Während die Spieler ihr Gewicht mehr oder weniger stabil halten, nehmen Fans über die Laufzeit der WM zu. Messbar, kann ich für mich nur sagen. Liegt am Alk, am  unge- sunden, zu schnellen Essen, an unregelmäßigen Tages- und Nachtabläufen, ebenso generell am generellen Stress für Körper und Geist. Stars wie Karl-Heinz-Rummenigge haben in jungen Jahren vor wichtigen Finals noch a Schnapserl genommen, auch wegen der Nerven. Wir gucken mal: Was ist heute zeitgemäß, um sich „runterzufahren“?

Skistar Felix Neureuther beruhigt seine Nerven, indem er öffentlich auf Mezut Özil und dessen angeblich mangelndem Einsatzwillen und Laufbereitschaft eindrischt. Andere finden öffentlich andere ebenso nette, deutliche, aufmunternde Worte für Benedikt Höwedes, Mario Götze, Chancentod Schürrle oder nun ja schon nicht mehr für Schkodran Muschtafi, wenn sich an den noch jemand erinnert.

Ich beruhige meine Nerven, indem ich das Erreichen des HF als jetzt schon überaus großen Erfolg werte. Punkt. Ich bin ganz entspannt. Ich finde dieses Team wie gesagt ziemlich gut. Ich will zwar jetzt auch gerne mehr, wie jeder, sehe aber gewisse Limits im Kader und gewisse weitere Hemmnisse auf „uns“ zukommen.

Wie sieht es, ganz ruhig mit Abstand betrachtet, nun wirklich aus für die letzten vier verbliebenen Teams dieser Weltmeisterschaft?

Was die ruhige Betrachtung der Situation, die Sachlichkeit (1) allerseits an sich betrifft, aus verschiedensten auch bereits genannten Gründen gar nicht gut. Mir graut irgendwie schon alleine nur vor dem Besuch meines aktuellen Stamm-WM-Studios heute Abend. Was man sich, wenn auch mit Humor und „Verständnis“ für die emotionalen Stress-Tsunamis der Mitseher gewappnet bis über beide Ohren, da so alles anhören muss…und dazu auf dem Platz noch ansehen werden wird…

Doch wir machen unbeirrt weiter im Geiste der Sachlichkeit (2), hierzu meine subjektiv-sachlichen Einlassungen und situativen Bewertungen der gegenwärtigen Lage, jetzt vier + x Stunden vor Beginn des Spiels:

Teamgeist: Nun, alle verbliebenen Teams machen vom Teamgeist her einen guten bis sehr guten Eindruck. Sonst wären sie ja auch nicht so weit gekommen. Der Teamgeist wird dieser Tage also nicht unbedingt den Ausschlag geben. Er agiert überall bereits am Limit, würde ich sagen. Gleicht sich nahezu aus, inzwischen. égalisation (F). Sogar Messi hat sich egalisiert und integriert und läuft und spielt alles und überall, bis auf Torwart und Viererkette. Die Mitspieler freut´s. Götschüösides dagegen…aber lassen wir das. Ist unsachlich. Abzüge für mich. Ja.

Individuelle Klasse: Überall vorhanden, nur die Deutschen und die Brasilianer haben nicht (mehr) so unbedingt den alles überstrahlenden, entscheidenden Superstar, den sie für den zu machenden „Unterschied“ auf den Platz bringen können. Hulk, Müller, Luiz, Hummels, Schweini, Oscar, Willian, Götze… sind aber schon au super, kommt halt aufs Momentum an, jaa.

Die Supersuperstars Messi und Robben spielen im zweiten HF gegeneinander, wie man aber bereits sehen durfte, sind auch sie nicht unbedingt zu jeder Zeit oder zum dringlich gefragtem Zeitpunkt , todsichere Torgaranten, nicht mal im berühmten 1:1 gegen den jeweiligen Keeper….

