Der 24. Spieltag in der Bundesliga ist beendet und es bahnt sich doch noch ein wenig Spannung im Tabellenkeller an. Hätte ja fast niemand mehr für möglich gehalten, aber Platz 16 ist nun doch noch anders belegbar, als die Hinrunde vermuten ließ. Nach 17 Spieltagen stellte sich mir eigentlich nur die Frage: Hoffenheim, Augsburg oder Fürth? Hoffenheim verbuchte nach einer katastrophalen Hinrunde erst zwölf Punkte, nur Augsburg und Fürth waren mit jeweils neun Punkten noch schlechter. Von diesen drei Vereinen schien keiner eines Bundesligisten würdig zu sein. Fazit: Teilweise unterirdisch. Platz 15 lag bereits sieben Punkte entfernt und war mit Wolfsburg etwas überraschend besetzt.

Sieben Spieltage später sieht meine Fußballwelt allerdings wieder ein wenig anders aus – für Wolfsburg gilt das übrigens an dieser Stelle nicht. Die dümpeln trotz einiger Personaländerungen immer noch auf Platz 15 herum. Den „Anschluss“ nach unten scheint die „Volkswagen-Metropole“ liebgewonnen zu haben. Die „Wölfe“ spielen zumindest nicht so, als wäre Europa eine Option. Angesichts der Transferausgaben von rund 27 Millionen Euro und einem Gehaltsetat, der nur in München höher ist, wäre eine Prognose zu höheren Zielen auch völlig hanebüchen gewesen… Spieler wie Diego, Ivan Perisic, Naldo, Bas Dost, Ivica Olic oder Simon Kjaer haben sich die sportliche Situation bei ihren Wechseln sicherlich genauso vorgestellt. Und wo werden so bescheidene Bundesliga-Auftritte schon so fürstlich honoriert wie in Wolfsburg?

An anderen Orten verdient man zwar deutlich – und ich meine wirklich sehr deutlich – weniger, aber dort wurde seit einigen Wochen wieder ehrliche, harte Arbeit aufgenommen. Arbeit, die im Abstiegskampf geleistet werden muss, wenn der Weg in die 2. Bundesliga erfolgreich abgewendet werden soll. Na klar: Hier ist von Augsburg die Rede. Die überraschen derzeit die Bundesliga, die Fans und sich selbst wahrscheinlich am meisten. Trainer Markus Weinzierl hatte von Anfang an ein schwieriges Projekt zu bewältigen und hatte einen Kader, dem eine sehr schwere Saison prognostiziert wurde. Nun trifft diese Prognose zwar absolut zu, doch Augsburg zeigt derzeit, dass man endlich gewillt ist zu kämpfen. In sieben Spielen konnten bereits drei Punkte mehr geholt werden als in der gesamten Hinrunde – nämlich zwölf an der Zahl. Nur das Gastspiel in Leverkusen ging knapp mit 1:2 verloren. Die letzten zwei Spiele konnten sogar jeweils siegreich gestaltet werden. Als objektiver Betrachter imponieren mir die Augsburger derzeit, da ich dieses Team nach der Hinrunde bereits abgeschrieben hatte und den Kader kaum für konkurrenzfähig gehalten habe. Mittlerweile muss ich diese Einschätzung ein wenig korrigieren. Der Kader ist zwar weiterhin limitiert, aber die Augsburger gleichen ihre begrenzten spielerischen Mittel durch Kampf, Leidenschaft und den absoluten Willen, in jedem Spiel 100 Prozent zu geben, völlig aus. Das ist eine Tatsache, die anerkannt werden muss und die jedem Fußball-Liebhaber, der diesen Sport für alle seine Facetten mag, durchaus Freude bereiten dürfte. Augsburg ist nicht mehr mit dem Kanonenfutter aus der Hinrunde zu vergleichen, vielmehr gleicht es derzeit einer Festung, die sich mit Händen und Füßen gegen alles wehrt, was auf sie zukommt. Ein Hauch der „sächsischen Bastille“ Königstein weht über Augsburg. Natürlich stehen zwar auch noch die Rückspiele gegen die Topteams aus Dortmund und München auf dem Programm, aber in dieser Form und mit diesem Selbstvertrauen kann es für viele Vereine sehr zäh gegen Augsburg werden.

