Hahahaha! Mensch, was haben viele (ich eingeschlossen) geunkt, was die Verfassung der deutschen Nationalmannschaft angeht – und dann hauen die Jungs einfach mal ziemlich unbeeindruckt den vermeintlich härtesten Brocken in der Gruppe mit dem bisher höchsten Sieg des Turniers (nun gut: da wären ja noch unsere Nachbarn in Oranje, aber die haben dafür auch ein Gegentor kassiert) aus den Latschen. Quasi sinnbildlich, wie Edeltechniker Cristiano Ronaldo irgendwann im letzten Drittel kläglich daran scheiterte, eine Ein(!)-Mann-Mauer zu überwinden – da hilft dann auch das geilste Dicke-Hose-Posing nicht mehr: gestern ging einfach nix. Ende.

Ersparen möchte ich an dieser Stelle die obligatorischen „Es müllert wieder“-Spielereien; die hängen vermutlich jedem schon wieder zum Halse raus. Und in den „Wir werden Weltmeister!“-Choral einzustimmen, weigere ich mich auch noch – dafür gab’s das Szenario „Tolles Eröffnungsspiel/Am Ende dann Dritter“ einfach zu oft – aber nichtsdestotrotz: mein Schreckensszenario, dass es schon nach der Vorrunde vorbei sein könnte, ist erst einmal doch wieder ganz weit weg. Wer Portugal so wegfegt, der wird gegen die USA-Klinsmänner und Ghana wohl noch die notwendigen Punkte zusammenklauben können. Etwas Entspannung ist angesagt. Aber nur etwas. Denn, logisch, ein Ausrutscher kann das Gebilde schon wieder ins Wanken bringen.

Das gilt auch für die Brasilianer, die heute ihren zweiten Einsatz haben werden. Die Premiere ging ja nochmal gut, aber eben auch mit wenig genug Glanz (und einem beherzten Schiedsrichtereinsatz), um gewarnt zu sein. Der Gegner, also Mexiko, hingegen kämpfte lange und mühsam gegen den Schiri im ersten Spiel an – die sind das also schon gewohnt, benachteiligt zu werden. Werden sie auch wieder. Bestimmt. Brasilien muss doch weiter, oder? Und mit einem Sieg gegen Mexiko wären sie das ja definitiv. Sehen wir also heute den ersten Achtelfinalisten? Aber hallo! Ob nun aus eigenem Vermögen oder mit braver Hilfe „von oben“ – das Ding werden sie sich nicht nehmen lassen.

Tja, und dann wäre da ja noch das Komplettieren des Teilnehmerfelds: Die Gruppe H gibt sich heute erstmals die Ehre. Soll heißen: Heute Nacht werden wir insofern schlauer sein, als wir dann alle Teilnehmer des Turniers einmal gesehen haben. Bei einigen Fehleinschätzungen bisher gruselt es mir, dass ich in meiner hauseigenen Tipprunde immer die komplette Vorrunde am Stück tippen lasse – da schwimmen sie davon, meine Felle (Danke, Costa Rica…).

Auch in Hinblick auf Belgien? Also nein, nicht wirklich, oder? Nun ja, irgendwo hat Belgien-Algerien ja schon dieselben Zutaten wie Uruguay-Costa Rica: Klare Favoritenrolle. Ein Außenseiter, den in der Gruppe wohl keiner auf der Rechnung hat. Algerien als eh weitestgehend unbekannte Größe. Die jedenfalls haben in der Gruppe sicher nichts zu verlieren und können vergleichsweise befreit aufspielen. Belgien indes wurde nun schon so oft als Geheimfavorit ins Rennen geschmissen, dass sie eigentlich schon gar nicht mehr so „geheim“ sind. Der große Kenner Olli Kahn würde jetzt schon wieder von „immensem Druuuuuuck“ reden, aber bei aller Liebe: Die Mannschaft hat unbestritten starke Spieler, die bereits in der Qualifikation souverän unter Beweis gestellt haben, dass sie auch zusammen „funktionieren“. Nee, das ist eine frische Mannschaft, die Bock auf das Turnier hat, die froh ist, dass Belgien nach jahrelangem Nischendasein endlich mal wieder bei einem großen Wettkampf vertreten ist. Algerien wird es vielleicht drauf anlegen, das Spiel möglichst zäh zu machen, aber vielleicht findet Belgien ja auch schnell den „Dosenöffner“ – wäre ja nicht das erste schnelle Tor des Turniers, nicht wahr?

By the way: Ist es nicht generell schön, dass die Spiele in diesem Turnier mal vergleichsweise Gas geben und nicht erst mit langem Rumgeplänkel nerven, bis es das erste Mal rappelt? Ich finde das angenehm erfrischend im Vergleich zur doch recht drögen Euro 2012, von der mir aus der Vorrunde tatsächlich herzlich wenig im Langzeitgedächtnis hängen geblieben ist.

Bleibt noch das Mitternachtspiel zwischen Russland und Südkorea, von dem ich gerade nicht so recht weiß, ob ich es nicht ein bisschen bedauern soll oder nicht, dass ich mir das Match aufgrund der Tageszeit verkneifen werde. Einerseits ist es auf dem Papier und von den Namen her alles andere als die große, schillernde Fußballwelt, keine Frage. Andererseits muss ich auch sagen, dass ich beim Brüten über meinen Tippzetteln bei kaum einem anderen Spiel der Vorrunde solange überlegen musste. Mit anderen Worten: Für mich eines der offensten Spiele in dieser Phase der WM, also eine Wundertüte. Das kann völlig öde sein (wie etwa die Iran-Nigeria-Zumutung gestern, bei der selbst Mehmet Scholl seine liebe Mühe hatte, sich das Spiel in der Halbzeitpause verbal schön zu saufen), aber mitunter sind es ja auch genau solche unscheinbaren Partien, die am Ende ein richtiges Schmuckstück werden, mit dem keiner gerechnet hat. Klar: große Chancen im Turnier räume ich keinem der beiden Teams ein – aber eines wird ja (vermutlich) trotzdem weiterkommen. Die Russen, mit einem Kader, der seine Brötchen ausschließlich in der heimatlichen Liga verdient, oder die Südkoreaner, von denen man zumindest ein paar aus der Bundesliga oder der Premier League kennt (wobei man beide schon genauer verfolgen muss, denn es sind ja nicht gerade die absoluten Top-Vereine der jeweiligen Liga, in denen die Herren spielen)? Ich tue mich schwer, das zu tippen. So oder so versuchen wir’s mal!

Also, heute erleben wir:

Belgien-Algerien 3:1

Brasilien-Mexiko 2:1

Russland-Südkorea 3:2

Marco Jankowski

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