Taktik:

Ich habe Angst. German Angst, natürlisch. Vor einer zu schrägen Aufstellung. Dem Pirlo-Effekt. Dass wir deshalb gleich am Anfang eins eingeschenkt kriegen. Weil sich keiner anfangs auf dem Platz auskennt, so richtig. Und die anderen nur voll wild herumrennen, Chaos machen und uns eins reinhauen. Ja, so einfach kann Fussball sein. Und dann wird es ganz schwer, mit einem Gegentor im Nacken. Sehr sehr schwer. Das kann ich belegen. Dazu später mehr. Aber erst zum

 

Keeper:

Deutschland vor Brasilien, Holland und Argentinien = +0,5, Argentinien -0,5.

 

Defensive inkl. defensivem Mittelfeld auf einer Notenskala von 1-6, fürs Halbfinale:

Deutschland       2-3

Brasilien               2

Niederlande       2-

Argentinien:       2

 

Kreatives Mittelfeld:

Deutschland     2

Brasilien             2

Niederlande     2 (weil Arjen Robben von 7 bis 11 alles spielt und auch gut nach hinten arbeitet)

Argentinien       2 – (weil Lionel Messi zwischen 7 und 11 ebenfalls alle Positionen spielt, nur nicht in und nur sporadisch als 6er kurz vor der hinteren Viererkette)

 

Offensives Mittelfeld, Sturm inkl. Chancenverwertung, auch bei Standards:

Deutschland:       2-3 (Abzüge wegen Chancenverwertung)

Brasilien:             2- (kreatives Chaos als Überfalltaktik ist gegen Europäer, namentlich Deut sche, immer gut)

Niederlande        2-3 (Robbens All-Time-WM-Hoch wird von v. Persies aktuellem K.O.-Runden-Tief  neutralisiert)

Argentinien         2-3 (inkl. Messi, der zwischen Position 7 und 11 zwar alles spielt, aber halt nicht überall gleichzeitig sein kann; der Rest? DK nimmt GH aus dem Spiel..)

 

Schiedsrichter:

Brasilien                1

Deutschland        2

Niederlande        2

Argentinien         2

 

__

 

In l ´addition ergeben sich für Brasilien minimale Vorteile, verstärkt noch durch den Heimvorteil und die Auswahl des Schiedsrichters, diesmal verpfeift´s ja der evangelikale Kartenkünstler aus Mexiko, der mit dem Platzverweis gegen die Italiener im Uruguay-Spiel. Die Argentinier sehe ich defensiv gegenüber Hollands Verteidigung minimal im Vorteil. Wenn Robben und Co. ihre „Abschlüsse“ allerdings aufs Tor bringen und nicht nur aufs oder neben das Gestänge, wird sich endlich mal zeigen müssen, was der Keeper der Gauchos wirklich draufhat. Bislang konnte die disziplinierte und einsatzfreudige argentinische defense die Defizite des Torwartes ja sehr gut egalisieren.

 

Unwort(e) der Woche: „Abschluss“, „zum Abschluss kommen“.

 

Sachlichkeit (3). Wie wir in zahlreichen Partien gesehen haben, ist es nicht Väterchen Frost oder Stiefbrüderchen Hitzetod, oder das smart Cousinchen Taktik oder Nudelfreundin und Big Mama Einsatzfreude, die den Unterschied in einer Partie machen, sondern leider nur allzu oft auch der altbekannte, nahezu unauslöschliche, nahezu unsterbliche, sich gemeinerweise oft sehr lange im Verborgenen haltende, ergo nahezu, nein, tatsächlich zur Gänze unkalkulierbare Erbonkel des Schicksals, nämlich der alte Kollege…

Zufall. Im englischen ja auch Unfall genannt.

Nämlich accident. Im franzöischen: accident. Im spanischen: acaso. Im portugiesischen/brasilianischen: acaso.

Das entscheidende Tor der Argentinier gegen Belgien: Einerseits als planvoll konternd /umschaltend herausgespielt nachvollziehbar, verursacht durch Kompanys Ballverlust. Andererseits ebenso planlos verursacht durch den abgefälschten Pass auf Gonzo Higuain, der unabgefälscht nie angekommen wäre.

Der Freistoß von David Luiz gegen Kolumbien: haltbar. Wurde zufällig nicht gehalten. Cesar, Neuer, Weidenfeller , die Holländer, sogar der Gaucho, die halten dir das Ding.

