Na, wer hat es gestern Abend nicht geschaut? Dortmund in Madrid. Klar, aus deutscher Sicht ärgert man sich vielleicht – zu Recht – ein wenig über die Dortmunder Leistung. Andererseits sind beim BVB derzeit viele Leistungsträger zu ersetzen, was auf dieser Ebene im europäischen Spitzenfußball nicht so einfach ist. Der Gegner, Real Madrid, zählte schließlich nicht gerade zur Laufkundschaft, was vor allem die Offensivachse um Weltfußballer Ronaldo, Bale und Benzema eindrucksvoll untermauerte. Wie das Spiel gelaufen ist, hat jeder gesehen. Bedenklich wurde es allerdings erst danach. Dabei hatte das Spiel eigentlich schon genug Gründe geboten, um Trübsal zu blasen – vor allem als Borusse. An dieser Stelle sei vermerkt, dass ich keiner bin.

Vielmehr hat mich die nachträgliche Berichterstattung genervt, beinahe angewidert, die ich in so einer auffällig schlechten Art und Weise selten erlebt habe. Heute wurde das ganze übrigens durch teils laienhafte wie polemische Artikel von sogenannten „Journalisten“ immer wieder gern aufgegriffen. Zu dankbar ist derzeit das Bild des dünnhäutigen BVB-Trainers, dem ein kleiner Image-Wandel, vom Liebling der Nation zum hochexplosiven Pulverfass bei Misserfolg, droht. Hierfür ein Beispiel eines „Journalisten“, der für ein Online-Nachrichtenmagazin schreibt, das den Namen einer reflektierenden Glasscheibe trägt:

„Eigentlich müsste sich Jürgen Klopp nachträglich noch bei ZDF-Moderator Jochen Breyer bedanken. Dessen boulevardesk-naiver Fragestil hat dem Dortmunder Trainer am Ende eines sportlich bitteren Abends für sein Team doch noch einen großen Moment beschert. Breyer zum Schluss wie einen kleinen Schulbuben aussehen und stehen zu lassen…“

Bevor ich es vergesse: Um Jochen Breyer ging es mir bei dieser ganzen Sache eigentlich die ganze Zeit hauptsächlich. Ein sehr jünglich wirkender Moderator, der bei nahezu jedem Auftritt ein echtes und vor allem authentisches Profil vermissen lässt. Stets auf der Suche nach einem kantigen Charakter, den er irgendwie verkörpern könnte. Bislang ohne jeden Erfolg – und das bereits ganz schön lange. Seine Vita liest sich beeindruckend. Jahre bei der Süddeutschen und auch im TV schon fast ein alter Hase mit ordentlichen Referenzen. Seine Ansetzung als fester Moderator für die UEFA Champions League seit der letzten Saison, lassen erahnen, worauf ich hinaus will. Eine Schonfrist sollte irgendwann auch ein Ende haben und eine Suche nach sich selbst darf nicht auf Kosten kompetenter Gesprächspartner und vor allem der Zuschauer gehen. Verkauft man denn alle für blöd? Sind dumme Suggestivfragen das, was viele Journalisten heute unter Qualitätsjournalismus verstehen? Und sowas ist dann GEZ-finanziert? Merkt ihr selbst, oder?

Nun kann man nicht das gesamte ZDF kritisieren, da der andere moderierende Herr, nämlich Oliver Welke, meine tiefste Bewunderung genießt. Kompetent, schlagfertig, ja manchmal sogar investigativ, was ich beim ZDF in der Regel vermisse. Was aber macht Jochen Breyer dort? Ganz banal: Er fragt einen Fußball-Trainer nach einer 0:3-Niederlage, ob das „Ding“ vor dem Rückspiel „durch“ ist. Unbeachtet der Tatsache, dass es sicherlich schwierig werden wird, kann Breyer eine so suggestiv gestellte frage einfach nicht ernst meinen. Hält man die Zuschauer vor dem Fernseher denn für so dumm oder so „seicht“, wie es gerne von vielen Reportern beschrieben wird? Ich denke, das sind sie nicht. Heute wird doch viel mehr hinterfragt, immer mehr Fans kommen ohne Floskeln aus und verstehen immer mehr von diesem Sport. Genau so eine Entwicklung erwarte ich dann auch von der Berichterstattung. Natürlich soll nachgehakt werden, natürlich will man Gesprächspartner locken, aber doch bitte mit gehaltvollen Fragen. Wir wollen doch alle etwas lernen, und nebenher auch noch unterhalten werden. Schaut euch das Spiel doch mal genau an und erstellt eure Fragenkataloge nicht schon im Vorfeld für zwei unterschiedliche Szenarien. Fragen bei Sieg, Fragen bei Niederlage. Genau so wirkt das, was der Breyer da macht. Dabei ist ein Sieg nicht einfach nur ein Sieg und die Niederlage nicht einfach nur eine Niederlage. Stellt einfach mal Fragen zum Fach. Und wenn ihr das nicht könnt, dann holt euch kompetente Unterstützung. Ein Blog wie Spielverlagerung zeigt doch bestens auf, dass es einige Leute gibt, die sich zwar auf anderen Gehaltsebenen befinden, aber deutlich mehr von der Materie zu verstehen scheinen. Holt euch die Hilfe. Ihr habt es doch offensichtlich nötig und den Zuschauern wäre es einfach nur zu gönnen!

Diese Aufzählung meiner Gedankengänge hat übrigens rein gar nichts mit einer möglichen Sympathie für Jürgen Klopp zu tun. Viel mehr stehe ich der Person sehr neutral gegenüber und fand in der Vergangenheit viele Äußerungen und Handlungen bedenklich. In diesem Fall hat er mein vollstes Verständnis für seine Reaktionen.

Vom Übeltäter Breyer gab es immerhin ein wenig Einsicht, wie es heute in diversen Medien zitiert wurde: „Ich muss zugeben, dass das schon eine dämliche Frage war.“ Ich für meinen Teil muss auch etwas zugeben: Das war nicht die erste „dämliche Frage“, die Breyer in einer mittlerweile gar nicht mal so kurzen Karriere gestellt hat. Ein wenig mehr Kompetenz darf es also gerne sein…

 

Giuseppe Cotrufo

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