Rolf "Rollo" Fuhrmann. Quelle: Sky

Rolf „Rollo“ Fuhrmann. Quelle: Sky

Der Beruf „Fußballreporter“ scheint heutzutage zu einem sehr beliebten Berufsbild zu werden. Viele stellen sich dabei Quasi das Hobby als Beruf vor. Ständig live vor Ort bei den Spielen und hautnah bei den Profis. In unserem Blog haben wir uns dazu etwas Besonderes überlegt. Dieses Mal wollen wir euch nicht mit unserer eigenen Fachsimpelei fordern, sondern haben uns kurzum dazu entschlossen, ein Interview mit keinem geringeren als Sky-Legende Rolf „Rollo“ Fuhrmann zu führen. Rolf Fuhrmann ist aktuell als Reporter bei dem Bezahlsender beschäftigt. Man sieht ihn an nahezu jedem Spieltag am Spielfeldrand, womit der Hamburger Sportjournalist fast schon zum Inventar des Senders gehört. Geboren im Jahre 1949, landete er erst über Umwege beim Fernsehen, und es scheint nicht seine schlechteste Karriere-Wahl gewesen zu sein. Wer hätte uns also sonst eine bessere Auskunft geben können?!?

Giuseppe Cotrufo von Hauptsache Fussball erzählt er von seiner schwachen Blase vor seinem ersten Interview, er erklärt warum das Zuhören so wichtig ist und hofft noch einige Jahre am Ball bleiben zu können. Aber lest selbst:

Hauptsache Fussball: Schönen guten Tag Herr Fuhrmann, schön, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben – und wir wollen auch gleich zur Sache kommen. Viele Freunde des Fußballs verbinden zwangsläufig zwei Sachen miteinander: Fußball und die Reporter-Legende „Rollo“ Fuhrmann. Wie sind Sie eigentlich zu diesem Beruf gekommen?

Rolf Fuhrmann: Ich bin eigentlich Lehrer der Sekundarstufe 1, Deutsch und Geographie. Ich habe mich nach diversen Jobs – Taxifahren, ABM-Tätigkeiten an Schulen und Radiomoderation bei Radio 107 – in Hamburg bei Premiere beworben, als der Sender ein halbes Jahr alt war (1991). Seit 1992 bin ich dabei.

HF: Vorbilder sind in dieser Branche nicht unüblich. Hatten Sie auch ein Vorbild oder eine Art Mentor?

RF: Vorbilder direkt nicht. Den Job gab es ja vorher gar nicht. Aber ich habe viel von Ernst Huberty und Harry Valerien gelernt.

HF: Da hatten sie bekannte und erfolgreiche Vorreiter. Viele erachten Ihren Beruf als absoluten Traumberuf. Ist es wirklich ein Traumberuf? Und was würden Sie den Leuten mit auf den Weg geben, die ebenfalls als Reporter Fuß fassen wollen?

RF: Es ist definitiv ein Traumjob. Sprache und Ansprache sind wichtig, ebenso Zuhören lernen und Mut haben.

HF: Ganz allgemein scheint der Sportjournalismus ein immer beliebterer Bildungszweig zu werden. Ist es bei der Masse gut ausgebildeter Journalisten überhaupt realistisch, irgendwann mal als Reporter tätig zu sein? Oder sollte man sich sofort in mehrere Richtungen orientieren?

RF: Man sollte immer nach Alternativen sehen. Aber alles was man machen will, sollte man zu 100% machen wollen und dahinter stehen. Man muss es vor allem ernsthaft wollen und Gelegenheiten auch nutzen.

HF: Sie haben Ihre anscheinend sehr gut genutzt. Gibt es denn bestimmte Charakteristika, die diesen Werdegang fördern würden? Zum Beispiel eine markante Stimme? Ihre geht dem Zuhörer ja runter wie Butter und ist wohl eine Stimme, die man unter Tausenden wiedererkennen würde.

RF: Die Stimme ist sehr wichtig, aber auch authentisch zu sein. Sei wie du bist und verstell dich nicht. Es würde jeder sofort merken. Und sei mutig.

HF: Kommen wir mal zu einigen persönlichen Erlebnissen von Ihnen. Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihr erstes Interview? Wissen Sie noch wer das war und waren Sie nervös?

RF: Klar. Bei Premiere am 14.3.1992 in der Halbzeitpause beim Spiel BVB gegen Bochum mit Ottmar Hitzfeld. Ich hatte es erst drei Stunden vorher erfahren und war glaube ich sieben Mal vorher auf Toilette.

HF: Da wären viele andere wohl auch sehr aufgeregt gewesen. Mittlerweile sind unzählige Interviews dazu gekommen. Besteht da irgendwann die Gefahr, in ein gewohntes Muster zu verfallen und einen routineartigen Fragenkatalog abzuarbeiten. Wie beugen Sie dem vor, um auch heute noch frisch und innovativ zu bleiben?

RF: Keine Sorge. Es ist immer wieder neu und du weißt nie, was kommt. Etwas Routine ja, aber auch gewisse Anspannung habe ich immer.

HF: Was ist mit Tabus? Gibt es welche?

RF: „Wie fühlen Sie Sich?“ Das habe ich nie gefragt. Offene Fragen stellen und keine eigenen Statements, wenn sie nicht direkt gefordert werden und ZUHÖREN!!!

