Zum Rückrundenauftakt der Bundesliga ist eigentlich, glaubt man dem Kicker, 11Freunde, Gala, Bunte, Transfermarkt  und der SportBild,  schon alles gehypt , gelogen, spekuliert und geschrieben worden. Aber…wirklich schon alles? Nicht alles! Unser kölsches Dorf leistet ganz mottogetreu – Hauptsache Fussball – natürlich Widerstand! Oder eben: Natürlisch! Unser hoffentlich über Köln hinausreichendes Motto für die Rückrunde lautet deshalb vor allem auch:  Gefühle unter Kontrolle halten. Immer auf die Zahlen schauen. Und ganz besonders: Ernsthaft  bleiben.

Gestern dann doch erst mal noch ein kleiner Rückschlag unter uns Kollegen: Denn beim Küchengespräch rund um die schönste Sache unserer Welt schälte sich schnell heraus. Fakt scheint: Bayern wird Meister. Bayern verteidigt die Champions-League. Deutschland wird Weltmeister – der Herzen zumindest.

Aber heute, nach diesem bitterkalten Frostmorgen, sagen wir mehr denn je: Sch.. auf die Prognosen. Tipps, Prognosen, Wahrscheinlichkeiten: Das ist doch alles was für Warmduscher, langweilige Emo-Kacke. Wir möchten das nicht mehr. Wir wissen allerdings nicht, wie es euch da draußen geht, aber uns hilft da nur:  durchhalten. Ernst bleiben.  Und die tatsächlichen Fakten erst ganz am Ende bewerten. Im Juli-August. Im Sommerurlaub.

Erfrischend ernsthaft heute dagegen unser kölscher Werner Spinner, seines Zeichens Präses des 1. FC Köln, der  ganz aktuell  im 11Freunde-Interview zugibt, vom Fußball keine Ahnung zu haben, dafür im Gegenzug als ausgewiesener Zahlenfachmann seinen Verein letztlich vor der Insolvenz  bewahrt zu haben. Das ist doch schon was. Aber, Frage geht an euch: muss man als Fußballmanager tatsächlich vom Sport unbeleckt sein, um sein Geschäft nicht zu ruinieren?

Keine Ahnung. Wir wissen nur: Der FC bewegt sich ja seit Jahren – ach, seit Jahrzehnten –  so gefühlt wie gekonnt zwischen den beiden Polen der Bundesliga-Schwergewichte Bayern München und Hamburger SV, oftmals allerdings leider tatsächlich näher am HSV als an den Bayern. Auf einer Skala von 100 bis 0 – Fußballsachverstand gepaart mit finanzwirtschaftlicher Kompetenz: optimal (100) bzw. gleich null (0) – ist der 1.FC Köln einer aktuellen Umfrage unter nicht nur rheinischen Sportjournalisten zufolge als derzeitiger  Zweitligawintermeister in dieser Saison von etwa +15 auf aktuell +23 hochgegangen. Bei sportlichem Komplettversagen und erneutem Nichtaufstieg in Liga 1 droht allerdings der erneute Absturz in einen einstelligen Bereich (etwa +5, nur noch knapp über dem HSV  – und wie lange noch, fragt man sich, denn bei dem kann ja jetzt nur noch alles besser werden).

Gut gefallen haben uns in diesem Zusammenhang auch die seriösen Audio-Podcasts der „Spielverlagerung“ zum Leistungsstand der Bundesligateams aus Liga 1. (Noch nicht  vorliegend, darum auch noch nicht in die Bewertung mit eingeflossen: Die Dossiers zum BVB und zum FC Bayern).  Absolut ernsthaft und sachlich.

Ansonsten halten wir uns ebenfalls gerne an den Rückrunden-Trailer der DFL, der vor allem eins ganz ernsthaft bestätigt: Jeder Verein kann auch in der Rückrunde – wie schon in der Vorrunde – maximal 51 Punkte und minimal 0 Punkte erspielen. Aber mal ganz ernsthaft: Wer da draußen hat das nicht schon vorher gewusst?

Und, ernsthaft: Löblich heute die Betrachtung der „SZ“ rund um die hoffnungsvollsten Jungtalente der Liga. Zahlenspiele: Bei 17 Spielen in der Rückrunde und einer Spieldauer von 90 Minuten hat jedes Team als Team noch 1530 Minuten auf dem Platz zu absolvieren. Oder 25,5 Stunden. Oder  1,0625 Tage. Oder 0,151785 Wochen. Oder 0,0029189 Jahre.

