Georgio Chiellini hat vollkommen recht. Der blutig gebissene Verteidiger findet die Mega-Strafe gegen seinen adversaire Luis Suarez zu recht vollkommen überzogen. LS zusätzlich zur Viermonatssperre aus dem Kreis der Mannschaft zu verbannen, ist total neben der Spur. Auch hier lenkt die FIFA mittels eines völlig überzogenen Strafurteils wieder mal sehr erfolgreich vom eigener merde ab.

Wegen des auf „unsere“ Bestellung von diesem hier ausnahmsweise mal für „uns“ nutzbringend korrupten Verband dann doch prompt gelieferten siegbringenden Fritz-Walter-Wetters gegen die nassforschen Halbstarken aus den USA möchte ich deutliche Kritik an dem Verband ab sofort hier nicht mehr äußern. Es könnte bestimmte Werbepartner ja doch allzu deutlich verunsichern, ja, gar verärgern. Und das wollen wir nicht.

Zurück zum Fußball, nicht nur mon amour augenscheinlich: Alle Achtelfinal-Paarungen klingen relativ spannend, bis auf die Partien Deutschland – Algerien und Frankreich – Nigeria. Diese scheinen mir auf dem Papier für beide Europäer doch recht einfach lösbar. Ein Scheitern von beiden im Achtel wäre mehr als nur eine Blamage, vor allem nach den bisher gezeigten Leistungen von doch recht homogenen und jedes auf seine Art spielfreudigen und defensivstarken Teams. Zwangsläufig mündet die gegebene Konstellation also in ein Viertel D/F.

Der Sieger dürfte es im HF mit Brasilien zu tun kriegen; Neymar und Co werden von freundlichen Schiedsrichtern über Chile, Kolumbien oder Uruguay ganz sicher ins Halbe geleitet werden. Und dann?

Ich finde die Franzosen ja schon immer gut, aber sehr schwierig. Unser Erzfeind aus dem 19. und 20. Jahrhundert hat sich inzwischen zumindest in einen zwar immer launischen, oft schwierigen, neuerdings auch politisch fragwürdigen, ja zuweilen missraten chauvinistischen, aber zumindest nicht mehr todbringenden Nachbarn verwandelt.

Aber man fremdelt halt mit den Welschen. Immer noch. Alles läuft sprachlich anders, ja oft gegensätzlich. Dauernd werden drüben linksrheinisch aus Männern Frauen und umgekehrt. Beispiele: L´ amour – der Liebe. La lune – die Mond. Le soleil. Der Sonne. Der Welt – le monde. Die Bier – la bière. Die Stern – L´Etoile. Die Sieg – la victoire. Und so weiter.

Ein Halbfinale gegen Brasilien fände ich, nachdem wir les bleus wie in alten Zeiten brutal weggeschossen haben – hallo Schumacher/´allo Battiston – , tatsächlich recht reizvoll. Das würde unser Team auf eine echte Probe stellen. Ein echter Vergleich. Wo stehen wir eigentlich? Danach wüssten wir es bestimmt. Aber wirklich. Egal, was passiert.

Gegen die Frauen aus Frankreich werden unsere Männer bestimmt keine Probleme bekommen. Die Benzema werden wir mit unseren vier Innenverteidigern die Luft zum Atmen schon nehmen. Die Mittelstürmer weint dann bestimmt ab Minute 69. `emmungslos. Die haben wir jederzeit im Griff. Die Rest – o la la: Die Kollektiv/la collectivité als Gemeinschaft ist zwar nicht schlecht, aber keine Übermannschaft, bzw. no équipe suprême. Letzterer Terminus ist im Französischen im übrigen nicht allzu geläufig. Über, das kommt da drüben nicht so häufig vor.

Die Frankreich hat es ja insgesamt nicht so mit übermenschlichen Übermannschaften. Bei den Linksrheinischen aus La France fordert auch keine maßlos überzogene Medienüberöffentlichkeit wie selbstverständlich den „lange fälligen“ WM-Titel, wie bei „uns“ (oder in Brasilien).