Die beiden verschossenen Chancen von Schürrle gegen Frankreich dagegen: so genannte „100%ige“. Also eigentlich Tore. Jeder andere macht den rein.

Außer Götze.

Oder Müller…

Hm…

Elfmeterschießen: Van Gaals Taktik hin oder her: Zufall. Glaube. Lotterie. Herzflattern. Nichts für schwache Nerven. Diese Van Gaal-Nummer ist auch, dadurch, dass sie nun tatsächlich mal gelang, absolut unwiederholbar. Zumindest in diesem Turnier.

Wobei: Den Glauben an sich – und die Praxis des Elfmeterverwandelns, um technisch Sicherheit zu bekommen – das kann man beides trainieren bis ins unermessliche, wie man weiß.

 

Was werden das also für Spiele?

 

Die „SZ“ meint heute auf Seite Drei, in Person des von mir über die normalen Maßen beinahe schon über diese Welt hinausgeschätzen Holger Gertz, es würde vor allem sehr hart. Na, schau mer mal. Wer will schon im Finale fehlen? Gesperrt oder Verletzt? Gehst du überhart mit bösen Absichten in den Zweikampf, kannst du dir auch selbst ganz schön weh tun. Alte Fußballweisheit. Und: Nach dem feigen Neymar-Anschlag werden die Schiedsrichter im wahrsten Sinne des Wortes in kniffligen Situationen Farbe bekennen, ob sie wollen oder nicht.

Ein David Luiz muss aufpassen, auch ein Hulk. Ein Luiz Gustavo. Ein Schweinsteiger. Besonders auch ein staksiger Khedira. Ein Lahm sowieso. Eoin Boateng…hör mir auf.

German Angst.

Höwedes.

Ohne weitere Worte.

Ich meine, es wird alles in einem ganz bestimmten Sinne nochmals taktischer. Die Strategen werden auf ein frühes erstes Tor setzen. Fällt dies nicht, zieht man sich, nach ca. 10, 15 Minuten, wieder zurück, um abzusichern und seinerseits keinen Treffer zu kassieren. Es könnte langweilig werden ab Minute 15 beim Stande von 0-0-. Warum?

(Fällt das Tor jedoch in den ersten 15, 20 Minuten, wird die führende Mannschaft naturgemäß defensiver agieren und auf Konter lauern. Dann bekommen wir Mischformen aus GERFRA oder MEXNED oder NEDCOS oder ARGBEL undoder BRACHI)

Alle Teams, gerade, nach den Erfahrungen dieser WM, wissen, statistisch betrachtet: wer das erste Tor schießt, der setzt sich am Ende wahrscheinlich auch durch. Anmerkung: Wer im Elferschießen beginnt und zuerst trifft bzw. führt, hat ebenfalls leichte Vorteile.

In allen 48 Gruppenspielen dieser WM wurden gerade mal vier Partien nach Rückstand gedreht. In allen bislang gespielten 60 Partien gerade mal fünf Spiele.

Im Achtelfinale (acht Partien) drehten lediglich die Niederlande einen Rückstand gegen Mexico, kurz vor Ende der Partie mit zwei Treffern innerhalb von etwa fünf Minuten, nach langem 0-1 Rückstand. Das spricht für die äußerst stabile Psyche der Holländer, sogar in extremer Not bis zum Ende planvoll zu agieren (Huntelaars planvoller Kopfball nach hinten gelegt auf den am Strfaraum lauernden Sneijder). Dies und auch die kalte Nervenstärke der Holländer im shoot out könnte ein entscheidender Vorteil gegen am Ende eines Spieles mitunter hektische Argentinier sein (siehe Schlussminuten gegen die Schweiz, bzw. Messis vergebener finale Konterchance gegen Belgien).

Im Viertelfinale gewann dann schon immer das führende Team, oder eben dasjenige, das wie die Niederlande gegen Costa Rica, drückend überlegen war. Dass hier kein Treffer aus dem Spiel heraus entstand, war nicht nur meines Erachtens das berühmte Pech. Oder der berühmte Zufall (siehe auch oben). Dem Van Gaal dann am Ende mit genialer Absicht final das unberechenbare Handwerk legte. 🙂 Aber, dies war eine einzigartige Maßnahme, und deswegen dürfte diese im Wiederholungsfalle kaum nochmals zum Erfolg führen.

