„Das gibt es bis jetzt noch nicht – das ist eine sensationelle Nische!“ sind die Worte, mit denen laut Nachwort dieses Buchs alles angefangen hat. Geäußert wurden sie auf der Jubiläumsfeier des Werkstatt-Verlags – und die Autoren und Blogger Ben Redelings (www.scudettoblog.de) und Sascha Theisen (www.torwort.de) haben sich daran gesetzt, genau diese Nische zu schließen.

Die Nische, das sind in diesem Fall Episoden, Geschichten, Erlebnisberichte und Anekdoten rund um den Fußball – aber eben weit abseits des glamourösen Scheinwerferlichts, das den Profifußball allwöchentlich erstrahlen lässt. Stattdessen geht es um Fußball an der Basis, dort wo die Ergebnisse noch zwei-, die Zuschauerzahlen wiederum einstellig sind. Die Plätze sind mies und das Bierchen vor (und nach) dem Spiel Pflichtprogramm. Wo gibt es das noch? Nun: „Auf Asche“ eben!

Und so erscheint unter eben diesem Titel eine Sammlung von „Unwiderstehlichen Bolzplatz-Erinnerungen“ (Untertitel), in der sich auf 144 Seiten nicht weniger als 20 Autoren mit ihren Geschichten und Erinnerungen rund um den Ascheplatz austoben dürfen. Der Großteil der Schreiberlinge dürfte Fußball-Insidern sicherlich bekannt vorkommen: Frank Goosen, Jens Kirschneck, Ronald Reng, Frank „Trainer“ Baade, Uli Hesse, Matthias Berghöfer, Christoph Nagel, Michael Pahl oder eben die beiden Herausgeber Redelings und Theisen (Letzterer gleich mit drei Artikeln vertreten)… da kommt durchaus was zusammen!

„Ob die Welt wirklich darauf gewartet hat, wird sich zeigen“, erklären die Autoren im Nachwort mit der nötigen Selbstironie. Vielleicht hat sie das nicht, vielleicht ist es nicht die „sensationelle Nische“, die der Verlag hier der Legende nach gesehen haben soll. Was es aber in jedem Fall ist: hochgradig unterhaltsam! Die Texte sind abwechslungsreich genug, damit keine Langweile aufkommt und dass die Autoren ihr Handwerk verstehen, dürfte als bekannt vorausgesetzt werden. Und so amüsieren Anekdoten von epischen Schlachten des eigenen Vereins gegen den verhassten Lokalrivalen, von der Sporthalle, die für Trainer Baades Truppe zum wahren Hexenkessel wird (nachdem man sich beim lokalen Turnier erdreistete, im Spiel gegen die gastgebende Mannschaft ein paar Mal zu hart einzusteigen) oder von gar zu enthusiastischen Eltern, die bei Jugendcoach Uli Hesse besorgt anprangern, wie ihr neunjähriger Sprössling mit seinem Team im lokalen Tabellenmittelmaß versinkt und die F-Jugend noch immer keine Abseitsfalle beherrscht. Oder aber Theisens minutiöse Schilderung eines trostlosen Sonntagmorgens auf Asche, der in seiner Dramaturgie alles hat, was man eigentlich NICHT selbst erleben möchte und doch als Hobbykicker nur allzu gut in dieser oder ähnlicher Form nachempfinden kann: die zerbrechende Romanze mit der Freundin („Tanja entscheidet sich, noch am selben Tag einen anderen Freund zu suchen – einen, der Sonntags nicht mitten in der Nacht aufsteht, um die Zweite von Hellas Emden zu schlagen“) , ein tristes Match vor vier(!) Zuschauern, im Regen, ein wild krakelender Trainer und am Ende ein souveränes…0:1 (Elfmeter in der Schlussphase, gepfiffen vom vereinseigenen Platzwart…)

Cover_Auf_Asche

Kurzum: Es wird witzig, kurios, mitunter auch mal nachdenklich, aber konstant unterhaltsam. Die rund 140 Seiten hat man im Nu verschlungen (hätte vielleicht etwas mehr sein dürfen) oder aber nebenbei heruntergelesen, wenn mal wieder irgendwo ein paar Minuten Ruhe sind. Ehemalige Vereinsspieler der Kategorie Kreisklasse werden die Geschichten ebenso gut nachvollziehen können und ihre Freude daran haben wie reine Hobbykicker, die – wie der Autor dieser Zeilen hier – nie in ihrem Leben um Punkte und Pokale gespielt haben. Als Zwischendurch-Lektüre also definitiv absolut eine Empfehlung wert!

Lobenswerter Nebeneffekt: Je ein Euro pro verkauftem Buch gehen an die Sepp-Herberger-Stiftung und das dort geförderte integrative Projekt „Fußballfreunde“.

Die Fakten: „Auf Asche – Unwiderstehliche Bolzplatz-Erinnerungen“, Ben Redelings/Sascha Theisen (Hrsg.), Verlag: Die Werkstatt, Göttingen, 2013. Preis: ca. 9,90 €.

Marco Jankowski

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