Pro Spieler gerechnet sieht das dann wieder  anders aus: Dann also mal elf, sind es insgesamt 16 830 Rückrunden-Minuten. Oder  280,5 Stunden (pro Saison sind es 561 Stunden). Mal ernsthaft: Das sind für die Rückrunde  immerhin 11,69 komplette Tage Netto-Spielzeit für jedes  komplette Team. Oder  1,669 Wochen. Oder 0,3211 Jahre.  Na, da sollte man sich als Kicker – maximale Einsatzzeit für die Rückrunde wie gesagt ca. 0,0029 Jahre – schon mal überlegen, in welchem Team man realistische Chancen auf möglichst hohe Einsatzzeiten hat und wo eher nicht (so meint zumindest die „SZ“ heute).

Für 11 Spieler hat jeder Trainer in seiner Elf in dieser Spielzeit also noch insgesamt 280,5 Stunden Einsatzzeit zu vergeben. Es ist so betrachtet dann auch egal wie oft gewechselt wird, da ja immer nur 11 Kicker auf dem Platz stehen können. Okay, DFB-Pokal und internationale Pokale jetzt mal ausgeklammert. Und, okay, rote und gelbrote Karten vernachlässigen wir ebenfalls, diese reduzieren die Gesamtspielzeit eines Teams aufgrund der üblichen Beschränkungen an der Teilnahme ja dann nochmals um die eine oder andere Minute, Stunde etc.

Was das, ganz ernsthaft, für uns Fans bedeutet?

Keine Ahnung. Ich weiß nur so viel. Ich habe bis einschließlich zum 34. Spieltag noch mindestens 25,5 Stunden plus x an Zeit zu vergeben, meinem Herzensverein im Stadion oder vor der Glotze oder sonst wo zuzuschauen. Das ist immerhin nettospielzeitmäßig noch mehr als ein kompletter Tag.

Fußball-Konsum, was ist das also? Sachlich betrachtet Stand heute für diese Saison: Noch – mindestens  – 25,5 Stunden Dauerbelastung für die Nerven. Unzählige Hochs und Tiefs,  meist völlig ungerecht verteilt. Unvorbereitete Krisen durch plötzliches gehäuftes Auftreten von Fehlpässen. Auch deswegen wahrscheinlich erneut unerwartet  hohe Kosten für verschiedenste Kaltgetränke. Dann Eintrittsgelder, die Reisekosten, oh  mein Gott. Dann, wie immer, periodisch auftretende böse Überraschungen und ungerechtfertigte Schiedsrichterentscheidungen. Phantomtore, nicht gegebene Elfmeter und viele falsche Abseitsentscheidungen. Schwere Verletzungen von Lieblingsspielern oder wichtigen Säulen des Teams. Diverse Trainerentlassungen, zum Beispiel auf Schalke. Vollkommen unverdiente Niederlagen und glückliche Last Minute-Siege (hoffentlich). Regen und Schnee, Hitze und Trockenheit, Auswärtsspiele, Kneipengucken, Public Viewing. GGf. noch mit Sky allein daheim, ungesehen, vereinsamt,  weinend mit Chipstüte vor dem  Fernsehgerät.

Himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt eben.  Und dann kommt auch noch die WM…(das Rechnen überlassen wir ab hier dann besser euch).

So sehen die Fakten aus, Freunde.

Alles Scheiße.

Nur  eine letzte Hochrechnung noch: 25,5 Stunden mal zwei für diverse Pausen, Vor- und Nachberichterstattung ergibt insgesamt 51 Stunden. 51 Stunden – plus x – mal mindestens zwei Bier á 0,33 Liter pro Stunde ergeben nur bis Ende Mai und nur rund um den reinen Fußballkonsum ca. etwa 102 Biere á 0,33 Liter = 33,66 Liter (Mein Gott, was für eine Höllenzahl!)  oder noch mehr (oder doch lieber wahlweise ein anderes Kaltgetränk?).

An dieser Stelle möchte ich, plötzlich ernüchtert,  es erst mal bei den aufgezählten  Fakten belassen.

Summa summarum: Sachlich betrachtet, im Lichte der Erfahrungen der vergangenen 25,5 + x Spielzeiten der Fußball-Bundesliga (sowie aller weiteren weltweit angeschlossenen Ligen und Wettbewerbe) wird das wieder eine tolle, spannende Rückrunde mit vielen, vielen Überraschungen. Ernsthaft.

Ihr werdet es sehen. Aber werdet ihr es auch aushalten?

Andreas Bach

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„HAUPTSACHE FUSSBALL“ ist natürlich auch auf YouTube präsent – unter anderem mit unserer kompletten Dokumentation in HD zum kostenlosen(!) Anschauen und Genießen: 

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