Die WM lässt einen bislang so ein wenig ratlos zurück, im weitergehen. Ja, nein, es gibt bislang wenig neue taktische Erkenntnisse. Der Trend geht derzeit zum Ende der Vorrunde zu: Long distance dedication. Alle Bälle einfach lang – auf Neymar. Auf Robben. Auf Dejagah. Auf…Oder kurz: Auf Neymar. Auf Messi. Auf Robben. Auf…Özil? Kroos? Lahm?

Oder schlag das Ding einfach schlicht möglichst weit hinter die Linien, über die Abwehr drüber. Läuft schon einer hinterher, der die nötige Physis bzw. Fitness aufbringt. Oder auch mal quer durch die Schnittstellen der Ketten hindurch. Wenn du da Lücken siehst. Mach es wie Iniesta. Aber Iniesta ist nun ausgeschieden.

Oder was auch immer gut geht, Beispiel für Spiele unserer Gegner gegen uns: am besten lang links über Höwedes drüber oder lang an Höwedes vorbei. Oder auch, Beispiel für unser Spiel: Ball irgendwann irgendwie auf Müller. Oder, zu manchen Zeiten, irgendwie per Kopf oder Knie oder sonstwie auf Klose.

Aber warum geben die den Ball nie diesem Mourinho-Schüler, diesem Schürrle oder auch mal unserm Poldi?

Ich weiß es auch nicht. Da steckst du einfach nicht drin.

Generell erweist sich aktuell aber am allervielversprechendsten bzw. am superzuverlässigsten: Der Standard. Ganz langsam, sorgfältig, gründlich, auch mal gemütlich, oft aber mit Saft, Raffinesse und Kraft ausgeführt. Der Standard. Sein großer Vorteil: Der Ball ruht. Und man kann ihn üben. Endlos. 24 Stunden am Tag. Mit oder ohne Pappkameraden. Alleine oder zu zweit. Zu dritt oder zu viert.

Egal. Ein Standard geht immer.

Viel wird auch von Teamgeist und Physis – englisch wohl auch: nature – gesprochen. Oder eben Physique. Es gibt jedoch kein eindeutiges englisches Synonym für Physis. Physique trifft es nur zum Teil. „Leo.Org“ weist für Physis die meisten Treffer noch für die französische Sprache auf. Unter anderem auch Physique.

Fremdsprachen werden wohl überschätzt.

Geht´s naus und spielt´s Fußball. Muss reichen.

Die deutsche Physis scheint ein verbales Alleinstellungsmerkmal darzustellen. Die Engländer haben sie nicht, hatten sie bei großen Turnier wohl nie, also weg. Raus. Die Franzosen haben sie derzeit noch am meisten, sie sind noch gut mit dabei. Könnte die Vizeweltmeisterschaft bedeuten. Auf holländisch finde ich für Physis eigentlich nix, am Rande so die Termini toestand, aard, gesteldheid, hoegdanigheid. Okay, das zielt eher in Richtung Virtel- oder Halbfinale. Auf Belgisch…aber lassen wir das. Das wird so oder so nix mit der Physis.

Teamgeist? Auf französisch: l´esprit de l´equipe. Klingt umständlich. Im englischen: team spirit. Okay. Auf Niederländisch: nada. Auf spanisch: espíritu de equipo. Auf brasilianisch-portugiesisch: espirito de equipa. Physis wiederum findet man auf portugiesisch-spanisch- brasilianisch nicht.

Wir könnten noch in esperanto suchen lassen, oder im Arabischen, oder in einigen afrikanischen Sprachräumen. Auf Japanisch. Auf Costaricanisch…

Wir, also wir alle, wir Fußballdeppen, wir Sportwissengschaftlhuber, wir haben es immer noch nicht geschafft, Teamgeist sprachlich zu definieren, exakt zu verwissenschaftlichen, in Zahlen zu fassen. Nicht zu fassen, in der Tat.

Wirklich, der bleede T., er ist immer noch nicht in Formeln reproduzierbar, man kann ihn immer noch nicht googeln und dann wahlweise in Apple-Samsung-Ausführung via Amazon or so bestellen. Es gibt auch keine zehntausend Filmchen auf YouTube und schon gar nix auf Facebook darüber. T., du Depp.

Boah, fällt schon wieder auf, wie taktisch limitiert wir inzwischen lernen, forschen, konsumieren, kommunizieren, irgendwie um uns rummachen, oder was?

Schade eigentlich. Ein mir sehr lieber Sportjournalist hat mal gesagt, ich dürfe sofort 17 und 4 Seiten in seiner Seitung abseiern, wenn ich eine Berechenbarkeit, Ausrechenbarkeit von Teamgeist nachweisen könnte.

Nee, das kann ich nich, ich kann es einfach nicht, mir fällt nix ein, das will ich nich, das verkauf ich nich, ist nicht auf meiner Agenda, da bleib ich lieber doof, aber empathisch. Jemand von Spielverlagerung sagte zum Thema espirito de equipa: Wieso Teamgeist? Wieso ein Problem? Damit sind wir längst durch. Wer am meisten läuft, für seine Teammitglieder, der zeigt eben am meisten Teamgeist. Ist messbar. Logisch. Mann, Teamgeist.

