„Wenn Fußball nur noch Theater ist, dann können wir auch Wrestling machen“.
Thomas Müller aktuell im „Playboy“-Interview, 2013.

„Alles was du willst, kannst du nicht haben, buona notte.“
Rocco Granata, in „Händler der vier Jahreszeiten“, Film von Rainer Werner Fassbinder, 1972.

Fußball, lieber Thomas, ist nur so lange Theater, so lange du als begnadeter Junge im Spiel ohne und gegen die Bälle im „Playboy“ – merkste was? – eine Runde begnadete Häschen-such´s Balli-Interviews mit tollen Statements ausgibst. Uff, Man.

Das alles wird mir hier langsam zu viel Gerede, Gewechsel, Geraune, Gerotze, Geschimpfe, Gefluche, Gebabbel (was macht der eigentlich gerade?), Gebimmel, Gebammel, Gebumms. Ich hätte soo gerne lieber doch noch mehr von Dr. Merkels gesammeltem Schweigen zur USA-NSA-Affäre und zum halblauten Steuer-Schweigen rund um den Dauerschweiger Uli Hoeneß. Ich wüsste wirklich gerne, was Bayern-Fan und Deutschland-Fanatiker Til Schweiger zu all dem sagt? Ja, zur NSA, zu Uli, und weiter zu Pep, zum Streit mit Tito und Barca und dem verschwiegen bis verbissen lateral geführten Systemstreit um Bayerns weltweit bestes Mittelfeldsystem seit Reals weißem Ballett von?. 1958/2000? Seid doch froh, dass wir alle diese Spieler demnächst spielen sehen! Oder was?

Na, wir wissen es nicht. Wer wo so spielt. Heute noch nicht. Morgen auch noch nicht. Vielleicht äußert sich der Til ja doch noch dazu. Schweiger? Schweiger?? Sag was, was wir zitieren, twittern, in den Dreck ziehen, in den Himmel heben können! Machen Sie, Til, Ihrem Namen endlich wieder mal alle Unehre! Aufhören! Mit dem ewigen Schweigen! Deutschland wird Weltmeister, in Brasilien, was meinen Sie? Mit welchem System, was meinen Sie? Und Sie?

mueller_bstuber

Ich las heute, im „Kölner Stadtanzeiger“, natürlich über den 1. FC Köln, die haben ja keine anderen Themen, vielleicht noch paar Abfall-Zeilen über Lev, also über den gottgleichen FC, es war grauenhaft, zur Hilfe, ich stolpere. Stopp. Von Vorne. Es war so: die Schreiber verplanten zwischen den Zeilen, und auch halbwegs darin, in einem dieser Artikel, die morgen bereits wieder vergessen sind, wenn übermorgen im Januar der Trainer gefeuert wird,  bereits schon wieder das viele dem Club für den gewollten Erstliga-Aufstieg demnächst zustehende Geld (17 Millionen? Ich weiß es nicht mehr…) diese ominöse erste deutsche Liga, die für den FC mit diesem Kader, mit  diesem Schmackes, tschuldigung, Schmadtke, ja so sicher kommt wie das Amen in irgendeiner der vielen schönen Kirchen Kölns, Gott hab sie selig. Gott, sind diese Kirchen seit 1945 hässlich im Kölner Nachkriegs-Stadtbild verbaut. Oh Du höheres Wesen, das wir verehren, spielt der FC seit ca. spätestens 1995 einen echt schönen Scheiß.

Die „SZ“ verbreitete sich ebenfalls heute – morgen? gestern? übermorgen? ..egal – fast eine ganze Seite lang über Peps „Kalkulierte Verunsicherung“ und schrieb, keiner der Spieler wisse jetzt mehr, wo er spielen würde. Vilanova durfte daneben Pep dissen („Ich war allein“) und Gomez in Florenz glücklich sein – und sein neuer Club mit ihm („Liebe in Zeiten der Euro-Krise“, alles Seite 27).

Ach, übrigens, nun die Volte: Dr. Merkels gesammeltes Schweigen hatte sich beim Florentiner Bürgermeister schon letzte Woche nach Gomez erkundigt, so die „SZ“. So ist das also.

