Bayern und Dortmund verhalten sich zueinander wie großer und kleiner Bruder. Oder wie große und kleine Schwester. Oder wie Laurel und Hardy? Sonne und Mond? Deutschland und Frankreich? Real und Barca? Zickenkrieg und/oder Rauferei? Wie Du und ich? Ach, geh´ raus und spiel Fußball. Und wer oder was ist überhaupt Basti?

00. „Ein Basti ist eine Ansammlung von einfachen Betonhäusern“ (Spiegel Nr. 27, Seite 48). Haben wir das jetzt auch geklärt.

1. Bayern und der BVB erklären der/die Welt: Die schwarze Null muss stehen.

2. Vereine wie der Hamburger SV, der 1.FC Köln, hier müssen wir leider auch Schalke erwähnen, vor allem aber auch Duisburg, Aachen, viele andere, Wuppertal, Offenbach, wollen diesen fieberfreien Gesundheitszustand rund um´s hauseigene Konto zwar vielleicht tendenziell auch erreichen. Aber sie scheitern, sehr oft, dann doch immer wieder an all den Geistern, die sie einst gerufen haben und die sie einfach nicht mehr loswerden. Vielleicht, weil das so einfach – ohne Disziplin – nicht geht?

3. Viele dieser Clubs haben zu große Ansprüche. Und vielleicht gleichzeitig zu viele Führungspersönlichkeiten, Manager, Vorstände, zu viele Menschen, die..äh…hm…

4. Viele dieser Clubs haben zu hohe und zu ungünstige Bankenkredite. Zu viel Fremdkapital. Zu viele ungetilgte Altschulden. Zu hohe, immer noch weiter ansteigende Zinszahlungen. Betreiben keinen echten Abbau der Schulden. Egal, was in den „Büchern“ so steht. Haben dazu zu große und oder im Bau und oder in der Miete bzw. im Unterhalt zu teure Stadien. Und zahlen weit überhöhte Gehälter. Sind „gefangen“ in dummen Verträgen, ungünstigen Deals. Verwalten einen schlecht gelaunten, weil zu großen, zu inkompetent, zu schlampig oder zu kurzsichtig zusammengestellten Kader. Verheddern sich dazu in unübersichtlich verschachtelten Gesellschafter-Strukturen. Machen immer noch eine schlechte oder mittelmäßige Nachwuchsarbeit, kein ernstzunehmendes Scouting usw….

5. Die üblichen Verdächtigen bleiben uns erhalten als übliche Verdächtige im großen Theater Bundesliga (II, II, IV, V..), „handeln“ weiter und immer weiter wie die üblichen Verdächtigen, gehen irgendwann dann halt mal unter wie die üblichen Verdächtigen. Beispiel Hamburger Sportverein. Meine Prognose Saison 2013/14: Platz 13 – 16.

6. Oder Beispiel 1.FC Köln. Dieser K-Verein schaufelt sich gerade wieder mal ein neues seiner vielen, vielen staubigen Zweitligagräber, und das auch noch mit Begeisterung. Wie blind muss man eigentlich sein? Und wie traurig ist das denn? Es ist so über die Maßen unerträglich, dass es mir auch als seit fast 20 Jahren begeistertem Wahlkölner inzwischen herzlich egal ist. Vertrag mit Schmadtke bis 2017. Vertrag mit Stöger bis..2016? 2015? Was sagt die Erfahrung, was die Historie? Keiner der heutigen Player wird in drei, vier Jahren noch in maßgeblicher Funktion im Verein tätig sein. Lassen Sie uns in Ruhe einen Blick auf die Geschichte der kölschen „handelnden Figuren“ werfen. Und siehe:  Alleine nur die vielen Trainerfiguren der letzten 50 Jahre, es sind ganzzahlig fast doppelt so viele wie z.B. diejenigen des FC Bayern!  Meine Prognose Saison 2013/14: Platz 5 – 11.

