Alles läuft nach Blatters Plan. Denn das werden jetzt alles schwierige, hoch interessante, enge Spiele, die ggf. von sehr, sehr „engen“ Schiedsrichterentscheidungen abhängen werden. Das Bosnien-Dzeko-Ding war ein absoluter Skandal. Wieder ein fälschlicherweise nicht gegebenes Tor. Europa wurde schon wieder benachteiligt. Und das nur, weil sich Blatter, Platini und Kaiser Franz nicht mehr leiden können.

Ich erkläre das mal en Detail, Leute, um schon mal in der Sprache des künftigen Vizeweltmeisters zu parlieren: Wenn Ghana mit zwei Toren gegen Portugal gewinnt und wir Klinsi mit einem Tor Differenz wegfegen, sind die USA raus. Nein, also: das gibt kein weiteres Dijon. Redet doch keinen Senf, Leute. Auf Remis wird sich Klinsi nicht einlassen. Hat er im „Spiegel“ ja auch schon gesagt. Es wird kein 0-0-Gedaddel, kein Ballgeschiebe geben. So was können vielleicht wir inzwischen, aber auch nur 45 Minuten lang, erste Hälfte, wie gegen Ghana, aber das können nicht die USA, zu keiner einzigen Minute. Die hat Klinsi anders erzogen. Ehrlichkeit, Härte, Gradlinigkeit, ewiger Kampfesmut und das berühmte megaschnelle, turbogetriebene Umschaltspiel sind hier Trumpf. Ja, Juergen F. Klinsman wird seine Leute auf 200 Prozent so laufen lassen gegen uns wie es die Ghananer schon zu 150 Prozent vorgemacht haben. Bewegung und Zweikampfhärte ohne Ende. Oh Mann. JFK wird mit seinen Dauerläufern auf Nummer Sicher gehen wollen und seine Jungs zusätzlich noch ein, zwei Tore machen lassen. Was gegen unsere Abwehr auf alle Fälle drin ist. Hat man deutlich gesehen. O Höwedes, o Mustafi, o Lahm, o Merte. Und wo sind da wir, was machen wir? Das Schlimmste: Haben wir das alles überhaupt noch in unserer Hand? Alles o Donkor oder was?

Auch auf die Gefahr, mich blogmantra- und ghanamäßig wiederholen zu müssen: Das wird ein ganz, ganz schwieriges Spiel gegen die USA. Das ist nix mit Zeit zum Luftholen. Nix tempi passati. Ja, Joachim. Du solltest, in Maßen, experimentieren. Wenigstens a bisserl. Spiel doch mal so: Neuer – Lahm – Merte (Boateng) – Hummels – Durm. Kroos – Khedira – Özil. Schürrle (Podolski)- Müller (als so richtig falsche 9) – Götze. Schürrle hat eine Chance verdient, ist laufstark, bringt nach hinten auch einiges. Höwedes auf links, das ist nix. Auch wenn Höwi mit seiner unfreiwilligen Kopfballverlängerung auf Klose das 2-2 „vorbereitet“ hat – beide Gegentore zuvor fielen über links. Das war nichts. Auf rechts muss defensiv was passieren.

Schweini hat grade mal Luft für 25 Minuten, hat man gesehen. Der war geschafft bei Abpfiff. Den kannst du noch nicht von Anfang an bringen. Lahm? Ab nach hinten rechts. In Stresssituationen, finde ich, reagiert er unbewusst wie eine Mischung aus rechter Verteidiger und rechter Mittelfeldspieler. Dass da von rechts – wo ja sonst in seinem Falle oft die Außenlinie zu finden war, früher – inzwischen Gegenspieler drohen, dass da von allen Seiten Gefahr droht und nicht wie früher nur von dreien, das ist manchmal, vielleicht, noch etwas viel. Bei der Hitze vor allem. Das mag PL gar nicht so gerne, diese Hitze. Ich meine, guck mal das Klima in München: Die Stadt liegt fast 600 Meter über dem Meeresspiegel. Wenn‘s da im Sommer 28 Grad im Schatten hat, gibt es schon hitzefrei. Im Mai hat´s da noch Nachtfröste, im Oktober kann´s schon wieder schneien. Im Winter ist es nachts mit minus 15,20 Grad, im Einzelfall auch schon mal darunter, empfindlich kalt. Im Frühjahr von Ende Februar bis Ende April haben wir in der Jugend immer auf eisbedeckter roter Erde gespielt – Rasen war da in Regel für uns dauergesperrt. Zu schlechtes Wetter. Zu nass. Zu kalt. Die Sommer von Ende Juni bis Mitte, Ende August – nicht länger.

Nee, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, auch bei Toni Kroos (Sozialisierung: Ostseeküste), da ist nicht so viel mit Hitzeresistenz.

Und Philipp Lahm ist eh ein Hybride, egal wo er spielt. Spielt er nominell Rechtsverteidiger, spielen wir de facto mit etwa 3,5 – 2,5 – 3 – 1, weil Lahm ständig zwischen Verteidigerposition und Mittelfeldposition(en) hin und her und kreuz und quer kreiselt.

Philipp Lahm ist sozusagen die Ein-Mann-Wiedergeburt des Schalker, respektive Wiener Kreisels. Er kann alles, aber eben nur in gemäßigten Breiten.

Hinten also mit 3,5er Kette, davor etwas anders, das wird die Amis völlig fertig machen, mit so viel taktischer Chuzpe werden sie nicht rechnen. Und wir: Wären taktisch mal wieder ganz weit vorne, dank Jogi, Flick und vor allem dem genialen Urs Siegenthaler, werden wir gegen die Überläufer aus den Staaten ein lockeres 2-2 erreichen und nach Toren von Klose und Götze als Gruppenerster ins Achtelfinale gehen, dann zwar für immer gehasst von den Portugiesen oder Ghanaer, wer dieser beiden deren Spiel halt gewinnen wird, aber egal.