Nein, nein: Es kommen zwei völlig neue Spiele, ganz neues Glück, ganz neue Fehler, ganz neues Unglück. Insofern muss auch Manuel Neuer aufpassen und sich nicht ausruhen auf seinen Fähigkeiten. Zu vieles an MN erinnert an einen eigentlich unbesiegbaren Siegfried, und Scolari oder Van Gaal traue ich es immer zu, entscheidende Schwächen im deutschen Spiel zu finden, an ganz unterschiedlichen Stellen.

Bitte, also nichts tragisches. Wie in der Liga. Kein Neuer-Pass auf einen Marco Reus, und Tor. Kein Umrennen von Neuer durch Hummels nach Ecke am Fünfer oder umgekehrt und Gegentor. Keine zu kurze Abwehr, und Tor. Kein weiteres Chelsea. Kein Real Madrid. Standards. Bauchschmerzen. Kein falscher Abwurf auf Oscar, Willian und zack, zack, Tor. Noch mehr Bauchschmerzen.

Die Frage lautet also, weiter, mal ganz frei von Bauchgrimmen: Wie erzielt man ein frühes Tor, gegen Brasilien, wenn beide Teams taktisch versiert und gut formiert agieren, gerade in den ersten Minuten?

Antwort:, leider: Durch einen Standard. Eine Ecke zum Beispiel. Aber auch einen Freistoß aus 30 Meter Entfernung, in den Strafraum geschlagen. Vor allem aber durch eine Ecke. Oder, mal ganz was neues, durch einen erfolgreich abgeschlossenen deutschen Konter.

Aber: Habt ihr so etwas bei dieser WM von „uns“ schon mal gesehen? So á la Südafrika 2010?

Wie werden die Spieler also agieren? Wer nimmt wen wie aus dem Spiel? Wer spielt den tödlichen (Fehl-)Pass? Und wird gegen Räume, gegen den Ball oder gegen Spieler verteidigt?

Meine Taktik für Brasilien gegen Deutschland: viel kreatives Chaos, viel eins gegen eins versuchen. Gerade Hulk (siehe unten) würde ich in diese Situationen immer und immer wieder schicken. Gerne gegen Höwedes, über dessen Seite. Hulk ist Linksfuß, kommt über Mitte oder rechts, kann direkt abziehen, analog zu Robbens Spiel. So vermeidet Hulk auch Boateng, der eher halbrechts spielt und ihm körperlich und spielerisch halbwegs gewachsen wäre. Und wird er geblockt, kann es schnell Freistoß geben für BRA.

Aufstellung: Ich spiele mit (Alternativen in Klammern): Neuer – Lahm – Boateng (Mertesacker) – Hummels – Höwedes (Großkreutz) – Schweinsteiger – Khedira (Kramer) – Kroos – Müller – Götze (Klose) – Schürrle (Özil).

Viele Alternativen haben „wir“ ja nicht wirklich.

Aber Brasilien. Es wird, muss anders spielen, ohne Neymar, Thiago Silva. Diese Spieler fehlen extrem. Was bedeutet: Wir werden ein neues brasilianisches Spiel sehen, eins, wie wir es noch nicht gesehen haben bei dieser WM. Das heißt, der Bundestrainer muss seiner Mannschaft vorab dringend anraten, auf dem Platz besonders zu Anfang auf die netten blaugelben neuen Spielarten flexibel zu reagieren. Und dabei kühl zu bleiben und sich auf ungewohnte, aktuell schwer berechenbare Spielentwicklungen einstellen.

Brasilien andererseits kann sich Deutschland ganz gut ausrechnen. Und ist extrem motiviert, es doch zu schaffen.

Hm..

Das wird eine heisse Nummer. Holger Gertz hat schon recht. Allerdings muss die Hitze nicht unbedingt von besonderen Härten kommen.