Aber, gerade gemerkt, schön, dass ich auch ein Linksrheinischer bin, hier in Köln-Ehrenfeld fett auf der linken Rheinseite sitze, nur drei schlappe Thalys-Zugstunden von Paris entfernt. Nach Berlin-Mitte braucht man von Köln-Ehrenfeld aus, die stets auftretenden zahlreichen Pannen mit eingerechnet, eigentlich, egal ob mit Auto, Fernbus oder Bahn, nach Berlin roundabout einen ganzen Tag.

A Oui, Bin isch ´etzt eine Französ´in?

Ja, Berlin ist von Köln aus eine Mondetrip, eine, wie sagt man bei euch, ah, Weltreise, genau. Eine Trip auf, in eine ganz andere Monde. Fragt mich nicht, wie das funktioniert, aber sogar in Wien bist du irgendwie schneller als in Berlin (mindestens, seit ein Österreicher den 1. FC Köln so übererfolgreich trainiert, zurück in die erste Bundesliga geführt hat, in der kommenden Saison mit dem FC realistischerweise eine Champions League-Startplatz anpeilt uswusf.) Ja, Wien ist nah, Polster sei dank, ganz im Gegensatz zu Berlin, so nah wie Paris oder London. Wo der kölsche Jong Poldi ja jetzt spielt. Er macht es inwzischen sehr erfolgreich.

Viel besser als in unserer equipe nationale. Poldi hätte statt für „uns“ beser mal für die Engländer als Winger auflaufen sollen, sozusagen als Ersatz-Bale, die hätten ihn gut gebrauchen können, im Gegensatz zu uns. Wären die noch mit dabei. Hätten wir keine Suarez-Debatte. Kein Costa Rica. Mann. Könnten wir die noch im Elferschießen wegmachen. Spaß. Fun. fun.

Sorry, aber das schreiben heute eben alle. Poldi bräuchte Raum, viel Raum, um erfolgreich abzuschließen. Da sich gegen uns alle hinten rein stellen, gibt es hier in der Angriffszone kaum Platz. Da brauchst du Bierdeckelzauberer wie Götze. Hab ich aber Löw gleich gesagt. Bring erst den schön kurz geratenen O-Beiner, den kannst Du dann nach getaner Arbeit in Halbzeit Zwei immer noch auswechseln. Wenn wir führen und die Räume für Poldi plötzlich da sind. Damit er endlich keine Mondbälle mehr spielt. Balles de monde? Ballons de la lune?

Ja, heiligs Mondphasele: Wenn ich das hier so dahin fasele, merke ich, analog zu einem meiner früheren Blogtexte in grauer WM-Anfangsphase, dass das wirklich stimmt. Löw/Flick sind nicht die größten Taktiker auf dieser Erde, werden es wohl auch nicht mehr werden. Da hilft anscheinend auch kein Siegenthaler.

Die Engländer dagegen kämen Poldi mit ihrer Spielweise sehr entgegen. Die stellen sich schon aus Prinzip ja niemals hinten rein, auch, weil sie´s nicht können. Nie gelernt haben. Der fehlende Fußballunterricht in nicht vorhandenen Leistungszentren auf der Insel das gar nicht vorsieht, verteidigen. Darum gefällt es unserem Prinzen ja auch so gut auf der Insel. Immer lächeln, immer angreifen, immer noch einen drauf, immer vorneweg. Verteidigen, äh, what? Verteidigen ist was für Südländer. Italiener. Spanier. Aber noch nicht mal semikatalanisch auftretende halbe El-Toque-Teams wie Arsenal beherrschen defensive Strategien wirklich gut. Einzige Ausnahme: Chelseas Mourinho. Die spielen wie Atletico Madrid. Nur schlechter.

 

In diesem Sinne, man sieht sich am Montag. Jetzt noch: Que l´Oracle dit/Was der Orakel sagt:

 

Brasilien – Chile 3-1 (Schiedsrichterheimbonus)

Kolumbien- Uruguay 2-1 ( – Suárez-Bonus)

Niederlande – Mexico 1-2 (Anti-Europe-Blatter-Bonus)

Costa Rica – Griechenland 4-3 (coast to coast-kostet-ja-nix-Spektakel-Bonus)

 

Euch weiterhin eine schöne WM.

 

Andreas Bach

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