Hitze muss man aushalten können.

Dijon! Was für eine scharfe Woche.

Was für eine Super-WM. Was für spannende, enge Spiele! Da helfen kleinste falsche Entscheidungen, und schon kann so ein enges Match in die richtige Richtung kippen. Wie das der Bosnier. Toll, Sepp, oder?

Was ich noch sagen möchte: Wir merken es bereits, die Brasilianer auch schon, die Holländer sowieso – das dritte Spiel ist für alle hoffenden Teams dieses Turniers nicht ganz unwichtig. Brasilien kann sich da nicht einfach gegen Kamerun so wurschtig präsentieren, einen schon fast durche dicke Hose machen. Wenn denen der eh jetzt schon kaum vorhandene flow völlig verloren geht, dann wird es ganz schwierig im Achtelfinale gegen Holland oder Chile. Kann auch noch passieren, dass Brasilien verliert, dass Mexiko unentschieden spielt, dass Brasilien raus ist…

…aber dann wäre die WM frühzeitig vorbei. Lichter aus. Das geht also schon mal nicht.

Okay. Für mich ist es auch egal, ob sich die Brasilianer quasi „aussuchen können“, ob sie gegen Chile oder Holland antreten wollen. Gedankenspiele lenken nur ab, sind sehr kontraproduktiv für das gerade zu bespielende Match. Kamerun wird sich anstrengen, so oder so.

Meine orakolöse Prophezeiung, dass es den einen oder anderen Europäer „unerwartet“ erwischt, hat sich, sage ich ganz kalt und klar, bewahrheitet. Leider. Und es werden noch einige Teams aus den, äh, gemäßigten Zonen dazukommen.

Mexico und Chile kommen weiter. Das sind zwei Teams, die – bei allen spielerischen Möglichkeiten – zusätzlich auch noch sehr gut von der Physis leben. Wie Kolumbien. Wie auch Uruguay. Uruguay sehe ich gegen Italien auch aus psychologischen Gründen im Vorteil. Das Momentum. Suarez. Italien dagegen etwas, äh, ungefestigt. Wie spielen die jetzt eigentlich nochmals genau? Weiß keiner. Prandelli wird sich zwar bestimmt etwas einfallen lassen. Und mit dem Rücken zur Wand sind die Italiener auch immer schon besonders stark gewesen. Und ein Punkt reicht ja auch. Aber dennoch..

Ein Tor machen die Urus bestimmt. Aber machen auch die Italiener eins? Nach Rückstand? Wie gegen… 🙂

Griechenland ist weg. Bosnien ebenfalls schon. Die Schweiz? Muss aufpassen. Russland wie Portugal extremst, Kroatien stark gefährdet…

Bis jetzt, Leute, sind nur Belgien (aber wie!), Frankreich und Holland (mit Glück gegen Australien. Die mussten das 3-2 einfach machen) weiter. Was sagt uns das über den europäischen Fußball?

Na ja, nicht so viel Positives, oder?

Die Afrikaner können mit Nigeria, der Elfenbeinküste, Algerien und unter Umständen auch – siehe ganz oben – Ghana noch drei, wenn nicht sogar vier Teams fürs Achtelfinale stellen.

Asien? Japan? Südkorea? Iran? Eher keine Halbfinalaspiranten.

Die Mittel- und Südamerikaner dagegen…ohne Worte. Ganz stark. Vorteile wegen Heimkontinent? Bzw. als Team aus nahe gelegenem Nachbarkontinent, wie z.B. für die USA?

Gruppe B: Chile weiter. Gruppe A: Brasilien höchstwahrscheinlich (müsste ja verlieren, um auszuscheiden) und wohl auch Mexiko, eher nicht Kroatien, weiter. C: Kolumbien, vierte amerikanische Mannschaft weiter. D: Costa Rica weiter. Uruguay oder Italien ist noch die Frage. E: Ecuador oder Schweiz, Tendenz, da Frankreich durch ist, für mich klar Ecuador. F: Argentinien weiter. G: USA, gute Chancen. H: keine amerikanische Mannschaft drinne.

In der Summe sind sieben bis acht amerikanische Teams weiter, zwei bis drei afrikanische Teams dürften es auch machen. Maximal können es zehn amerikanische Mannschaften schaffen. Jetzt mal rechnen, Junge.

Da bleiben für uns Euroegozentriker nicht mehr soooo viele Achtelfinalplätze über. Geben wir uns also mit vieren zufrieden, oder? „Wir“ sollten neben FRA und BENE-LUX schon noch mit dabei sein. Sonst wird´s zu traurig und der Letzte macht zu früh das fahle, bleiche, mitteleuropäische Licht aus.

Ist das Betriebsklima wirklich ein Faktor? Spielt die Champions-League-Erfahrung so eine geringe Rolle? Andersrum gefragt: Sind viele Europäer jetzt am Ende dieser mega-langen Saison einfach nur überspielt und zu saft- und kraftlos für den Titel?

Oder wollen die Süd-/Mittel-Amerikaner und die Afrikaner jetzt endlich mal Nägel mit Köpfen machen und uns ganz schlicht und einfach die zahllosen WM-Startplätze klauen, im ganz großen großen Stil? Mit welchen Mitteln auch immer, also mit allen Mitteln?

Werden also diese, diese, DIESE Brasilianer wirklich Weltmeister?

Sepp Blatter ist ein…

Euch allen noch eine weiterhin so schön spannende WM, die ihr ganz sicher haben werdet.

 

Andreas Bach

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