Hoffenheim und Fürth scheinen sich dagegen ihrem Schicksal zu fügen. Während man den Fürthern bei diesem Kader kaum einen Vorwurf machen kann, muss in Hoffenheim sicherlich einiges hinterfragt werden. Dort scheinen die Probleme nämlich etwas größer und hausgemacht zu sein. Wie sonst ist es zu erklären, dass teils gute Spieler mit tollen Fähigkeiten, so weit unter ihren Möglichkeiten spielen? Arbeitsverweigerung, Kein-Bock-Fußball, miese Stimmung, ideenlos, chaotisch. So wirkt das Team aus dem Kraichgau gerade auf mich. In vielen deutschen Fußball-Regionen schwappt den Hoffenheimer ohnehin nicht gerade viel Sympathie entgegen, weswegen sich im Falle eines Abstiegs wohl viele Anhänger die Hände reiben würden. Ich selbst erspare mir an dieser Stelle eine persönliche Note zu Hoffenheim, mache aber keinen Hehl daraus, dass ich eher zu den Freunden der Fußball-Nostalgiker tendiere.

Nachdem ich gerade schon einmal die Wolfsburger Leidensgeschichte angerissen hatte, sind allerdings noch ganz andere Teams in die Abstiegslotterie geraten. Teams, die sich vielleicht schon auf der sicheren Seite wähnten und die einige Anhänger vielleicht auch nicht zwingend so gefährdet erwartet hätten. Stuttgart (29 Punkte), Fortuna Düsseldorf (28 Punkte), Nürnberg (28 Punkte), Werder Bremen (28) und die bereits erwähnten Wolfsburger (27 Punkte). Dass es für Düsseldorf als Aufsteiger und Nürnberg als erprobtes Team im Abstiegskampf wieder schwierig werden würde, war zu erwarten, Stuttgart und Bremen enttäuschten bisher jedoch auf der ganzen Linie. Vereinzelnd waren bei beiden Teams sicherlich einige Glanzmomente dabei, in der Masse hinken die Vereine aber deutlich den eigenen Ansprüchen hinterher.

Stuttgart kann sich sogar nicht mal mehr auf die traditionell gute Rückrunde verlassen und droht nochmal ordentlich in Bedrängnis zu kommen. Fast schon paradox, dass die Schwaben dennoch ein Auge auf Europa werfen können, da im Halbfinale des DFB-Pokals ein Heimspiel ansteht und ein Sieg dort schon für die Teilnahme am internationalen Geschäft reichen könnte – vorausgesetzt, Bayern München würde der Finalgegner werden. Der Fokus sollte aber dennoch zu großen Teilen auf dem Liga-Alltag bleiben, das Restprogramm liest sich sehr prominent. Zum Großteil finden sich dort die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte wieder. Die Schwaben sollten demnächst also nicht zu sehr mit ihrer Leistung geizen.

Und dann gibt es noch Werder Bremen. Dieser Abschnitt tut mir persönlich am meisten weh. Als Anhänger der Grün-Weißen ist natürlich auch Leid kein Fremdwort, denn schließlich gab es das in der anfänglichen Post-Rehhagel-Ära zuhauf. Aber von diesem Team hätte mehr erwartet werden können – zumindest habe ich das getan. Was die Mannschaft allerdings derzeit anbietet, ist alles andere als erstligareif. Angefangen bei der konstanten Inkonstanz über die gewohnt löchrige Abwehr bis hin zu teils fragwürdigen Personalentscheidungen: Alles dabei! Die Mängelliste ist natürlich absolut unvollständig, aber das wissen die Verantwortlichen dort sicher selbst. Von Europa sollte sich verabschiedet werden, denn dieses Ufer rückt in immer weitere Ferne – und durch die vielen Löcher in der fragilen Werder-Kogge muss man aufpassen nicht gänzlich abzusaufen. Dass Qualität und Potential im Kader sind, hört man oft, aber abrufen müssen es die Spieler selbst. Und wenn sie das weiterhin nur in Ansätzen tun, muss es klar in Frage gestellt werden, ob der Kader wirklich mehr leisten kann, als er es derzeit tut. Im Prinzip ist es auch egal, gegen wen Werder die nächsten Spiele antritt, denn eine Prognose würde man nur direkt aus der Wundertütenabteilung erwarten können. Hier ist derzeit alles möglich, leider auch in negativer Hinsicht. Eine Entwicklung hierzu verglich Matthias Holtz in unserem Blog mit einem Vertreter aus England, der allerdings noch deutlich besser in der eigenen Liga dasteht.

Mein Tipp für die untersten drei Ränge: 16. Fortuna Düsseldorf, 17. TSG Hoffenheim, 18: Greuther Fürth. Könnte bei der Konstellation auch ein sehr brisantes Duell für die Relegation geben – nämlich dann, wenn der 1. FC Köln den dritten Platz in der zweiten Liga belegen sollte. Das wäre doch mal ein tolles Duell zweier Rivalen. In diesem Sinne: Auf zehn weitere Endspiele.

Giuseppe Cotrufo

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