Ja, nein, schade. Wenn es so einfach wäre, dann wäre ja immer Dortmund oder Mainz oder Freiburg Meister, zumindest master of team spirit, jawoll. Team Spirit ist aber nicht gleich running spirit.

Teamgeist zeigt sich wohl leider auch regelmäßig unmessbar im Abseits, an diesen halbdunklen halbschweinischen Orten neben dem Platz, leider auch abseits jeglicher Kameras, an Plätzen frei von sonstigen technischen Aufzeichnungsgeräten, in den so genannten leider selten gewordenen medienfreien Räumen. Teamgeist, das ist, wenn Schweini dem Poldi umsonst ein Weißbier bringt, obwohl der gar keins bestellt hat. Und der das dann ganz umsonst sogar trinken darf.

Teamgeist ist nicht, dass Schweini dem Poldi das nicht bestellte freiwillige Weißbier über den Kopf schüttet, einfach so, weil es uns so viel Spaß macht und schöne witzige Bilder gibt und weil es z.B. am Pep so schön klebt. Nein.

Teamgeist, das ist, wenn sich Klose auch noch in acht oder 12 Jahren „für uns“ ganz klag- und klanglos los auf die Bank setzt, für so wenig wie für ein Appel, ein Ei, für vielleicht noch ein halbes bis ein ganzes Tor pro Turnier. Aber was für ein Tor! Was für ein Salto! Welch gewaltige Bilder! Mit weißem wehendem Hauptresthaar!

Teamgeist, den zerstört wohl, wenn einer wie Jogi den Philipp die nächste Zeit doch noch auf der Doppelsechs sitzenlassen lässt, obwohl der eigentlich viel lieber wieder raus auf rechts hinten gehen und dort spielen würde, sich das aber nicht laut sagen zu traut oder sich zu sehr fürchtet vor der Mannschaft, das zu sagen. Weil der PL dann leading power oder Charisma verlieren würde, oder so. Jogi, den Geist vermeintlich nicht beschädigend, weil am liebsten Ruhe im Team haben wollend, aber so leider aussitzend kontraproduktiv handelnd, vielleicht, lässt Philipp doch auf sechs, tut ihn nicht auf zwei, der schönen lieben Ruhe im Team wegen.

Ich sage, okay, probieren wir es aus. Lass den Lahm ruhig noch paar Spiele spielen auf der sechs, dann haben wir in vier Jahren wenigstens noch Ziele. Aber das war´s dann halt auch vier Jahre lang mit dem viel gerühmten Teamgeist. Und wohl auch mit Jogi. Aber, böse nachgefragt, wollen das nicht einige von euch sowieso, hm?

Aber, du weißt es ja nicht vorher, sagt der Geist, mach nix übereilt, Jogi, andererseits, denn: spielt Lahm das dritte Spiel gut auf der Sechs und wir gewinnen 3-1 gegen die USA, war doch alles super. Vor allem der Teamgeist. Und die Physis. Mann, was sind wir gelaufen gegen die Amis. Konnte ja nur gutgehen. Die volle Fitness. Jetzt erst mal Achtelfinale.

Mann, war der Lahm fit. Und diese Physis. Und wer hat da nochmals auf rechts gespielt? Höwedes? Durm? Boateng? Und was für ein Teamgeist von PL, seine eigene Rolle im Team so zurückhaltend zu interpretieren, stets so gruppenimmanent klaglos hinten an zu stellen. Mann, hat das alles klasse geklappt gegen die Amis. Der Lahm hat ja quasi überall gespielt. Wow, wir haben es ja gleich gewusst: Im dritten Spiel platzt bei Philipp der Knoten, auf der Zweikommasechs. Wir haben es gewusst. Ja, haben wir. GEWUSST.

Denn der Teamgeist hatte es uns gesteckt.

Die Wahrheit ist: Wir wissen nichts. Und schon gleich gar nichts über den Teamgeist an sich. Und noch weniger über den deutschen Teamgeist.

Wir sehen nur ARDZDF-Bilder. Hören Sprüche. Lesen Zeilen, Texte. Gepostete Bildchen.

Nein, nicht ganz: der T.  war da, sogar auch noch ganz deutlich nach dem 2-1 der Ghanaer.

Jetzt nicht sagen, ihr, das war halt Ghana.

Ja, verlieren wir, ist der Teamgeist weg. Gewinnen wir, ist er angeblich da. Spielen wir Remis, muss es irgendwann Elfmeterschießen geben. Und dann nennt sich der Teamgeist plötzlich Pech. Oder Glück.

Die Frage ist also: Wann verlieren wir unser erstes Spiel?

Am besten nie, oder?

 

Anbei nun noch die Ergebnisse vom Sportinformationsdienst, wie soeben frisch gemeldet (Achtung, keine Tipps).

 

Italien – Uruguay 0-1.

Costa Rica – England 1-1

Japan – Kolumbien 1-1.

Grieichenland – Elfenbeinküste: 1-1.

 

Euch noch eine schöne WM. Morgen gibt´s übrigens gratis die Urlaubsadressen und Handynummern aller Offiziellen und Schiedsrichter.

Andreas Bach

 

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