6a. (Blick beinahe zurück im Zorn): Seit Gründung der Bundesliga, also seit der Saison 1963/64,  hat der 1. FC Köln, immerhin der erste Meister dieser bunten Liga,  ganze 44 Trainer beschäftigt. Zum Vergleich: Der FC Bayern dagegen nur 24, ja sogar nur 23, zählt man die Übungsleiter des FCB erst ab der Aufstiegssaison 1965/66 (Quelle: Wikipedia). Vergleicht mal fortführend bitte jemand bei beiden Vereinen die Präsidiumsmitglieder sowie die Managementstrukturen und die Lizenzspielerkader der letzten zehn, 20, 30 Jahre auf Nachhaltigkeit, Kontinuität und so weiter? Danke. Auch ein bisschen mehr demokratische Strukturen und vor allem Transparenz täte hier gut. Hallo, HSV…

Überall im Dickicht „FC“ wuchern sichtbar und unsichtbar recht dicke Zwei-/Dreijahres + x – Verträge, die, wie die Erfahrung zeigt, fast alle für teuer Geld vorzeitig gekündigt werden müssen. So wird der Verein noch mehr Kohle  verbrennen. Doch die klammen Herzen der Fans wird er mit dieser unendlich betriebenen Dauerverheizungsaktion nicht mehr lange wirklich wärmen können. Der FC ist so zwar ein äußerst ertragreicher Zins-Esel, ein Super-Segen für alle dranhängenden Banken. Aber auch ein, unausgesprochener, Horror für die Spieler, ein höllisches Ende ohne Schrecken für die Fans. Nur dass die das noch nicht wissen, weil es in Köln ja so schön ist (hohe Lebensqualität und so weiter). Und Männer wie Toni  Schumacher oder Stefan Engels wissen das. Die arbeiten teilweise schon superlange in diesem ihrem Verein. Kennen die desolate Finanzlage des Clubs.

So langweilig, so vorhersehbar, aber leider, leider nicht strafbar: Wieder mal wird vom Verein ein Wunderheilermanager präsentiert, der ganz absehbar nur scheitern kann.  Vor allem an der Seite von einem bundesligafremden Rookie wie Stöger. Schmadtke und Stöger? Scheitern. An hohen Ansprüchen und nix auf der hohen Kante. Dat passt nicht zusammen, Freunde.

Es wird ihnen ergehen wie Stani. Wie Finke. Wie Solbakken (kennt den noch einer?) Wie Daum. Koller. Stevens. Schäfer. Schuster. Lienen. Neururer. Rapolder. Wie so vielen zuvor. Aber es ist ja noch immer gut gegangen. Abfuck, FC! Nein, es sind nicht die anderen schuld. Nein, es ist kein Pech. Ja, es muss am Verein liegen. Eine unübersichtliche Funktionärsgrube, ein überfülltes Trainergrab, ein unendliches Spielerkarussel. Orientiert euch um, Fans. Lasst das Ding hochgehen. Macht es wie rheinabwärts dereinst die Düsseldorfer. Ab in die 5. Liga, sanieren, und gut is. Unterstützt einstweilen die Fortuna. Amüsiert euch zur Abwechslung mal.

7. So ist der moderne kapitalistische Fußball eine perfekt hässlich-faszinierende Komplettabbildung einer brutalstmöglichen turbokapitalistischen Welt, ja, wohl eher das angelsächsische Marktmodell. Damit es auch so richtig abgeht. Ja, die Stärksten setzen sich durch. Ja, die besonders Depperten wie (hier bitte den eigenen Verein einsetzen) sinken – von den Fans fast unbemerkt – ganz langsam immer weiter ab.

