Es ist Europameisterschaft. Menschen machen früher Feierabend, trinken auch werktags deutlich mehr, als der Arzt empfiehlt und ertragen stoisch Beziehungskrisen, Konflikte mit dem Arbeitgeber oder andere zwischenmenschliche Verwerfungen, weil ihnen die UEFA nun mal diktiert, jeden Abend an Bildschirmen sitzen und die Bewegungen einer winzigen Kunststoffkugel zu verfolgen. Spiele der eigenen Mannschaft werden erwartet wie früher religiöse Festtage. In der Zwischenzeit kann man sich mit Partien der anderen Länder leidlich trösten. Die sind zwar oft sehr ansehnlich, werden einem aber niemals den gleichen emotionalen Kick geben wie die elf weißgewandeten jungen Männer, die das Gehirn eines deutschen Fans – evolutionsgeschichtlich gesehen – als Mitglieder des eigenen Jagdverbandes betrachtet, deren Aktionen es deshalb mit der Ausschüttung großer Mengen von Stress- oder Glückshormonen quittiert. (mehr …)

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Samstag, 9. Juni. Durch ein Tor von Mario Gomez gewinnt Deutschland 1:0 gegen Portugal. Im Anschluss wird der Torschütze heftig kritisiert. Gomez mache von allem zu wenig. Nehme kaum am Spiel teil. Arbeite zu wenig für seine Mannschaft. Die absurdeste Formulierung hierzu kam von Mehmet Scholl: Gomez, so befürchtete er, hätte sich im Spiel „wundgelegen“, aus Untätigkeit, Lauffaulheit, so Scholl direkt nach dem Spiel in der ARD zu Reinhold Beckmann.

Heute, drei Tage später, am Dienstag, den 12.Juni, wird über diese Aussagen immer noch debattiert. Inzwischen zoffen sich FC Bayern-Manager Christian Nerlinger (pro Gomez, via Bild) und FC Bayern-U23-Trainer Mehmet Scholl (contra Gomez), der die Debatte in seiner Funktion als ARD-TV-Fußball-Experte ausgelöst hatte.

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Gestern gegen Israel, das war ja relativ entspannt, andere würden sagen: müde. Eben noch überhaupt nicht  das Gelbe vom runden Leder bzw. Ei – mal so ausgedrückt. Dabei, von Mehmet bis Scholl haben es nahezu alle Deutschen Fußballexperten von den Sendedächern und aus den Blogrolls gekräht, kann es doch gar nicht so schwer sein für unsere  EM-Helden in spe „..den Schalter umzulegen und Gas zu geben“ (M.Scholl u.v.a.mehr). Denn: „Kicken können die doch alle“ (alle, Experten, Laien, Jornalisten, Fans..). Aber – ist das wirklich so? Geht das bisschen Fussi nach Plan so einfach wie alle meinen? Wir meinen – Klar!  Die müssen nur wollen! Das bisschen Fussball, das ist im Prinzip doch genauso zu stemmen wie – das bisschen Haushalt.

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Wer sich in diesen Wochen aufmerksam in deutschen Städten umsieht, der hat gute Chancen, seltsame Dinge zu beobachten: Vor Kiosken, in Biergärten oder auch in Spielzeuggeschäften stehen Gruppen von Menschen unterschiedlichster Altersklassen und Milieus herum und sehen wahnsinnig beschäftigt aus. Sie streichen Nummern auf handgeschriebenen Listen durch und begutachten sorgfältig Stapel mit kleinen Klebebildchen. Auf jeder von ihnen sieht man das Emblem der Firma „Panini“: den Schriftzug mit einem stilisierten Ritter, der ein (sehr) langes Schwert in Richtung des rechtes Bildrandes streckt. (mehr …)