Da, wenn es um den wichtigen Supermario geht, um einen unserer beiden nach Italien ausgesiedelten Nationalmittelstürmer – nicht nur in unserer Liga, fragen Sie Pep, eine langsam aussterbende Art, diese Spezies dürfen EuroLeague – Vereine wie Lazio oder Firenze ruhig haben! – da, also in diesem Zusammenhang konnte Frau Schweiger den Florentiner Bürgermeister mit dem schönen Namen Matteo Renzi also plötzlich intensiv befragen. Da konnte sie nachhaken, nachfragen, recherchieren, Infos einsammeln, sprechen – ist ja toll. Wenn es um die WM geht. Ist ja nicht Politik, Spionage, USA, ist ja Fußball, Brasilien. Da gibt es was zu gewinnen für uns. Und ich dachte schon, Dr. Murkel stünde inzwischen wirklich für begnadetes Schweigen allerorten. Scheint aber doch nicht so zu sein.

Nehmen wir es, wie es ist, Männer. Wir sind alle Merkel. Großes Vorbild für uns, die Kanzlerin. Fast wie Schröder. Wir wollen die wirkliche Wahrheit nicht wissen und können von Halbwissen doch nicht genug bekommen. Wir sind megalaut. Wir sind Schwätzer, Anekdotensammler, Freizeitfreaks. Und natürlich dauervergnügungssüchtig. Sozusagen Vollalkoholiker im Angesicht des Rauschebarts unseres höheren Wesens, das wir verehren, Messi, Schweini, wie auch immer es heißt, so oder so.

Wir alle wollen das Dauer-Spektakel. Immer. Heinrich Böll und Rainer Werner Fassbinder sind für uns zwar immer noch echt gestandene Männer, höchst verdienstvoll, kultiviert auch, tatsächlich noch mit echten Eiern in der Hose, jederzeit bereit, das Richtige zu sagen, zu schreiben, zu filmen, zu tun, zu verschweigen, vor allem aber: das eigene Leben zu leben. Aber, machen wir uns nix vor: sie sind, wie Uwe Seeler, Günther Netzer, Gerd Müller, eben auch  Männer aus einer anderen Generation. Aus einer Zeit, als es weder Wrestling noch die Champions League gab – und schon gar keine deutschsprachige Ausgabe des „Playboy“.

Die gab´s erst ab dem 1.8.1972. Mit einem wunderbar herzigen FSK 0 bis 6 – Titel ohne auch nur eine einzige entscheidende Stelle entblößter Haut, dafür innen mit den schönsten Mädchen von München, mit Geschichten von Tennessee Williams, Irwin Shaw und Heinrich Heine und Esther Vilar. Zu einer Zeit, da waren „wir“ mit Beckenbauer, Netzer und Heynckes grade erst auf überragende Weise  Europameister geworden. Da war der FC Bayern grade erst mal zum zweiten Mal Bundesliga-Meister geworden, knapp vor Schalke, das man im allerletzten Spiel der Saison 71/72 – und im allerersten Bundesliga-Spiel im Münchner Olympiastadion überhaupt – im entscheidenden Duell mit 5-1 klar geschlagen hatte. Die Bayern hatten nach 34 Spieltagen  insgesamt 101 Tore geschossen. Das sind drei mehr als in der grade vergangenen Dauermegarekordsaison unter Don Jupp. Fassbinder war damals noch nicht tot und oft im Olympiastadion anzutreffen.

Ja, großes Kino. Und Fußball. Wir wissen alles darüber. Oder fast. Glauben wir zumindest. Wir machen Filme darüber, wenn man uns lässt. Und wir zeigen sie euch auch, ganz umsonst, weil Sommerpause ist. Haha. Also, Bei uns gibts morgen so sicher wie das Amen in einer jener Kirchen jenes höheren Wesens, das wir verehren, endlich den zweiten Teil unserer so informativen wie vergnüglichen Soccerdauerwerbesendung HAUPTSACHE FUSSBALL – JUNGE PROFIS AUF DEM WEG INS SPIEL. Und zwar, wie gesagt: ganz umsonst. In Full-HD. Der erste Teil ist bereits seit einer Woche online. Denn man muss auch gönnen können. Und nicht nur schimpfen. Ich mag Frau Merkel, denn sie ist, wie sie ist. Wie ich.

Andreas Bach

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