Ob man damit was reißen kann?

Giuseppe Cotrufo

Neues aus unserem Youtube-Kanal

Advertisements