HF: Okay, Zuhören scheint also wirklich sehr wichtig zu sein. Für den neutralen Zuschauer scheinen die Gesprächspartner heutzutage immer glattgebügelter zu sein. Haben Sie in all den Jahren ein verändertes Interviewverhalten bemerken können?

RF: Insgesamt sind die Spieler und Offiziellen eloquenter und medienerfahrener geworden.

HF: Das wäre auch unsere Einschätzung gewesen. Fußball ist oftmals auch ein sehr emotionaler Sport. Was war eigentlich Ihr emotionalstes und aufregendstes Erlebnis, dass Sie jemals hautnah miterleben durften?

RF: Viele Momente. Z.B. als Stuttgart 1992 völlig überraschend doch Meister in Leverkusen wurde, oder als Bayern nur deshalb Meister wurde, weil Leverkusen in Unterhaching sensationell verlor oder etwa die Dramen um Abstiege wie Nürnberg/Frankfurt oder Nichtaufstiege wie bei Mainz 05 und natürlich, als Schalke für 4 Minuten Meister war und ich in gewisser Weise als Reporter der Schmerzen am Meister der Herzen beteiligt war.

HF: Reporter der Schmerzen… das trifft es wahrlich am Besten. Gab es auch schon richtig peinliche Momente?

RF: Nein, peinlich nie.

HF: Hätten wir auch nicht erwartet. Über all die Jahre, puhlt man als Reporter oftmals in frischen Wunder herum. Gab es dadurch schon unangenehme Situationen?

RF: Nein, ich versuche es immer auf die etwas sachliche und charmante Art, hoffe ich.

HF: Und hatten Sie denn so etwas wie einen Lieblings-Interviewpartner? Und viel interessanter: Gab es jemanden, den Sie lieber gemieden hätten?

RF: Auch das nicht, ich finde alle Interviewpartner auf ihre Art reizvoll und interessant. Man sollte nur wissen, wer vor einem steht.

HF: Was einige Kollegen vielleicht wörtlich nehmen sollten! Reporter oder auch Moderatoren und Kommentatoren stehen häufiger mal in der Kritik. Wie geht man damit um?

RF: Wir bekommen jede Woche direkte Kritik, positiv und auch negativ. Damit muss man leben. Man muss lernfähig bleiben. Habe ich glaube ich inzwischen gelernt.

HF: Könnte Sie heute bei all Ihrer Erfahrung eigentlich noch irgendetwas überraschen?

RF: Es gibt immer wieder neue Dinge und nichts, was es nicht gibt. Das ist ja gerade das Interessante an dem Job. Und außerdem liebe ich Überraschungen.

HF: Wie ist eigentlich das Verhältnis zu den Kollegen der Konkurrenz? Ist ein Wettkampf spürbar oder verhält sich alles eher kollegial?

RF: Es gibt eine rein berufliche Konkurrenz, aber fast alle halten es sportlich und sind fair. Verstehe mich mit nahezu allen sehr gut.

HF: Na das klingt doch sehr harmonisch. Als Zuschauer sieht man Sie meist am Wochenende im TV. Da stellt sich vielen die Frage: Was tut der Herr Fuhrmann eigentlich unter der Woche? Hat er unter der Woche frei und kümmert sich um Kaffe und Zeitung, bereitet er sich intensiv auf ein Wochenende vor oder was genau tut er da?

RF: Alles das, was fast jeder macht. Natürlich Kaffee und Kuchen, Zeitungen und Online. Du musst nicht alles wissen zu jeder Zeit, aber wenn du auf Sendung bist, wird von Dir erwartet, dass du über das Spiel und die Teams alles weißt.

HF: Also auf Knopfdruck bereit sein. Würden Sie rückblickend eigentlich etwas anders machen?

RF: Ich fand alles klasse und bereue nichts. Aber in einem zweiten Leben würde ich natürlich was anderes machen. Das, was ich tat, kenn ich ja schon. Und ich bin ziemlich neugierig.

HF: Werden Sie auch Ihren letzten Tag des aktiven Arbeiterlebens als Reporter verbringen oder haben Sie für die Zukunft noch weitere Ziele?

RF: Oh, das weiß ich nicht. Wenn ich fit bleibe will ich keine Rosen züchten. Mal sehen wie lange ich kann, Sky und die Abonnenten wollen.

HF: Machen wir zum Schluss noch einen kleinen Exkurs zu einigen anderen Fragen, die Sie uns ganz knapp beantworten können: Ihr Lieblingsverein?

RF: Bin seit 22 Jahren Mitglied beim FC St. Pauli und beim VfB Stuttgart

HF: Ihr Lieblings-Spieler?

RF: Michael Laudrup

HF: Wird Pep Guardiola ein guter Trainer für die Bayern sein?

RF: Er ist klasse. Ob bei den Bayern weiß ich nicht.

HF: Wer gewinnt in diesem Jahr die Champions League?

RF: Hoffe auf Bayern oder Dortmund.

HF: Super, wir bedanken uns für das Interview und freuen uns auf viele weitere tolle Fußballmomente, in denen Sie den Spielern, Trainern und Verantwortlichen weiterhin ordentlich auf den Zahn fühlen werden.

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