Die aktuellen Gepflogenheiten im Profifußball europäischer Ausprägung – sagen wir gleich weltweit – muss man schon seit etwas längerem „nicht gut finden“. Das obskure Chaos, das die wüste Personalpolitik vieler Vereine und Verbände regelmäßig, ja permanent, auslöst, provoziert bei vielen Fans im weiteren Fortgang inzwischen nur noch Beklemmungen oder Hohngelächter.

Zum Wechsel des Basler Trainers Thorsten Fink zum Hamburger Sportverein ist weißgott schon einiges gesagt worden, und da wir mit HAUPTSACHE FUSSBALL hier jetzt auch noch mitmischen, nehmen wir vorweg: Es wird nicht der letzte schriftliche Ausfluss gewesen sein. Vor allem deswegen, weil der Weg des Hamburger SV, Trainer hin oder her, aus den unteren Regionen der ersten Bundesliga Richtung mittlere Ebene lang und steinig sein wird. Da wird es noch viel zu posten, sprich plappern geben.

In der Regel, liest man immer wieder, ist es verpönt, sich über den Namen eines Menschen – z.B. Fink, Scha(a)f, Fuchs, Wolf – im Text oder auch im Kontext – lustig zu machen. Auch die „SZ“ merkte dies im Sportteil kürzlich wieder ironisch an – um es dann doch zu machen, wie wir hier in der Folge auch, denn was die „SZ“ darf, dürfen wir schon lange. Ach, Tempora, ach Mores, Texte und Verdrehungen! Thorsten Fink, Himmel, ist beileibe kein Luftikus , nein, er fing ganz unten auf der Erde an. Als Bodenbrüter sozusagen, in der dritten Liga. Ja, Fink hatte viele Gols inne Stadt gebracht, besagtermaßen, bis er es dort in Frankensteins Heim inne zweite Liga final verbaselt hatte – und dort dann sozusagen innerwörtlich als switzerman erfolgreich ward. Aber doch nicht so wahnsinnig erfolgreich, o kleine Schweiz, um ausreichend satt zu werden, wiewohl er also eben in Zukunft lieber Hamburger äße – wird essen müssen. Immer noch besser als Red Bull zu trinken an der mozartsüßlichen Salzach, wie damals in the Trap, par Toni. In dieser Burg. Diesem Burg. Oder so, wie der Kölner so sacht. Chapeau, Thomas Bernhard.

So weit, so wild zu den mehr und weniger erfolgreichen Stationen dieses Trainervogels. 2001, so heißt es bei Wikipedia, gewann er mit dem FC Bayern die Champions League (gegen Valencia). Fink stand aber in diesem Spiel nicht auf dem Platz, geschweige denn im Kader. Woran lag es? Zwei Jahre zuvor, 1999, sagt Fink, wollte er gegen Manchester United in diesem anderen Champions League-Finale beim Stande von 1-0 für sein Team ganz kurz vor Schluss, er war grade mal zehn Minuten auf dem Platz“..den Ball weghauen, (ich) habe ihn aber nicht richtig getroffen.“ Tor für ManUnited, 1-1, direkt im Anschluss 1-2, aus die Maus. „Damals habe ich mit dazu beigetragen, dass wir das Spiel verloren haben. Dafür habe ich ein anderes Mal dazu beigetragen, dass wir gewonnen haben.“, sagte Fink danach. Hier ein Link zum Interview mit Thorsten Fink zu besagtem verlorenen Spiel.

http://www.sporthelden.de/helden.html?&tx_ttnews[tt_news]=432&tx_ttnews[backPid]=57&cHash=b0b158014c

Aber welches genauso sauwichtig-blöde Spiel haben „wir“ mit dem Schlüsselspieler  Fink danach bitte gewonnen? Unfaire Frage? Wie oft wird einem so etwas vorgehalten? Anders gefragt: Lernt man aus solchen bitteren Niederlagen? Der eine wohl mehr, der andere weniger. Und wenn ja, warum eigentlich? Fußball spielen heißt nun mal verlieren lernen, das weiß auch der FC Bayern München nur zu genau. Da tut‘s nur mehr weh, weil es seltener vorkommt als, sagen wir, beim ersten FC Köln. Intensiver erleben darf der FC Bayern dieses Gefühl derzeit nicht, genauso wenig wie der FC Basel – oder der FC Barcelona – oder Manchester United. Große Namen, fürwahr. Wobei zwei Mannschaften oft in fast identisch gestylten Trikots antreten, Barcelona und – Basel nämlich.