Die Stärksten, Besten, Schlauesten aber, sie funktionieren im fetten System Erste Liga/CL/EL bestens Seite an Seite mit den Zweit-, Dritt-, Viertstärksten, knapp oder weniger knapp dahinter. Und jedes Jahr richtet sich „das System“ immer und immer wieder, strukturell unkaputtbar, in Nuancen immer wieder neu, geradezu gnadenlos megavital überlebensfähig aus. Ohne das stählende Dauerexerzitium einer permanent geschwungene Peitsche superharter Konkurrenzsituation würde das System nicht variabel und stabil bleiben, sprich nicht wenigstens in Nuancen unvorhersehbar und spannend bleiben und also halbwegs unterhaltsam funktionieren. Und alle fragen sich: Wird Schalke mal wieder Zweiter? Rettet der Traditionsverein BVB dankenswerterweise, so wie sich alle das so inbrünstig wünschen, wieder mal Hoppenheim – oder diesmal vielleicht Hamburg oder Wolfsburg (unwahrscheinlich) – vor dem Abstieg? Es bleibt ganz schön spannend, oder? Leute, das ist wie im alten Rom: Brot und Spiele. Staub und Wasser. Und der teure Wein für die Reichen, auf den teuren Plätzen. Nur dass ihr in der Arena noch nicht mal mehr den Daumen senken dürft. Ihr habt noch weniger mitzureden als das Volk damals.

8. Bayern wird das Triple verteidigen.

9. Viele Sportbegeisterte kommen ja jetzt lustigerweise an und sagen, Pep Guardiolas „Medienpräsenz“ gehe ihnen jetzt schon tierisch auf die Nerven. Das wundert mich ein wenig, da Pep doch alle damals bei Barca vor einem Jahr grade erst ganz toll fanden.

klopp_02 KopieAber da hat der Pep die deutschen Proficlubs im so geschützten wie „…ganz engen Käfig Bundesliga“ (Calmund, Hauptsache Fussball) hierzulande ja auch noch mit Punktentzug und Dauersiegen bedroht. Vielen geht es ja mit Jürgen Klopp und dem BVB 09 inzwischen auch nicht viel anders. Diese ewige Medien-Präsenz im redaktionell betreuten Sport-Raum, dieses Dauergrinsen, diese Dauernummereins im Pott, diese Dauerweißzähne, dann ja auch noch die Dauerpräsenz in den immer länger andauernden Werbeblöcken, in denen wir doch bislang immer noch so halbwegs wenigstens unsere Ruhe hatten, immer dazu noch diese Profis und Ex-Profis in diesen Würstchen-, Chips-, Lufthansa-, Limonade-, Nutella-, Sportartikelhersteller- und Auto-Spots, oder jetzt auch noch zu allem Überfluss diese Haar-Werbung. Da kommt so einiges zusammen. Schön, oder?

10. So genannte „Traditionsvereine“ sind doch auch nur noch banale vor sich schuldenmachende Wirtschaftsunternehmen mit auf superenger Kante genähten Etats. Für mich jetzt schon eins  der Unworte des Jahres, dieses blöde „Traditionsvereine“.

11. Im nächsten Jahr ist Weltmeisterschaft. Offiziell nennt sich das dann „FIFA-WM“. Die armen Brasilianer? Noch keine Lust drauf?

Wartet mal ab. Die Ironie einer (noch) zukünftigen Geschichte: Mit dem Katalanen Pep Guardiola, dem deutschlandweit vereinnahmten Mainzer Feierbiest Jürgen Klopp aus dem Pott und dem randständig-bedächtigen Südschwarzwälder Jogi Löw arbeiten „für Deutschland“ mindestens drei hochqualifizierte, aber auch höchst unterschiedliche Trainer für uns Fans schon jetzt volle Kanne direkt und indirekt am Ziel „Weltmeisterschaft“.

Die Frage lautet dieses Mal also: Wie genau wird Jogis Exit-Strategie aus seinem „Amt“ aussehen, um endlich den ungeliebten Job des Bundestrainers möglichst unbemerkt und elegant los zu sein?