Wenn ich in der glücklichen Lage wäre und nicht Andreas, sondern eben luckily Felipe hieße, würde ich gerade zu Anfang stark pressen, was nur geht, mit dem Publikum im Rücken, so die Deutschen zu blöden Fouls zwingen, so Standards und Karten provozieren (via Schiedsrichter!), die Deutschen extrem verunsichern, gegen Hummels, Höwedes und direkt köroerlich gegen Neuer spielen, was das Zeug hält. Ja, ich würde Hulk tatsächlich voll aggressiv in vorderster Linie bringen, dahinter die restlichen Mittelfeldkräfte in einer Dreiher- oder Vierrerreihe pressen lassen, und so gegen die wegen Höwedes und Khedira (nicht die ballsichersten Spieler, leider) nicht 100prozentig pressingresistente deutsche Defensive viele frühe Chancen und Standards und so eben ein frühes Tor kreieren. Ein aggressives, fluides 4-1-4-1 gegen Deutschland, mit frühem Tor, why not?

Verteidigt BRA das Führungstor eben wie gegen Kolumbien, wieso nicht? Egal was noch kommt, es wird schon reichen (statistisch betrachtet, auf alle Fälle).

Wenn ich jedoch Löw wäre, würde ich die neuformierte, so unter Druck noch nicht eingespielte Brasilianische Defense mit langen vertikalen und diagonalen Bällen auf, beide halb außen, Müller und Schürrle auseinanderziehen und so destabilisieren. Das Zentrum Brasiliens ist stark. Die Seiten aber auch. Man muss schnell nach vorne und dort in die Zwischenräume kommen, aber dabei Kraft sparen. Ja, Götze und Kroos, der eine vor und neben dem anderen vorne in der Mitte, sie machen , o Überraschung, im kreativen Flachpasszirkus mit den wirbelnden Laufwundern Müller und Schürrle, die Tore. Wenn sie denn kühl blieben und auch einnetzten.

Das ist wiederum Nervensache. Glaubenssache. Deutschland gilt ja eigentlich als kühlstes der vier Halbfinalteams. An dieser Einschätzung habe ich allerdings meine Zweifel. Kühl sind „wir“ vor allem bei eigenem Ballbesitz. Aber wenn „wir“ beinhart gepresst werden, muss man mal gucken. Da kam gegen Brasilien in Hälfte eins auch das beinharte, ballsichere Kolumbien ins Schwimmen. Ja, auch hier ein frühes Tor, es verlieh BRA erst mal Flügel, jaja.

Eine generelle Kühle, in dieser hitzige Halbfinalgemengelage, hätte allgemein große Vorteile, gerade mit einer kontrolliert und bis zum äußersten diszipliniert und sehr kompakt agierenden Defensive, die Hulk und Co. eng einspinnt, einwebt und so die vertikale Kombi-Lauf-Luft zum Atmen nimmt. Aber Brasilien wird die vorgebliche Kühle Deutschlands mit verschiedensten Mitteln zu unterlaufen und auszuhebeln versuchen, gerade durch kontrolliert kreatives Chaos, das kann Brasilien eben auch super, so gut wie kein anderes Team der restlichen vier. Es wird alles versuchen. Leider. Hoffentlich agieren wir smart und nicht zu brav, wach und nicht zu stereotyp, hart, aber nicht zu foul – und entschlossen nach vorne.

Es wird Räume geben. Es wird Chancen geben.

So, da wären wir wieder, bei der ominösen Chancenverwertung. Gerade Kroos, Götze und Schürrle, gerade auch Müller, sind da leider noch verbesserungswürdig, wie wir sehen mussten. „Unsere“ Offensivsten müssten aber ebenso kühl wie weiland Rahn, Seeler, Hoeneß, Müller, Hrubesch, Völler, Klinsi (AF gegen Holland 1990, K. war, wenn es drauf ankam, der Hammer), Bierhoff (EM-Finale 1996) und Co. sein, dann gäbe es kaum Bedenken. Aber „wir“ lassen zu viele Chancen aus, insbesondere im Konterspiel, und genau das kann gegen Brasilien – gegen jeden Gegner eigentlich, ab diesem Niveau (Messi/Robben) – (halb-) final tödlich sein.