Der HSV dagegen – lernunfähig. Seit Jahren ist der Verein ein einziges Verlustgeschäft. Seit Jahren wenig Punkte, zu wenig Geld. Auch zu wenig Know How, gleich welches? Der HSV hat derzeit nur noch…seine Raute. Und das Gefühl, in zehn Jahren rund tausend Trainer verschlissen zu haben. Und einen ganz guten, aber irgendwie austauschbaren, namenlosen, ja fast beliebig zusammengewürfelten Kader zu besitzen, tausend Trainer tief (danke, Blumfeld). Ach, die vielen Trainer, all die Sportdirektoren, das Präsidium. Wie wichtig sind da noch Namen, Personen? Wer kennt sie, wer kann sie noch auswändig runterleiern? Identitäten? (außer den alten von Seeler über Schulz zu Netzer, und der ist doch eigentlich Gladbacher, oder? Magath? Vergesst es…)

Wie seriös war es, ist es eigentlich, wenn Sportdirektor Frank Arnesen nach seiner paneuropäischen Trainersuche sagt, Thorsten Fink wäre schon immer sein Traumtrainer gewesen? Und auch wenn das ernst und ehrlich gesagt gewesen wäre – Fuck, möchte man fast sagen, WARUM so ein Theater? Warum gerade Fink. Er ist doch nur „auch“ ein Trainer. Ein freier Vogel, der, Basel II, Vertrag hin oder her, dorthin fliegen kann, wo er will – und das will und wird er die nächste Zeit, egal ob 2012, 13, 14, 15 auch wieder tun, zur nächsten Zugvögelsaison. Mit einer Ausnahme: Er wird vorher gefeuert. Er wird wegen erfolgloser Plapperei und Spielerei aus dem Feld geschossen, mit der gegen lockere europäische Zugvögel und auch ernster zu nehmendere Greife erprobten Streubüchse der Fans, Vorstände, Medien. Manager nicht zu vergessen.

No way, scheiße, schreit man fast, ist doch okay, lass das Gejammer. So isses nun mal, was alleine zählt, ist das Ergebnis. Und das hieß 1999 nun mal 2-1 gegen Bayern. Für Manchester. Mit Fink. Fuck, möchte man fast wieder schreiben, ein 2-1 für Bayern wäre mir lieber gewesen. Und 2001 – völlig ohne field goal aus dem laufenden Spiel – 1-1 nach zwei Elfmetern nach regulärer Spielzeit und Verlängerung – nach Elfmeterschießen gewonnen. Effe, Kahn usw.

Also, Schluss jetzt: Thorsten Fink hat beim HSV einen Vertrag bis Juni 2014 bekommen. Wenn er beim HSV im Februar 2013 noch auf der Bank säße, wäre das eine Sensation.  Der HSV hat Fink nun für ungefähr eine Million bei Basel rausgekauft. Der Verein zahlt heute noch die letzten Raten der Ablöse für Bruno Labbadia – an Leverkusen. Geht Fink vor Ende seines Vertrages, wird das erneut Geld kosten. Basel II. Darf das die Bank überhaupt so machen, diesen HSV zu finanzieren? Aber hören wir da schon leise Proteste von Fans? Gibt‘s Demos zum Finanzgebaren von Real Madrid? Nöö, Du.

Wir schlagen vor, wenn man eigentlich schon kein Geld hat, damit lieber gleich Felix Magath auszulösen. Das lohnt sich und der Ertrag ist – beinahe – planbar, liebe BWLer. M. hat das „Champions League“-Finale 1983 mit dem HSV gegen Juve nicht verloren, sondern, und das stimmt wirklich, tatsächlich gewonnen. Sein schönes Tor war der Matchwinner dieser Partie, die sonst spielerisch nicht auf allzu hohem Niveau stand, aber egal. Das war Bayern gegen Valencia auch nicht, aber Hauptsache gewonnen.

Magath wird nicht kommen. Noch nicht. Noch nicht gleich. Denn VW hat noch Geld. Sogar echtes Geld. Noch. Ach, HSV, holt doch Kahn. Oder Effenberg, der macht grade seinen Trainerschein und der hat gegen Valencia seine Elfer immer reingehauen. Eiskalt. Der beste auf dem Platz, noch vor Hargreaves – und vor Thomas Linke. Sensationelle Partie. Alles Gewinner. Linke wäre im Übrigen auch frei. Nach Engagements bei Red Bull Salzburg & Leipzig. Als Sportdirektor. Für Frank Arnesen zum Beispiel. Aber ob Linke will? Wir wissen es nicht.

HSV, die Lage ist hoffnungslos verfahren. Felix Magath muss kommen. Kein Wolf, kein Fuchs, kein Link(e), kein Fink. Nein, Felix. Er würde das Glück zurückbringen. Haha. Ja. Nein, eben wie damals, für den HSV, für Wolfsburg. Wenigstens für eine Saison. Was danach kommt? Und wenn schon. Wen kümmert‘s in dieser Bundesliga? Dieser Fußballwelt.

Noch ein Grund pro Magath: Nur der HSV könnte Magath nach dem VFL Wolfsburg noch bezahlen. Meine, könnte er eigentlich nicht. Aber…der Verein, wer oder was das dann immer ist, er würde es wohl tun…

Andreas Bach

…hier das schöne das Tor zum Erfolg: http://www.youtube.com/watch?v=EmR8Tf89fY4

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