Anders gefragt: Welche Fehler macht der widerborstige Jogi wider besseres Wissen, um es auch dieses Mal für UNS wieder nicht ganz oben aufs Trepperl, auf Nummer Eins  zu schaffen, damit wir alle unseren so heißgeliebten deutsche Depro-Mecker-Grund zum Dauer-Schimpfen und Bestrafen – ER IST SCHULD! DU BIST SCHULD! – haben und Yogi endlich raus ist aus der Nummer, mit Abfindung natürlich, und seine Ruhe hat (ja das allerwichdigschde in Deutschland).

Die Antwort darauf ist uns allen im Unbewussten wohl schon bekannt, wir geben sie mal ganz affirmativ als Aufforderung, als nett gemeinten Tipp: Zusammen mit Pep und Jürgen kannst du es schaffen, Jogi.  Jedoch nur, wenn du auf die beiden und weiterführend vielleicht noch auf Lucien Favre, Armin Veh und oder Dieter Hecking hörst. Wirklich mal das gesamte Knowhow dieses Fußball-Landes mitnimmst, ganz im Ernst! Denn nie war die Chance höher, mit diesem aktuell in Deutschland beheimateten Trainerkollektiv tatsächlich das ganz große etwas zu reißen. Nie war die Gelegenheit besser, nie gab es mehr motivierte Top-Spieler mit überragender individueller Qualität, nie waren so viele von ihnen auf den Punkt 2014 kollektiv besser vorbereitet und ausgebildet…aber, Scheiße, Angst essen Seele des deutschen Fußballs auf…

…die anderen haben Neymar. (und Messi. Und …) Und spielen auch noch zuhause. Kommt, Jungs, hat doch eh keinen Zweck. Bleibt daheim. Macht´s euch gemütlich.

11a. Löw wird scheitern. Toll, diese meine eure deutsche Lust am Untergang, oder? Ist doch eh schöner, siehe Halbfinale gegen Italien 2006, hat sich doch toll gemacht im Film, in diesem „Sommermärchen“?

Scheitert also Löw, scheitert er an Neymars Brasilien (Chancen 30/70) oder an Spanien (50/50) oder an Italien (00/100 – kannst du drauf wetten – Angst: Die haben Balotelli! Und Pirlo! Und Chiellini Und Juve! Und Milan!). Oder an Messis Argentinien (55/45). Oder sogar an Hazards Belgien (60/40). Auch das ist durchaus drin, schaut euch mal DEREN Kader an.

Belgien also. Im Viertelfinale. In diesem Falle müsste Jogibär direkt gehen. Natürlich noch mitten in der Nacht nach dem Spiel, noch im Dunkeln, noch vor dem Morgengrauen. Bevor er im Duell fällt. Und wenn die DFB-Auswahl „erst“ im Halbfinale scheitert? Keine Ahnung, ob Bierhoff/Löw von der BILD dann im Sekundentakt rausgeflashmobbt werden. Ein Scheitern im Finale – keine Ahnung. Raus, sollen gehen, oder?

Europameister 2016 wird dann entweder doch Deutschland unter Sammer und/oder Hrubesch (dann auf jeden Fall, tolles Gespann, MS wird an der Seite von HH vom DFB von Bayern für dieses „Ziel“ ganz schlicht mal kurze sechs Monate ausgeliehen). Oder es macht wieder Italien – oder nochmal Spanien –  oder eben sogar Belgien mit Hazard und Co. Spekulationen sind lustig.

12. Der 12. Mann: Holzhäuser weg. Fällt kaum auf. Dennoch unsre Bitte: Bitte, bitte, bitte niemals so etwas wie Play-Offs! War unlängst wieder in der Diskussion. Wäre die Unidee überhaupt. Die funktionieren doch in keiner einzigen größeren europäischen Liga wirklich gut.

Zugabe (Nr. 13): Das beliebte Fragespiel nach der ersten Trainerentlassung der kommenden Saison. Frage an Euch: Zuerst Fink vom HSV oder zuerst Stöger vom FC?

Andreas Bach

Unsere Online Talksendung „Eng am Ball“ – Aktuelles Thema: Was ist los im Pott?

Advertisements