Ich denke, Scolari wird, gezwungen durch Neymars Ausfall, Hulk deutlich zentraler und vertikaler ausrichten (vgl. ggf. CL-Achtelfinale BVB-Zenit Rückspiel in Dortmund, da hat Hulk schon in der 16. Minute kurz entschlossen ein Tor aus der Distanz gemacht) ganz klar in möglichst viele 1:1 – Situation schicken, um die deutsche Defense zu Fouls, zumindest in die Unordnung zu zwingen oder/und Neuer ins – so oder so – gefährliche 1:1 gegen Hulk zu bringen. Ja, Hulk als Linksfuß über halbrechts invers gegen Höwedes (um den körperlich starken Boateng von ihm weg zu halten) um dann direkt abzuziehen oder direkt auf den Torwart zuzusteuern, das würde mit Sicherheit mittleres Chaos auslösen im deutschen Defensivverbund…das würde schwer für Deutschland.

Was bedeutet: In der Defensive, inklusive defensivem Mittelfeld, ist höchste Aufmerksamkeit und Flexibilität und Achtsamkeit gefragt, um Brasiliens des öfteren wohl brachial agierende Offensive so rasch wie möglich zu lesen, zu entzaubern etc.

Deutschland: Götze, spielstark in der Mitte zwischen den schnellen Müller und Schürrle als flexible halbe/falsche, nicht ganz echte zwischen den Linien agierende Winger – dazu beide als Defensivhilfe gegen Hulk und andere. Schürrle wäre alleine schon deswegen die bessere Wahl als Özil, der ist defensiv einfach nicht so stark wie Schürrle und ob seine Stärken endlich mal durchschlagend zur Geltung kämen, die Wahrscheinlichkeit spricht leider dagegen, leider. Aber leider stellt der Bundestrainer Özil ja immer auf, der hat Einsatzgarantie, ob er in Form ist bzw. tatsächlich ins Konzept passt oder nicht. Also…

Also Götze wäre für mich eine Option in der zentralen Offensive. Oder eben zuerst Klose zentral, wenn das nicht funktioniert, hat der Trainer z.B. mit Götze (aber dann zentral, nicht am Flügel) oder Draxler linksaußen/zentral eben immer noch einige Alternativen. Müller und Schürrle könnten, jeder für sich, abwechselnd, auch körperlich und läuferisch gut nach hinten gegen z.B. David Luiz und oder Dante absichern.

Noch paar Worte zu Argentinien – Holland. Messi und Co. spielen ebenfalls recht diszipliniert und haben vorne tödlichere Qualität als Deutschland. Holland ist nach hinten nicht so wahnsinnig stabil, aber im Spiel nach vorne und gerade hängend und direkt in der Spitze sehr stark, im Abschluss allerdings manchmal auch etwas tollpatschig (van Persie muss sich besser integrieren als z.B. im VF gegen Costa Rica) oder unglücklich, je nach Sichtweise. Dieses zweite HF halte ich für fast völlig offen, mit vielleicht minimalen Vorteilen für Holland.

Dies alles deutet auch auf ein oder zwei Elfmeterschießen hin, wobei diesmal wohl GERBRA in die Verlängerung gehen wird, und da sehe ich Brasilien wegen Publikum und Kraft etc. leicht im Vorteil. Wenn es jedoch zum shoot out käme, wäre alles vollkommen offen. Bei NEDARG tippe ich auf ein 0-0 oder 1-0 für die Niederlande. Aber ein Messi kann jederzeit den Unterschied machen – ja, sogar ein Higuain, wie wir im VF gesehen haben.

Alles offen. Zwei irre Halbfinals. Vorfreude. Hoffentlich keine Schwerverletzten auf dem Platz.

 

Orakel:

Brasilien – Deutschland         4-5 (1-1, 0-1)

(oder: BRA – GER: 1-0 (1-0) ).

Niederlande – Argentinien   1-0 (0-0)   Oder: 5-4 n. E.

 

Euch noch vier Superspiele und so oder so eine Klasse Zeit bis Sonntagabend!

 

Andreas Bach

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